Schifferstadt RHEINPFALZ Plus Artikel Die Kinder der Kita Entdeckungskiste haben tierische Freunde

Manche Achatschnecke mag es, gestreichelt zu werden.
Manche Achatschnecke mag es, gestreichelt zu werden.

Seit einigen Monaten kümmern sich die Kinder der Kita Entdeckungskiste um exotische Tiere – und manchmal hört man auch ein Wuff.

„Die haben wir am allerersten Kindergartentag bekommen“, sagt Enissa (5) und holt sich ganz mutig eine riesige Stabschrecke aus dem Terrarium. Das war im April, informiert Erzieher Johannes Becker. Es war Startschuss für die Umsetzung der sogenannten tiergestützten Pädagogik, die die soziale und emotionale Kompetenz der Kinder stärken soll. Die Tiere sind aus dem Reptilium Landau.

Johannes Becker kennt sich besonders gut mit Insekten und Reptilien aus. „Sie fressen Blätter aus unserem Garten, manchmal Himbeerblätter. Wir suchen auch Blätter im Wald und schneiden Äste für sie ab“, erzählt Enissa weiter. Zweimal in der Woche wird das Futter gewechselt, einmal pro Woche das Terrarium gesäubert, dann helfen die Kinder eifrig mit. Irgendwann sollen die Kleinen in der Lage sein, die Tiere selbstständig zu versorgen. „Manche können das schon, aber bei den anderen sind wir noch mit dabei“, erläutern Johannes Becker und seine Kollegin Bianca Widl. Zusammen mit Erzieherin Jacqueline Muth bringen sie den Kindern so ganz praktisch die artgerechte Tierhaltung bei.

Viele Streicheleinheiten

Achatschnecken sind ja eigentlich keine Streicheltiere, aber Schnecke Elisabeth lässt sich gern anfassen, haben die Erzieher festgestellt. Achatschnecken können bis zu 20 Zentimeter groß und zehn Jahre alt werden, und sie sind Allesfresser. Und so verwerten die Schnecken Obst- und Gemüsereste aus der Küche, was auch noch nachhaltig ist. Außerdem brauchen sie tierisches Eiweiß und Kalk. Viel Kalk hilft auch, wenn sich die Schnecken am Gehäuse verletzt haben. Das lernen die Kinder so ganz nebenbei.

Hund Silas schaut zweimal die Woche in der Kita Entdeckungskiste vorbei.
Hund Silas schaut zweimal die Woche in der Kita Entdeckungskiste vorbei.

Das Interesse an den Tieren sei groß, auch an Hund Silas, der sein Frauchen Bianca Widl zweimal die Woche in die Kita begleitet. „Die ersten beiden Wochen haben die Kinder nicht viel gesagt, sondern fast nur gestreichelt“, erinnert sie sich. Manche Kinder hatten aber auch Angst. „Tiere kommen im normalen Lebensumfeld von Kindern kaum noch vor“, sagt Bianca Widl. Umso wichtiger sei es, den Kindern beizubringen, dass auch Tiere Bedürfnisse haben und artgerecht versorgt werden müssen. Silas ist ein sehr ruhiger und geduldiger Hund und ideal für diese Aufgabe. „Es muss nicht immer ein Labrador sein“, meint sie.

Heiß auf Schnurfüßer

Ergänzt wird das pädagogische Angebot mit vielen Sachbücher, die vom Natur- und Tierverlag Münster gespendet wurden und von den Kindern rege genutzt werden. „Das hat uns die Sache sehr erleichtert“, meinen Johannes Becker und Bianca Widl dankbar. Die Materialien für die Tierhaltung hat der Hornbach Baumarkt in Ludwigshafen gespendet. Zudem gibt es eine Kooperation mit dem Bundesverband für fachgerechten Natur- und Artenschutz. Von diesem habe sich die Kita vor einigen Monaten Schnurfüßer ausgeliehen. Das sind Tausendfüßer, die ähnlich gehalten werden wie die Achatschnecken. Die Kinder seien ganz heiß auf die Schnurfüßer, weswegen sich das Kita-Team überlegt, dauerhaft welche anzuschaffen. Eine weitere Idee ist, ein brachliegendes Stück Wiese unter anderem für die Insektenhaltung umzugestalten, etwa mit einer Bienenwiese, einem Bienenhotel oder Steingarten für Eidechsen.

Die Idee für die tiergestützte Pädagogik sei bei allen im Team, bei der Stadt und bei den Eltern sofort gut angekommen. „Es gab keine negativen Stimmen, aber 100 Fragen“, sagt Bianca Widl. Die werden mittlerweile von den Kindern beantwortet. „Die Eltern kommen immer öfter ins Tierzimmer.“ Außerdem übernehmen Eltern Urlaubsbetreuungen für die Insekten. Bianca Widls Fazit: „Man merkt, wie sehr Kinder Tiere brauchen.“ Zudem könnten so besonders introvertierte Kinder oder solche mit speziellem Entwicklungsbedarf gezielt zum Lernen animiert werden.

x