Rhein-Pfalz Kreis Die Frau, die nicht wegschaut

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Neuhofen. Zivilcourage ist keine von Natur aus gegebene Eigenschaft. Aber sie ist erlernbar. Wie das geht, weiß Andrea Barie. Die Neuhoferin hat sich zur Argumentations- und Zivilcouragetrainerin ausbilden lassen. In Kursen gibt sie ihr Wissen weiter.

Was bedeutet eigentlich Zivilcourage? Der Begriff werde oft falsch definiert, erklärt die Neuhoferin. Eine eher selbstverständliche Hilfeleistung sei damit nämlich nicht gemeint. „Es beinhaltet Mut und Verantwortung, Zivilcourage zu zeigen. Und man muss womöglich negative Konsequenzen in Kauf nehmen.“ Das bedeute freilich nicht, sich selbst in Gefahr zu bringen, betont Barie. Dass die zierliche Frau sich Zivilcourage antrainieren wollte, mag man auf den ersten Blick nicht glauben. Die vierfache Mutter wirkt offen, warmherzig und engagiert – und dieser erste Eindruck bestätigt sich. „Ich wollte schon immer etwas bewegen und habe mich insbesondere für Jugendarbeit eingesetzt“, sagt Barie, während sie über ihre zahlreichen Ehrenämter erzählt. Die aktive Christin schöpft Kraft aus tiefem Gottvertrauen, und sie lebt ihren Glauben. Dazu gehöre auch, in unangenehmen Situationen nicht wegzuschauen. Das allerdings müsse immer wieder bewusst gemacht und trainiert werden. Dieses Bewusstsein reifte, als sich die diplomierte Betriebswirtin bei einem Kurs für Argumentationstraining anmeldete. Bei solch einer Weiterbildung gehe es nicht darum, bei einem Gespräch als Sieger hervorzugehen – schon eher, darin Flagge zu zeigen. Es helfe auch, die eigene Machtlosigkeit zu bekämpfen. Damit meint Barie nicht etwa nur Stammtischparolen oder Mobbing im Kreis von Kollegen. „Ich wollte auch etwas entgegensetzen, wenn im näheren Umfeld beispielsweise abfällig über Minderheiten gesprochen wird. Oft wird Halbwissen verbreitet oder auch nachgeplappert“, berichtet die Trainerin von ihren Erfahrungen. Entsprechend geschult, wisse man solchen Situationen besser zu begegnen und auch nachzufragen: Woher kommen etwa Vorbehalte oder Ängste? Dass die 56-Jährige schließlich den nächsten Schritt, die Ausbildung zur Zivilcouragetrainerin, gegangen ist, war für sie eine logische Konsequenz. Sie ist früher selbst schon in eine solche Situation unterlassener Zivilcourage geraten. „Da habe ich weggeschaut, wo mehr Mut gutgetan hätte. Das geht mir heute noch nach.“ Damit auch anderen Menschen dieser Mut gegeben wird, bietet Barie mittlerweile Seminare für Argumentationstraining und Zivilcourage an. Allein ist sie damit nicht, denn landesweit wird das „Zivilcourage-Netzwerk in Rheinland-Pfalz“ zunehmend dichter. Für einen Kurs kann sich jeder anmelden, denn die Zielgruppe ist nicht spezifisch definiert. Privat, beruflich oder im Vereinsleben – Argumentationstraining oder Zivilcourage ist in Ein- oder Zweitagesseminaren erlernbar. Derzeit ist das Netzwerk noch auf der Suche nach weiteren Kooperationspartnern, um die Inhalte beispielsweise auch in Volkshochschulkursen zu vermitteln.

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