Waldsee RHEINPFALZ Plus Artikel Die fünfte Bernadette ziert die Lourdes-Grotte

An der Lourdes-Grotte: Doris Heiner segnet die Heiligenfigur.
An der Lourdes-Grotte: Doris Heiner segnet die Heiligenfigur.

Die Bernadette ist wieder da. Zweieinhalb Jahre lang war der Platz der Heiligenfigur vor der Lourdes-Grotte hinter der katholischen Kirche in Waldsee verweist. Während einer Mai-Andacht der KFD-Frauen wurde am Montag eine neue Heiligenfigur gesegnet. Von insgesamt vier Vorgängerinnen wurden zwei mutwillig zerstört.

Die Lourdes-Grotte in Waldsee, die wohl aus den 1930er-Jahren stammt, ist noch heute eine Anlaufstelle für Gläubige. Oft stehen Blumen oder eine Kerze vor der Andachtsstätte. Sie soll an den 11. Februar 1858 erinnern, den Tag, an dem sich in dem kleinen Dorf Lourdes in den Pyrenäen etwas Besonderes ereignet haben soll. An diesem Tag soll die 14-jährige Bernadette zum ersten Mal eine Frau mit einem weißen Kleid in einer Grotte gesehen haben. Dieses Ereignis soll sich noch mehrmals wiederholt haben. Die Pfarrer, denen sich das Mädchen anvertraut hat, hielten die Erscheinung für die Mutter Gottes. So wurde Lourdes zum Wallfahrtsort. Auch hier in der Region sind Lourdes-Grotten gebaut worden. In einer solchen steht eine Marienfigur im weißen Mantel, davor kniet die betende Bernadette.

So war das in Waldsee bis in die 1980er-Jahre, bis Vandalen die Bernadette zerschlagen haben, erzählt Marianne Keiner. Sie hat schon als kleines Mädchen die Lourdes-Grotte mit ihrer Großmutter besucht. Das Entsetzen sei groß gewesen. Die Waldseerin Helene Schotthöfer töpferte eine neue Bernadette-Figur und ließ sie von einem Kunstmaler farbig bemalen. Die Freude währte nicht lange, wenig später wurde die Figur gestohlen. Schotthöfer ließ sich nicht entmutigen, töpferte eine neue Figur, die ihr Mann bemalte. Dieses Mal wurde die Figur mit Zeitung und Kleister ausgestopft und an den Sockel geklebt. Nun war sie zwar diebstahlsicher, aber durch die Kleisterfüllung platzte die Farbe ab. Man hätte sie vor Ort neu bemalen müssen.

Marianne Keiner, die immer wieder Pilgergruppen auf der Wallfahrt nach Lourdes begleitet, brachte daraufhin 2007 von ihrer Reise eine neue Bernadette-Figur mit. Dieses Mal wurde die Figur mit Beton ausgegossen und auf dem Sockel verankert. Auch diese Aktion erwies sich als nicht die beste, denn die Figur bekam dadurch Risse. Da an der Marienfigur aus den 1930er-Jahren der Zahn der Zeit genagt hatte, machten die KFD-Frauen anlässlich ihres 50-jährigen Bestehens sich selbst und der Gemeinde ein Geschenk. Sie ließen beide Figuren von Johannes Schindler fachgerecht restaurieren. Im März 2018 erstrahlte die Grotte in neuem Glanz.

Nächtliche Gelage

Das Problem mit der Heiligenfigur ist nicht das einzige. Immer wieder zeugen Fast-Food-Verpackungen und leere Flaschen von nächtlichen Gelagen an der Andachtsstätte. Auch die schweren Beton-Bänke wurden schon umgeworfen. Im September 2019 wurde dann die renovierte Bernadette-Figur mutwillig in Stücke geschlagen.

Marianne Keiner fand den Anblick des leeren Sockels so traurig, dass sie kurze Zeit später wieder eine neue Figur von einer ihrer Lourdes-Fahrten mitbrachte. Sie und ihr Mann Hubert sowie Franz Schied haben die Figur bezahlt. Coronabedingt, aber auch, weil befürchtet wurde, dass die Vandalen sofort wieder zuschlagen, stand die Figur zwei Jahre bei den Keiners, bevor sie nun eingeweiht wurde. Die Ortsgemeinde Waldsee hat die Kosten für die Befestigung übernommen. Die zerschlagene Figur hat Johannes Schindler wieder zusammengesetzt und restauriert. Sie steht im Heimatmuseum in Waldsee.

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