Rhein-Pfalz Kreis „Die Pfalz hat mich geprägt“

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Frau Dreyer, ganz spontan: Welche drei Dinge verbinden Sie mit Schifferstadt?

Ganz aktuell natürlich den Saumagen-Orden. Schifferstadt liegt zudem nah an meinem Heimatort Neustadt, daher denke ich ganz sicher auch an die Pfalz. Und natürlich sind mit Schifferstadt der VfK 07 und das Ringen eng verbunden. Wäre der Saumagen-Orden vor ein paar Monaten auch dabei gewesen? Ja klar, denn der Orden ist ja rheinland-pfalzweit ein Begriff. Als „Pälzer Mädel“ haben Sie den Saumagen-Orden verdient, finden die Schifferstadter Karnevalisten der Schlotte. Fühlen Sie sich denn noch als Pfälzerin? Ja, das tue ich auf jeden Fall. Ich bin dort geboren und aufgewachsen, die Pfalz hat mich geprägt. Dieses Gefühl verliert sich nicht. Gleichzeitig fühle ich mich aber auch als Rheinland-Pfälzerin, und, weil wir mitten im Herzen von Europa leben, als Europäerin. Wie behält man das Pfälzer Lebensgefühl? Die regelmäßigen Besuche helfen in jedem Fall. Ich bin auch heute noch viel in der Pfalz unterwegs, sowohl als Ministerpräsidentin als auch privat. Oftmals sind es aber auch die kleinen Dinge, die die Erinnerungen sofort zurückbringen – Kindheitserinnerungen, ein bestimmter Geruch oder ein bestimmtes Essen. Schorle wird sowohl in Mainz als auch in Trier nicht in Pfälzer Größe serviert. Und Saumagen gibt’s wohl auch nur in den wenigsten Metzgereien. Kulinarisch bleibt der Pfälzer im Exil eher auf der Strecke, oder? Die Schorle, wenn auch kleiner, bekommt man glücklicherweise in ganz Rheinland-Pfalz. Mit dem Saumagen wird es da schon schwieriger, da haben Sie Recht. Umso schöner ist es, dass ich regelmäßig in der Pfalz vorbeischauen kann. Und wenn ich Zeit habe, koche ich einige Gerichte auch gerne mal zu Hause. Ihr Vorgänger Christian „Chako“ Habekost ist Vegetarier. Wie stehen Sie zum Saumagen? Der Saumagen gehört definitiv zur Pfalz und kommt auch bei mir ab und an auf den Teller. Neben der klassischen Variante gibt es mittlerweile ja auch alternative Rezepte, beispielsweise mit Esskastanien oder frischen Trüffeln. Das Lieblingsgericht meiner Kindheit ist allerdings gestampfte Gellerriebe mit Haschee. Das erinnert mich immer wieder an die Pfalz. Nun ist der Saumagen in der Welt ja eher durch Helmut Kohl und die CDU bekannt geworden. Kommt er bei den Genossen denn auch bei offiziellen Anlässen auf den Tisch? Der Saumagen ist durch Helmut Kohl auf jeden Fall auch über die Pfalz hinaus bekannt geworden, das stimmt. Unabhängig davon ist er jedoch einfach eine regionale Spezialität. Deshalb ist klar, dass auch die Genossen vor Ort das traditionelle pfälzische Gericht gerne mal servieren. Zurück zur Rosenquarz-Variante: Der Orden, der wieder in Idar-Oberstein hergestellt wurde, wiegt 740 Gramm. Um ihn dauerhaft als Halsschmuck zu tragen, ist er ja ein bisschen schwer. Haben Sie schon eine Idee, wo er zukünftig stehen wird? Als Halsschmuck wird er tatsächlich etwas schwer – und außerhalb der „fünften Jahreszeit“ vielleicht auch etwas gewöhnungsbedürftig. Ich freue mich aber in jedem Fall auf den Orden und werde in der Staatskanzlei einen gebührenden Platz für ihn finden. Die Auszeichnung des Frankenthaler Carneval Vereins zur „Ritterin von der Hobelbank“ am 13. Januar konnten Sie wegen der Sondierungsgespräche nicht persönlich entgegennehmen. Die Saumagen-Orden-Verleihung ist an einem Dienstagabend. Werden Sie in Schifferstadt persönlich vor Ort sein? Ja, das hat mir sehr leid getan. Als Ministerpräsidentin ist man manchmal ganz schön fremdbestimmt bezüglich des Terminkalenders. Aber der Termin ist in