Rhein-Pfalz Kreis
Die Macher aus Mutterstadt
Krimidinner war gestern. Wer heute bei einem mehrgängigen Menü etwas erleben will, besucht „Eat to the Beat“, eine neue und weltweit einzigartige Dinnershow: Zwischen den einzelnen Gängen machen zwei Entertainer auf Küchengeräten Musik, und die Zuschauer machen mit. Zurzeit laufen die Proben im Mutterstadter Blockfeld.
Aus dem Probenraum dringen brasilianische Klänge: Rasseln, Trommeln, Ratschen, Klingen. Ein Sambakurs? Weit gefehlt. Es sind Ricardo Espinosa alias Giovanni Cannelloni und der Speyerer Jazzmusiker Stefan „Hering“ Cerin. Ihre Instrumente sind Töpfe, Pfannen, Messer, Küchenreiben, Kochlöffel und Rührgeräte, und das klingt bei den beiden Schlagvirtuosen richtig gut. Hinter dem Konzept steht Patrick Strese, Inhaber der Firma Hola games & entertainment. Der gebürtige Schwabe kam vor etwa 15 Jahren der Liebe wegen in die Vorderpfalz, nach Dannstadt. Zuvor hatte der Diplom-Betriebswirt in Frankfurt eine Event-Agentur geleitet und Unternehmensveranstaltungen organisiert.
Das tut er auch heute noch, an die 200 im Jahr, und mit einer ganz besonders taktvollen Note: Er trommelt die Leute zusammen. Genauer gesagt, er lässt sie zusammen auf Cajons trommeln, die gleichzeitig als Sitzgelegenheit dienen. Die Cajon stammt aus Peru und war früher nichts anderes als eine Holzkiste, auf der der Trommler saß und darauf den Rhythmus schlug. Eines Tages, etwa vor zehn Jahren, buchte Strese den illustren, in Zürich geborenen Spanier Enrico Espinosa, einen der besten Cajon-Spieler in der Flamenco- und Pop-Szene, und lernte dieses einfache, aber erstaunlich vielseitige Instrument kennen.
Und dann wurden die Cajon-Stühle erfunden
„Wir haben dann angefangen, die Cajon in Veranstaltungen zu integrieren – mit wahrhaft durchschlagendem Erfolg“, erinnert sich Strese. „Bis sich bei einer mehrstündigen Konferenz die Teilnehmer beklagten, dass sie nicht mehr auf den „Hockern“ sitzen könnten“. So begannen sie, Cajon-Stühle zu bauen. Die waren erstens bequemer; zweitens ließen sie sich sowohl als Konferenz- als auch als Galastühle verkleiden. „Und weil Koch- und Dinner-Shows im Trend liegen, war auf einmal die Idee da, eine interaktive Dinner-Show zu konzipieren“.
Es ist still geworden im Probenraum. Zigarettenpause. Espinosa erzählt: „Premiere von „Eat to the Beat“ war erst Anfang dieses Jahres. Als wir die Show Hotels und Unternehmen vorstellten, war die Resonanz gleich groß. Und inzwischen sind wir heiß begehrt! Ende Februar kommenden Jahre wird es sogar eine Show mit Starkoch Ralf Zacherl in Berlin geben.“ Neben Strese, Espinosa und Cerin ist Marc Fehlinger der vierte Mann im Bunde. Er hat nach seinem Lehramtsstudium bei Strese eine Ausbildung zum Einzel- und Außenhandelskaufmann absolviert und ist hauptsächlich für die Akquise zuständig. „Doch so genau kann man das hier nicht trennen – wir machen alle alles, also auch den Aufbau vor Ort, oder wir verladen die Stühle“.
Zu Veranstaltungen geht es mit drei großen Lkw
Was keine Kleinigkeit ist: Die Stühle sind nicht stapelbar, deshalb sind bei einer größeren Veranstaltung drei große Lkw im Einsatz. Fast wie bei der Band Unheilig, als sie noch im Rampenlicht stand, und die Espinosa übrigens auch auf der Cajon begleitet hat. Fast nebenbei erzählt Strese, der seinen Erfolg nicht gern an die große Glocke hängt: „Der Graf (Sänger und Gründer von Unheilig) erlaubte als einer von wenigen Künstlern Kinder auf seinen Konzerten. Wir haben uns während des Konzerts um die Kids gekümmert, mit ihnen etwas auf der Cajon einstudiert, und zum Schluss durften sie auf der Bühne mittrommeln.“
Stichwort Kinder: Der zweifache Familienvater hat neben den Cajon-Veranstaltungen, die er unter dem Namen „Drum olé“ vermarktet, eine zweite Marke gegründet: Unter „baff“ firmiert ein pädagogisches Konzept für frühkindliche Musikerziehung, das bereits mehrfach ausgezeichnet wurde. Mit den Möbeln und Spielwaren lassen sich Musik machen und das Rhythmusgefühl schulen. Während diese Waren in alle Welt gehen, kommen mehrmals im Monat Kinder nach Mutterstadt, um dort ihren Geburtstag mit Getöse und Geschenken zu feiern. Ein rundum erfolgreiches Konzept also, und made in Mutterstadt.
Noch Fragen?
- Info zu den Firmenveranstaltungen: www.drumole.de; zu Spielzeug und Geburtstagen: www.baff.eu
- „Eat to the Beat“ in der Region am 2. November im Kurhotel Bad Dürkheim und am 30. November im Leonardo-Hotel Mannheim