Rhein-Pfalz Kreis Die Bereitschaftspolizei war reine Männersache

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Schifferstadt. Die erste Hundertschaft Bereitschaftspolizei am damals neu gegründeten Standort Schifferstadt trat am 15. August 1955 ihre Ausbildung an. Seit vielen Jahren treffen sich die längst pensionierten ehemaligen Polizisten des Jahrgangs. Den Jahrestag ihres Dienstantritts vor 60 Jahren feiern sie heute in Schifferstadt.

Werner Schumacher und Manfred Ronge, beide Jahrgang 1936, organisieren die Treffen. „Wir gehörten damals zu den Jüngsten der Hundertschaft“, erzählt Schumacher, der in Neuhofen lebt. Ronge lebt in Schifferstadt, wo beide nach der Ausbildung viele Jahre ihres Polizeidienstes verbracht haben. 1955 war noch manches anders und vieles kann man sich heute gar nicht mehr vorstellen. Die Bereitschaftspolizei war reine Männersache, erzählen Ronge und Schumacher. Frauen durften zwar in der Küche kochen, aber die Unterkünfte nicht betreten. Und die jungen Männer, alle zwischen 18 und 22 Jahre alt, mussten sich verpflichten, bis zu ihrem 27. Lebensjahr nicht zu heiraten. Wer in einem „besonders begründeten Fall“ die Ausnahmegenehmigung zum Heiraten bekam, musste trotzdem weiter in der Gemeinschaftsunterkunft wohnen. Die vier Mann einer Stube hatten ihr Zimmer selber zu putzen und alles tipptopp zu halten. „Meine Frau sagt heute noch, dass ich die Betten besser machen kann als sie“, sagt Schumacher und lacht. Um sechs Uhr wurden sie geweckt, der Zimmerdienst holte Kaffee in Alukannen aus der Küche, gefrühstückt wurde auf den Zimmern. Um sieben Uhr war Antreten, abends um 23 Uhr Bettruhe. Das klingt nicht nur militärisch, das war es auch. Die Ausbildung „im Feld“ fand an Maschinengewehren und Granatwerfern statt. Die Übungen im Gelände habe man im Dudenhofener Sand abgehalten oder in Schifferstadter Wald und Flur. Die paramilitärische Truppe wurde auf Beschluss der Alliierten aufgebaut, berichtet Schumacher. Demnach habe das junge Westdeutschland eine Grenzschutzpolizei und jedes Bundesland ein Kontingent Bereitschaftspolizei aufstellen müssen. Die Schifferstadter Hundertschaft von 1955 sei die dritte Hundertschaft in Rheinland-Pfalz gewesen, berichtet Ronge. 144 Bewerber habe es gegeben. Nach dem ersten Jahr harter Grundausbildung waren noch 127 davon übrig. Wer Schwäche zeigte, dem drohte der Rausschmiss. Infrage kamen nur besonders gesunde junge Männer. Schon eine Brille genügte, um die Polizeikarriere gar nicht erst beginnen zu dürfen. Ferner mussten die Männer eine abgeschlossene Berufsausbildung haben. Die Motivation zum Polizeidienst war ganz verschieden. Heute sagen Schumacher und Ronge, dass sie nicht so genaue Vorstellungen vom Polizeidienst hatten. Schumacher sollte im Betrieb seines Vater, einem orthopädischen Schuster, arbeiten, doch der gab den Betrieb auf. Ronge war Kfz-Mechaniker und wollte sich weiterbilden und Fahrlehrer werden. Außerdem hatte er gehört, dass die Autobahnpolizei in Nordrhein-Westfalen Porsche-Cabrios als Dienstwagen hatte – und das fand er schon sehr reizvoll. Zudem, so sagen beide, sei die Bezahlung bei der Bereitschaftspolizei vergleichsweise gut gewesen: Es gab 135 Mark im Monat – bei freier Verpflegung und Unterkunft und freier Heilfürsorge. Aus dem ′55er-Jahrgang der Schifferstadter Bereitschaftspolizei „ist was geworden“, wie Ronge und Schumacher nicht ohne Stolz berichten. Alle seien in den gehobenen und höheren Dienst gegangen und haben anspruchsvolle Aufgaben übernommen. Schumacher selbst hat die Schifferstadter Polizeiinspektion mit aufgebaut und bis 1996 geleitet. Heute Abend treffen sich die Kameraden im Alten Rathaus zu einem Festakt, zu dem auch Udo Linden, der Leiter der letzten Schifferstadter Hundertschaft erwartet wird. (ghx)

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