Schifferstadt / Limburgerhof
Die Branche stöhnt, doch die Buchhandlung Frank expandiert
Es ist schon verblüffend: Anderswo werden Buchhandlungen von großen Ketten geschluckt – oder müssen schließen. Die Buchhandlung Frank mit 18 Mitarbeitern, Hauptsitz in Grünstadt und Filialen in Bad Dürkheim, Eisenberg und Groß-Gerau, expandiert und übernimmt zum April die Oelbermann-Filialen mit Mitarbeitern in Schifferstadt und Limburgerhof. Und das Unternehmen hat im vergangenen Jahr trotz Corona sogar noch den Umsatz um 3,5 Prozent gesteigert, wie Unternehmenssprecher Daniel Häfele sagt.
Geschulte Berater
„Tja, wir machen wohl einiges richtig“, sagt Häfele und lacht. Im Gespräch ergeben sich mehrere Aspekte, die offenbar bei den Kunden gute Resonanz finden. Wichtigstes Argument ist aus Häfeles Sicht die individuelle Beratung. „Wir haben viele Kunden, die sogar ganz gezielt bestimmte Mitarbeiter sprechen wollen, weil sie sich von ihnen gut beraten fühlen“, sagt er. Die Mitarbeiter leisten dafür viel Arbeit hinter den Kulissen, lesen Verlagsprogramme und informieren sich über Neuankündigungen. Sie könnten zum Beispiel sagen, ob der Kunde demnächst eine neue Folge seines Lieblingskrimis erwarten kann. So ergebe sich, dass die Buchhandlungen auch viele Stammkunden gewonnen haben, die sehr regelmäßig in die Läden kommen. „Wir haben Kunden jeden Alters, die einmal oder öfter pro Woche vorbeischauen“, sagt Häfele.
Die verschiedenen Standorte haben unterschiedliche Eigenheiten, auf die sich die Geschäfte vor Ort einstellen. Obwohl Bad Dürkheim und Grünstadt räumlich nahe sind, sei die Nachfrage unterschiedlich: In Dürkheim werden viel mehr gebundene Bücher verkauft und es gebe mehr Laufkundschaft. In Grünstadt sei die Nachfrage nach Taschenbüchern und leichter Literatur höher. „In Bad Dürkheim macht sich der Tagestourismus bemerkbar und da gibt es auch mehr Nachfrage nach Pfalz-Büchern“, sagt der Unternehmenssprecher. Weitere Punkte seien die demografische Zusammensetzung und die Kaufkraft in den Orten. Entsprechend wolle man sich auch in Schifferstadt und Limburgerhof bei den zu übernehmenden Mitarbeitern informieren, was deren Erfahrungen seien.
Schneller als der Internet-Riese
Ein Argument, das heute besonders wichtig sei, ist die Geschwindigkeit, mit der Bücher besorgt werden können. „Wenn sie uns bis gegen 18.30 Uhr nach einem Buch fragen, das wir nicht im Laden haben, ist es am nächsten Morgen da“, sagt Häfele und erklärt, das sei sogar schneller als beim üblichen Internet-Versender.
Die Buchhandlung Frank habe schon früh auf soziale Medien und eine eigene Internetpräsenz gesetzt. Der Kontakt zur Kundschaft werde so gepflegt und bringe auch mehr Leute in die Geschäfte. „Wir haben oft Kunden, die durch eine Empfehlung auf unseren Seiten zu uns kommen und sich dann weiter informieren wollen.“ Auch als die Buchhandlungen geschlossen waren, habe es telefonische Beratung gegeben, sagt Häfele.
Die Buchhandlung Frank wurde von Andreas Frank im Jahr 2001 in Grünstadt gegründet. Frank habe zuvor bei Prinz in Mannheim und später in Grünstadt bei der Buchhandlung Garamond gearbeitet. Die erste Filiale eröffnete Frank 2006 in Bad Dürkheim, vor drei Jahren sei man dort in ein deutlich größeres Geschäft gewechselt. In Eisenberg habe man die Filiale einer anderen Buchhandlung übernommen. Derzeit habe das Unternehmen in vier Geschäften 18 Mitarbeiter, in Schifferstadt und Limburgerhof sollen die Mitarbeiter der bisherigen Oelbermann-Filialen übernommen werden.
Zur Sache: Die Übernahme
Die Buchhandlung Frank übernimmt zum 1. April die Filialen der Buchhandlung Oelbermann in Schifferstadt und Limburgerhof. Das Hauptgeschäft in Speyer bleibt jedoch geschlossen. „Für die Kunden ändert sich nichts, der Betrieb läuft nahtlos weiter und wir übernehmen auch die Mitarbeiter vor Ort“, sagt Daniel Häfele, Sprecher der Buchhandlung Frank, zur Übernahme der Oelbermann-Filialen in Schifferstadt und Limburgerhof. Lediglich der Name werde sich ab dem 1. April ändern. Auch die bisherigen Telefonnummern bleiben dieselben. Umbauten oder Veränderungen seien nicht geplant. Zu den Oelbermann-Buchhandlungen gehörte auch das Hauptgeschäft in Speyer. Dies aber sei schon im Januar von der Inhaberin geschlossen worden. Es habe nicht zur Übernahme gestanden. Deren Rechnungskunden – das sind Behörden, Schulen, kommunale Einrichtungen und ähnliche Institutionen – werde die Buchhandlung Frank übernehmen und weiter beliefern.