Mutterstadt RHEINPFALZ Plus Artikel Die Blaskapelle tanzt: Konzert im Palatinum

Die Blaskapelle Mutterstadt beim Konzert im Palatinum. Der Verein sucht Nachwuchs.
Die Blaskapelle Mutterstadt beim Konzert im Palatinum. Der Verein sucht Nachwuchs.

Für die Blaskapelle Mutterstadt 1928 ist es immer ein besonderer Auftritt: das Frühlingskonzert im Palatinum, dem großen Veranstaltungshaus in Mutterstadt. Das war nach der Corona-Pause wieder gut gefüllt. Das Publikum begeistert.

„Ich freue mich sehr, dieses Jahr wieder in einem fast ausverkauften Palatinum unser Frühjahrskonzert veranstalten zu können“, meinte der Vorsitzende Peter Reinartz dankbar. Denn Corona hat dem Verein Verluste zugefügt: „Wir haben fast die ganze Jugend verloren. Sie hat sich irgendwann anderweitig orientiert.“ Nachwuchs wird also dringend gesucht. Dafür funktioniert die Zusammenarbeit mit den diversen Verwaltungen und den Kirchen sehr gut. „Das bereichert das Leben.“ Außerdem sei man – außer in Corona-Zeiten – schon seit Bestehen des Palatinums vor 25 Jahren mit einem Konzert dabei. Und der Verein selbst feiert heuer ja auch noch seinen 95. Geburtstag.

Eröffnet wurde das Konzert mit „St. Florians Choral“ von Thomas Doss, das besinnlich begann und mit einem fulminanten Abschluss endete. „Festive Overtüre“ von Satoshi Yagisawa beschreibt die Stadt Shimizu am Meer mit Ausblick auf Japans berühmtesten Berg, den Fujiyama. Japan kenne erst seit rund 100 Jahren Blasmusik, nämlich seit der Öffnung Japans und damit der Berührung mit britischer und amerikanischer Blasmusik. Seitdem studierten viele Japaner im Ausland Musik und brachten bekannte Komponisten hervor, erklärte Musiker Andreas Kaufmann.

„Largo – Aus der neuen Welt“ von Antonin Dvorák beschreibt das Gefühl, nach einer Schiffsreise 1776 in der neuen Welt gelandet zu sein und die ersten Schritte auf festem Boden zu machen. Das englische Horn, ein eher selten eingesetztes Instrument, verleiht dem Stück eine sehnsuchtsvolle Klangfarbe und ein Gefühl von Freiheit und Verbundenheit.

Der „Huldigungsmarsch“ von Edvard Grieg huldigt dem norwegischen König Sigurd I., der ins Heilige Land zu den Kreuzzügen aufbrach und diese überlebte – danach reiste er nie wieder. In die unendlichen Weiten des Alls ging es mit dem abwechslungsreichen Stück „Star Trek“: Die Serie umfasst 13 Kinofilme und zwölf Serien. Gespielt wurde die Filmmusik des ersten und siebten Kinofilms.

Nach dem ersten Block, der innerhalb seiner Stücke ruhige und fulminante Passagen bot, ging es im zweiten Teil des Konzerts fröhlich-beschwingt weiter, und zwar mit dem „Florentiner Marsch“ von Julius Fučík und der gute Laune verbreitenden „Perger Polka“ mit überraschenden Tempowechseln von Kurt Gäble. So kamen auch Fans der klassischen Blasmusik auf ihre Kosten.

Die Gruppe spielte dann „Bohemian Rhapsody“ von Freddy Mercury, ein Stück das Pop, Rock, Oper und klassische Musik in sich vereint. Ein ganz besonderer Tanz ist der Charleston der Goldenen 1920er: „The Crazy Charleston Era“ von Stefan Schwalgin trug die Blaskapelle stehend vor – wippende Tanzbewegungen inklusive. Um drei Männer, zwei Morde, Drogen und Eifersucht geht es in „Porgy and Bess“. Die Oper von George Gershwin wird nur mit schwarzen Sängerinnen und Sängern besetzt und ist für diese oft ein Sprungbrett für eine weitere Karriere. Das Medley spiegelte gut die Stimmung der Szenen wider.

Als Zugabe boten die Mutterstadter Musiker am Ende des Konzerts etwas Besonderes: Der „Bozner Bergsteigermarsch“ wurde nämlich nicht nur instrumentalisch vorgetragen – die Musiker bewiesen mit dem auf Mutterstadt zugeschnittenen Text auch Gesangsqualitäten. Mit „Die Rose“ klang der gelungene Abend gefühlvoll-ruhig aus.

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