Mutterstadt Die Nacht zum Tag gemacht: Fans verwandeln Walderholung in buntes Spieleparadies
Täglich etwa 300 Spielebegeisterte haben am Wochenende die Mutterstadter Walderholung in ein buntes Spieleparadies verwandelt. Über 250 Gesellschafts-, Brett-, und Rollenspiele standen bei „Mutterstadt spielt“ zum Ausleihen und Ausprobieren zur Verfügung. An langen Tischen wurde gelacht, gefiebert und angeregt diskutiert.
Bereits seit den 1980er-Jahren findet in Mutterstadt ein Rollenspiel-Convent (MuRoCo) statt. Mit der Corona-Pandemie drohte jedoch das Aus für die Veranstaltung. 2022 sollte laut Peter Rummel, einem der Organisatoren, eigentlich das Dampfnudelfest an der Walderholung stattfinden. Da dieses jedoch aufgrund fehlender Helfer abgesagt werden musste, entstand die Idee, den MuRoCo mit einer großen Brett- und Kartenspielausleihe zu verbinden, um den gemieteten Platz trotzdem zu nutzen: die Geburtsstunde „Mutterstadt spielt“, das seither jedes Jahr jeweils im April und September stattfindet.
Von „Wizard“ bis Tabletops
Laut Organisatorin Heike Rummel sind sogenannte Stichspiele wie „Wizard“ gerade besonders im Trend. Dabei bestimmen die Spieler ihre Strategie anhand von Wahrscheinlichkeiten. Auch Deduktionsspiele seien momentan sehr beliebt. Dabei geht es darum, mittels logischer Schlussfolgerungen einen anfangs unbekannten Sachverhalt aufzudecken.
Einen großen Teil der Mutterstadter Veranstaltung machen Rollenspiele aus. Diese Geschichten finden oft in ganz individuellen Paralleluniversen statt, die als sogenannte Tabletops mit eigenen Kulissen, Bausteinen und Spielfiguren auf den Tischen aufgebaut werden. Dabei gibt es meistens einen Spielleiter, der die Teilnehmer durch die Geschichte führt.
Einer der erfahrenen Rollenspieler ist Torsten Scupin. Er hat seine eigene Version eines bereits bestehenden Spiels namens „Space Hulk“ entwickelt und arbeitet ständig daran weiter. Dafür benutzt er Teile aus verschiedensten Spielen und entwickelt eigene Figuren. Um sich seine Version des Rollenspiels erklären zu lassen, seien sogar schon begeisterte Mitspieler aus Frankreich angereist, erzählt er stolz. In der Nacht von Samstag auf Sonntag soll eine Gruppe von Rollenspielern sogar bis in die Morgenstunden an einer Spielrunde gesessen haben – natürlich das Gesprächsthema am Sonntag.
Spiele aus Kreisarchiv
Sonja Knoll kommt bereits seit vielen Jahren wieder. Sie genießt die fröhliche Atmosphäre und hat durch die Veranstaltung mittlerweile einen großen Freundeskreis gefunden, der sich einmal pro Woche trifft, um auch zu Hause Brettspiele zu spielen. Ihr gefällt besonders gut, dass man auch teurere oder schwierige Spiele ausprobieren könne, ohne gleich Geld dafür ausgeben zu müssen. Eine ihrer Freundinnen hat ihren vierjährigen Sohn dabei. Er ist ganz begeistert von „Kakerlakak“, einem Spiel, bei dem man eine kleine, automatisch gesteuerte Kakerlake durch Taktik ins richtige Ziel locken muss.
Die rund 250 Spiele, die an diesem Wochenende ausgeliehen werden konnten, stammen aus dem Spielearchiv des Rhein-Pfalz-Kreises. Laut Peter Rummel wurden aber auch wieder viele von Verlagen oder Privatpersonen gespendet.