Mutterstadt RHEINPFALZ Plus Artikel Brettspiel trifft Fantasy: Was bei einem Spieleabend so los ist

Spaß am Spielbrett: An vielen Tischen in der Walderholung wurde Neues ausprobiert und Altbewährtes aufgefrischt.
Spaß am Spielbrett: An vielen Tischen in der Walderholung wurde Neues ausprobiert und Altbewährtes aufgefrischt.

Sowohl Fans von Fantasy-Rollenspielen als auch von herkömmlichen Gesellschafts- und Brettspielen haben sich auf einer großen „Spielwiese“ getroffen, um Neues kennenzulernen oder eigene Favoriten vorzustellen. Und um Spaß zu haben. Gewinnen ist schließlich nicht alles .

Schlachten schlagen, Fälle lösen, Karten ziehen, Figuren setzen, würfeln oder raten – der Spiellust und auch der Spieldauer waren in der Walderholung Mutterstadt am Wochenende keine Grenzen gesetzt. Es war die Zweitauflage einer Kooperation zwischen dem Mutterstadter Spieletreff, der sich an zwei Donnerstagen im Monat in der Bibliothek trifft, dem MuRoCo (Mutterstadter Rollenspiel-Convent), der seit über 30 Jahren Rollenspielfreunde jeweils im Frühling und im Herbst einlädt, und der Arbeiterwohlfahrt (Awo), die für Speisen und Getränke sorgt. Die Grundidee hinter der Veranstaltung, wie Mitorganisator Klaus Geis erzählte, sei ein „generationsübergreifendes Spiel“.

Spiellustige zwischen vier und 99 Jahren sollten angesprochen werden. Für sie stand eine Auswahl von 250 Spielen der insgesamt 650 Exemplare umfassenden und vom Jugendzentrum Böhl-Iggelheim verwalteten Sammlung des Rhein-Pfalz-Kreises, alphabetisch sortiert von A wie „Azul“ bis Z wie „Zauberberg“ (Kinderspiel des Jahres 2022), zur Ausleihe zur Verfügung. „Spielregeln sind oft eine große Hürde“, meint Peter Rummel, der zusammen mit 30 Spieleberatern im Einsatz war. „Wir kommen und erklären“, beschrieb der Helfer seine Aufgabe. „Manche Leute bringen auch einfach ein Spiel von zu Hause mit“, ergänzte Klaus Geis, der beruflich als Spieleverleger („Ebbes“, „Dubbe“) unterwegs ist.

Fantasie und die Bereitschaft, in die Hauptrollen einer Geschichte zu schlüpfen, waren bei den Rollenspielen gefragt. Noël Martin vom Haßlocher Verein Ad Arma stellte das Tabletop-Spiel „Ronin“ vor. Hinter diesem Genre steckt ein Strategiespielsystem, bei dem mit Miniaturfiguren auf einer Spieloberfläche gespielt wird. Der 64-Jährige hat die Szenerie dafür selbst gebaut und die Figuren, wie 12.000 andere in seinem Bestand auch, handbemalt. „Es geht um Mönche, die es satthaben, so viele Steuern zu bezahlen und daher ein Dorf überfallen“, erklärte Martin. Samurai aber setzten sich dagegen zur Wehr. Entschieden werde der Kampf durch entsprechende Augenzahlen auf dem Würfel.

Konrad Ferlangen vom Kurpfälzer Rollenspieltreff betonte, dass beim Spielen vor allem die Gemeinschaft zähle und letztendlich alle Gewinner seien. Schließlich habe man es zum Beispiel im Team geschafft, einen wie in einem gemeinsamen Film erlebten Fall zu lösen.

An einem acht Meter langen Tisch wurde das 1989 von der britischen Firma Games Workshop entwickelte Brettspiel „Space Hulk“ gespielt. Die Handlung des Spiels ist inhaltlich im Warhammer-40.000-Universum angesiedelt. Es besteht aus einem erweiterbaren Spielfeld und stellt ein verschrottetes Raumschiff dar. Genetisch verbesserte Kämpfer, die sogenannte Space Marines, sollen die Menschen in der Galaxis wieder ansiedeln und vor feindlicher Invasion schützen, erklärte Spielfan Karsten Köhler. Der Gegenpart seien Aliens, vorstellbar als Ameisenhaufen, der alles an Biomasse sammle, es umwandle und zur Expansion nutze. Torsten Scupin, ehrenamtlich fast von Anfang an als Saalleiter bei MuRoCo-Events dabei, hatte sich für diese Runde die Abenteuer ausgedacht und auf einem Regelskelett basierend die fünf Missionsziele festgelegt.

Gemütliche Familienspiele gab es auch. Die Müllers aus Ruppertsberg spielten das Spiel des Jahres 2021 „MicroMacro“. „Ein Wimmelbild-Spiel, in dem man Kriminalfälle lösen muss“, sagte Markus Müller. Das Ganze in der Gruppe, also mit Ehefrau Janine und der achtjährigen Tochter Klara. Auch hier war nicht ein individueller Sieg das Ziel. „Ich halte solche Veranstaltungen für sehr wichtig“, bekräftigte der Familienvater. Sie böten eine analoge Beschäftigung, weg von den Verführungen des digitalen Lebens. „Zurück zur realen Gesellschaft und gemeinsam am Tisch sitzen, ohne in den Monitor zu gucken“, das habe ihn motiviert, zu kommen.

Termin

Das nächste „Mutterstadt spielt“ findet am 30. September 2023, 12 Uhr, bis 1. Oktober 2023, 18 Uhr, statt.

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