Rhein-Pfalz Kreis Die kleinen Brüder der Formel-Eins-Autos

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Dannstadt-Schauernheim. Auf dem Gelände des Tennisclubs Dannstadt-Schauernheim ist am vergangenen Wochenende ein Lauf des Hessen-Cups für Modellautos ausgetragen worden. Mit ihren rasanten Fahrten hielten die bunten kleinen Flitzer die Zuschauer am Streckenrand in Atem.

Schon von Weitem sind sie zu hören, denn sie rasen mit über drei PS die Rennstrecke entlang, nehmen enge Kurven und fahren über Rampen, sodass sie sogar ein kurzes Stück durch die Luft fliegen. Die Fahrzeuge starten in drei Kategorien. Die Nitro-Motoren sind dabei nochmals in Hobby- und Expert-Fahrer unterteilt, außerdem gibt es Elektroautos. Diese sind viel leiser als die Modellautos, die mit einem kleinen Kraftstoffmotor ausgestattet sind. Das ist auch der Grund, aus dem die Mitglieder des Model-Auto-Clubs (MAC) Dannstadter Höhe normalerweise nur mit Elektroautos fahren. „Tennisspielen lässt sich nur schwer mit dem Geräuschpegel der Nitro-Motoren vereinbaren“, erklärt Gerhard Bachmann, zweiter Vorsitzender des MAC Dannstadt. Bei den Vorläufen und Trainingsfahrten am Samstag konnten sich die Fahrer auf die Strecke einstellen. „Je nach Strecke muss man das Fahrzeug verschieden anpassen“, erklärt Bachmann. Das läuft so ab: Zuerst werden einige Testrunden gefahren, dann wird „rumprobiert“. Allein schon für die Stoßdämpfer gibt es verschiedene Öle, aus denen man das richtige auswählen sollte. Weiter geht es mit Ölen für die Differentiale. „Ein normales Auto hat eins, unsere Modellautos haben sogar drei Differentiale“, berichtet Bachmann. Mit dem richtigen Öl könne man das Lenkverhalten und das Beschleunigen optimal anpassen. Auch die Federn – entweder harte oder weiche – werden extra für die Strecke ausgewählt. Die Reifen jedoch seien meistens vorgeschrieben. „Für die Autos, mit denen man Rennen fahren kann, liegt der Einstiegspreis bei über 1000 Euro. Für Einsteiger ist das Level natürlich niedriger, aber wenn man etwas erreichen will, braucht man auch ein gutes Modellauto“, erzählt Bachmann. Er schätzt, dass jeder der 80 Teilnehmer eine Ausrüstung im Wert von 3000 bis 5000 Euro dabei hat. Im „Fahrerlager“, dem Aufenthaltsort der Modellautofahrer, helfen sich die Fahrer gegenseitig. „Nach einem Rennen werden die Autos zuerst mit Druckluft gereinigt“, sagt Bachmann. Dann schaue man, ob alles in Ordnung sei. „Wenn alles passt, ist die Welt in Ordnung.“ Falls nicht, müsse der Fahrer das Modell auseinanderschrauben und nachschauen, was nicht stimmt. „Da steckt dann schon ein enormer Zeitdruck dahinter“, erzählt Bachmann. Denn die Pausen zwischen den einzelnen Rennen seien nicht sehr lang. Wenn man nicht zwei Rennen direkt hintereinander fahren müsse, könne man als Streckenposten eingeteilt werden und müsse dann auf die Rennstrecke achten. „Jeder Fahrer übernimmt mal den Streckenposten, damit es fair ist“, erläutert Bachmann. Der Streckenposten beobachtet die Modellautos und ist zur Stelle – wenn eins umfällt, zum Beispiel, weil es die Kurve zu eng geschnitten hat. Dann stellt der Streckenposten das Auto wieder auf alle vier Räder und sorgt dafür, dass es weiterfahren kann. Marko Meuser nimmt in der Kategorie der Hobbyfahrer teil. „Alles begann damit, dass ich meinem Sohn ein Modellauto gekauft habe“, erzählt er. Aus dem kleinen Auto seien immer größere geworden. „Und irgendwann war ich es leid, immer nur das Auto zu reparieren und nicht selbst zu fahren“, berichtet der Hobbyrennfahrer. „Es entwickelt sich eine Leidenschaft, von der man nur schwer wieder loskommt.“ Seit sechs Jahren ist Meuser mit seinem Sohn dabei, ein Ende sei noch nicht abzusehen. „Der Sport ist ein toller Ausgleich zum Berufsalltag, aber ganz besonders schätze ich die Kollegialität und die Gemeinschaft“, erzählt der Vater. Modellautofahren sei vor allem ein Teamsport. „Aber natürlich kommt auch der Spaß am Motorsport, am technischen Verständnis und an der technischen Herausforderung dazu“, sagt er. Der Hessen-Cup ist der teilnehmerstärkste Modellauto-Cup in Deutschland. Ursprünglich in Hessen gestartet, wird er mittlerweile in Rheinland-Pfalz, Saarland und Hessen ausgetragen. In diesem Jahr besteht er aus sieben Rennen, von denen fünf gewertet werden müssen. Die längste Anreise nach Dannstadt-Schauernheim hatte ein Teilnehmer aus Kassel. Wie bei den großen Autorennen geht es auch bei den Rennen des Hessen-Cups darum, wer in der vorgegebenen Zeit die meisten Runden zurücklegt. Die Vorläufe dauern jeweils acht Minuten. Die Endläufe der Elektroautos betragen zehn Minuten, da die Akkus eine längere Fahrtzeit nicht mitmachen würden. Eine längere Rennzeit haben dagegen die Fahrzeuge mit Nitrit-Motor, die bei den Endläufen 30 Minuten durchstehen müssen. Das Halbfinale dauert dann noch einmal 20 Minuten. Dazwischen muss getankt werden. „Wie in der Formel Eins passiert das bei einem Boxenstopp“, sagt Bachmann. Nur dass hier eben alles ein bisschen kleiner ist ...

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