meinem Kalender eingetragen, und ich habe mir fest vorgenommen, dabei zu sein. Kommen Sie allein? Eine meiner Mitarbeiterinnen wird mich begleiten. Als Gattin des ehemaligen Oberbürgermeisters waren Sie in Trier immer wieder bei der Fasnacht zu sehen. Und auch in Mainz sind Sie dabei. Ganz ehrlich: freiwillig oder aus Amtspflicht? Das ist keine Pflicht für mich. Mir machen diese Termine jedes Mal viel Freude. Die Fasnacht gehört zum Brauchtum in Rheinland-Pfalz, und es ist schön mitzuerleben, mit welchem Engagement es Jahr für Jahr von so vielen Ehrenamtlichen gepflegt wird. Ich versuche, jedes Jahr möglichst viele „närrische Termine“ wahrzunehmen. Ihre Kostümierung ist aber – verglichen mit CSU-Politiker Markus Söder oder CDUlerin Julia Klöckner – meist eher zurückhaltend. Warum? Ist sie zurückhaltend? Ich empfinde es gar nicht so. Ich wähle je nach Anlass verschiedene Kostüme und versuche, immer etwas dem Anlass oder Thema entsprechend zu finden. Da ist es mal eleganter, mal bunter. Im letzten Jahr habe ich mich beispielsweise einmal als Europa verkleidet, womit ich auch eine politische Botschaft und eine pro-europäische Haltung verbunden habe. Gezielt zurückhaltend wähle ich meine Kostüme aber nicht. Als eine Frau mit beachtlicher Karriere, die in einer männerdominierten Welt den weiblichen Charme nie verloren hat, zudem freundlich, aber auch beharrlich ist, charakterisieren die Fasnachter Sie in ihrer Begründung. Trifft das für Sie zu? Ich freue mich natürlich über diese Charakterisierung. Ganz generell ist es mir wichtig, mit Menschen ins Gespräch zu kommen, ihnen zuzuhören und ihre Anliegen aufzunehmen. Freundlichkeit ist dabei sehr hilfreich. Wird es denn Zeit, dass mehr Frauen in der Fasnacht in Amt und Würden kommen? Diesen Hinweis habe ich als Frau und Regierungschefin eines mehrheitlich weiblich geführten Kabinetts im letzten Jahr augenzwinkernd einer Garde gegeben, die zu Besuch in der Staatskanzlei war – mit lediglich einer Frau darunter. Ich bin einhundertprozentig für die Gleichstellung von Mann und Frau, die Gleichberechtigung aller Menschen in der Gesellschaft. Insofern finde ich gut, wenn auch in der Fasnacht mehr Frauen aktiv sind, und unterstütze alle, die Lust und Interesse haben, sich dort einzubringen. Man sollte das Ganze aber – zumindest in Bezug auf die Fasnacht – nicht allzu verbissen sehen: Ich glaube jedenfalls nicht, dass wir hier eine verbindliche Frauenquote brauchen, anders als in anderen Bereichen. Wann waren Sie eigentlich das letzte Mal in Schifferstadt? Zuletzt war ich dort, um mir das rheinland-pfälzische Ringer-Derby vom VfK Schifferstadt gegen den ASV Mainz in der Bundesliga anzusehen. Das war im November 2016. Bis Mainz sind es gut 85 Kilometer, bis Trier 184. Gönnen Sie sich einen entspannten Abend und bleiben in der Pfalz? Leider habe ich im Moment keine Zeit dafür, wenngleich ich immer gerne einen Abend in der Pfalz verbringe. Dieses Mal fahre ich allerdings zurück nach Mainz, wo am Mittwochmorgen die nächsten Termine warten. Eines sollten Sie an der Verleihung können – das Rettichlied. Sind Sie schon textsicher? Ein kleiner Test zum Schluss: „Es gibt große, es gibt kleine, es gibt scharfe und auch feine, ja, in jeder deutschen Stadt ...“ „... kennt man Rettich aus Schifferstadt!“ Ich werde versuchen, mir bis zur Verleihung noch einige Textzeilen zu merken. Und spätestens nach der Veranstaltung kann ich dann sicher das gesamte Lied. Termin Verleihung des 27. Pfälzer Saumagen-Ordens, Dienstag, 23. Januar, 18.33 Uhr, Vereinsheim der KG Schlotte, Am Waldfestplatz 11, Schifferstadt.

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