Rhein-Pfalz Kreis Die „Heirat“ mit der Tonne

Limburgerhof/Mutterstadt. Auf dem sogenannten Tonnenumschlagplatz auf dem Gelände der Firma Kobler in Mutterstadt stapeln sich tausende schwarze, nagelneue Müllbehälter. Gerade biegt wieder ein 7,5-Tonner auf den Hof. Eine Fuhre ist beendet und sofort wird neu geladen. Immerhin müssen insgesamt rund 60.000 Haushalte im Rhein-Pfalz-Kreis beliefert werden. „Wir sind mit 15 Trupps unterwegs“, sagt Volker Spindler, Werkleiter des Eigenbetriebs Abfallwirtschaft des Kreises. Da zum Team drei Mitarbeiter gehören, sind 45 Leute dauerhaft im Einsatz. Ein Team fährt langsam durch die Haardtstraße in Limburgerhof. Einer der Männer klebt einen gelben Info-Sticker auf den Deckel und montiert auf der Ladefläche die Räder an die Tonnen, die nur ohne Räder gestapelt werden können. Dann stellt er sie an der Klappe bereit – jeweils einen Behälter von jeder Größe. Sein Kollege schaut auf dem nächsten Etikett, welche Größe er benötigt, und holt die entsprechende Tonne herunter. Das Etikett, auf dem neben Namen und Adresse auch eine achtstellige Codenummer angegeben ist, wird an der Seite der Tonne angebracht. Ein Infoblatt klemmt unter dem Deckel. Es folgt der Vorgang, der von den Fachleuten als „Verheiraten der Tonnen mit den Haushalten“ bezeichnet wird. Auf der Unterseite des Behälterkamms befindet sich ein Chip. „Die 16-stellige Seriennummer des Transponders gibt es nur ein Mal weltweit“, sagt Steffen Schäfer von ESE. Sie wird mit einem Scanner eingelesen und mit den Daten des Barcodes auf dem Etikett verknüpft. „Der Behälter wird so untrennbar mit dem Haushalt verheiratet“, erläutert Kreisbeigeordneter Konrad Heller (CDU). Mithilfe des Chips werden die in Anspruch genommenen Leerungen für die Abrechnung registriert. Bereits im Werk seien die Behältergrößen den Chips zugeordnet worden. Vor Ort wird laut Schäfer jedoch mit dem Handlesegerät noch einmal überprüft, ob alles stimmt. Manche Anwohner übernehmen die Überprüfung aber auch gleich selbst. So wie Helene Lohmann in der Neuhofener Straße. Die ältere Dame nimmt die drei Tonnen vor ihrem Haus sofort ganz genau unter die Lupe und ordnet sie den entsprechenden Parteien im Haus zu. „Ich habe das gelesen, ich weiß, wie es abläuft“, sagt Lohmann. Wer nicht zufällig den Mitarbeitern bei der Auslieferung der Tonnen begegnet, wundert sich schon mal, dass nur eine Restmülltonne geliefert wurde. „Viele werden unruhig und rufen gleich morgens an“, sagt Spindler. Doch weil die Ladekapazität der Fahrzeuge begrenzt ist, fahren die Teams die Biotonnen meist erst in einer zweiten Runde aus. Sorgen, dass er vergessen worden sei, müsse sich also zunächst niemand machen, beruhigt der Werkleiter. Für den Austausch der Tonnen gibt es mehrere Gründe. Nötig geworden ist dieser zum einen durch den Wechsel des vom Kreis beauftragten Entsorgungsunternehmens zum 1. Januar 2016. Die bisherigen Tonnen sind zwar baugleich mit den neuen Behältern, gehören jedoch dem bisherigen Anbieter SITA und müssen diesem daher auch zurückgegeben werden. Die Abholung erfolgt nach der jeweils letzten Leerung, nach der die Behälter dann abholbereit am Straßenrand abgestellt werden müssen. „Die alten Behälter sind auch in einem Zustand, dass man sie austauschen muss“, ergänzt Jörg Schwarz, Bereichsleiter bei Remondis, einen weiteren Grund. Für den Kunden ändert sich im Grunde wenig. Die angebotenen Behältergrößen bleiben gleich, auch die Gebühren sollen unverändert bleiben. Neu ist jedoch, dass zum 1. Januar die Biotonnen-Pflicht auch im Rhein-Pfalz-Kreis umgesetzt wird. Das bedeutet, dass Abfall, der in die Biotonne geworfen werden darf, auch in dieser entsorgt werden muss. „Essensreste dürfen nicht mehr in den Restmüllbehälter“, betont der Kreisbeigeordnete Heller. Das werde dann auch kontrolliert. Als kleine Hilfestellung sind auf dem braunen Deckel der Biotonne Symbole abgebildet. Die besagen: Speisereste und Grünabfall dürfen eingeworfen werden, Baumaterialien, Flüssigkeiten, Windeln, Stoffe und Plastik gehören dagegen in den Restmüll. Noch bis 16. Dezember sind die Teams der ESE im Kreis unterwegs und liefern die Tonnen aus. Noch Fragen? Sollten Anwohner einen Fehler feststellen oder noch Fragen haben, können sie sich unter der Nummer 0621/5909555 an das Service-Telefon des Eigenbetriebs Abfallwirtschaft wenden.