Altrip / Rhein-Pfalz-Kreis RHEINPFALZ Plus Artikel Die Asiatische Hornisse ist angekommen: Heißhunger auf Honigbienen

Die Vespa velutina, die Asiatische Hornisse, sieht ganz hübsch aus: Sie ist etwas größer als eine normale Wespe, hat zarte gelbe
Die Vespa velutina, die Asiatische Hornisse, sieht ganz hübsch aus: Sie ist etwas größer als eine normale Wespe, hat zarte gelbe Nadelstreifen am Körper und einen gelben Blockstreifen am Hinterleib sowie ein nettes orangenes Gesicht. Doch sie ist gefährlich für die heimischen Insekten.

Ihr schwarzer Körper ist elegant gelb gestreift, die zarten Beinchen gelb, das Gesicht orange gefärbt. Aber mit dem zweieinhalb Zentimetern großen Tier ist nicht zu spaßen. Es macht Imkern und Winzern das Leben schwer und ist auch sonst eine potenzielle Bedrohung für das Ökosystem: die Asiatische Hornisse.

Andreas Presuhn traute seinen Augen kaum, als er vier Exemplare der Asiatischen Hornisse vor seinen Bienenstöcken entdeckte. „Sie lauerten dort und fingen die Bienen“, erzählt er. So begann der Biologe und Imker aus Altrip nachzuforschen, was es mit der Vespa velutina auf sich hat.

2004 wurde die Asiatischen Hornisse vermutlich mit Warensendungen aus Asien nach Marseille eingeschleppt. Inzwischen ist das Insekt in Teilen Frankreichs längst heimisch geworden und hat sich von dort aus in Europa ausgebreitet. 2014 wurden die ersten Exemplare in Waghäusel bei Karlsruhe entdeckt. Im vergangenen Jahr wurden sie im südhessischen Lorsch gesichtet und in diesem Jahr auch an mehreren Orten in der Pfalz.

Was die Vespa velutina für die Imker so bedrohlich macht, ist ihr Heißhunger auf Honigbienen. „Sie belagern die Bienenbeute und fangen Bienen, die herausfliegen“, erzählt Presuhn. „Also trauen sich die Bienen nicht mehr herauszufliegen. Und da sie ja etwas fressen müssen, fressen sie den eigenen Honig auf.“ Der Imker kennt Kollegen in Südfrankreich, die berichten, dass sich die Imkeranzahl halbiert habe, seit die Asiatische Hornisse ihr Unwesen treibt. Und obwohl die verbleibenden Imker die Anzahl der Bienenvölker verdoppelt hätten, habe sich die Ernte halbiert.

Verluste durch Wespenfraß

Für die Winzer und Obstbauern ist der Eindringling aus Asien ein Ärgernis, weil er auch die Trauben als Leckerbissen betrachtet. „In Frankreich und Spanien müssen die Winzer die Trauben zum Teil schon einsäckeln“, erzählt Presuhn. Wenn die Winzer in der Pfalz schon Verluste durch Wespenfraß zu beklagen hätten, sei dies noch gar nichts, verglichen mit den Ernteverlusten, wenn sich die Asiatische Hornisse erst so richtig ausgebreitet hat. Und dass sie hier heimisch wird, ist für den Altriper Imker keine Frage mehr. Also müsse das Tier, so gut es eben gehe, bekämpft werden.

Presuhn hat inzwischen ein Netzwerk aus mehr als 2000 Menschen aus Deutschland, Belgien und der Schweiz aufgebaut, darunter über 250 Imkerkollegen, die aktiv an einem Monitoringprogramm teilnehmen wollen, das das Vorkommen der Asiatischen Hornisse nachweisen soll. „Die Behörden sind darauf angewiesen, dass ihnen Nester gemeldet werden“, sagt er.

Ein Volk, zwei Nester

Im Gegensatz zu Europäischen Hornissen, die in Baumhöhlen, Rollladenkästen und ähnlichem brüten, baut ein Asiatisches Hornissenvolk zwei Nester. Erst eines in Bodennähe in Höhlen. Wenn das zu klein wird, ziehen die Insekten in die Baumkronen um, wo sie riesige Nester bauen, die von unten nur schwer zu entdecken sind. „Sie sehen aus wie große tropfenförmige Papiertüten, die bis zu 80 Zentimeter lang sind und einen halben Meter Durchmesser haben.“ In diesen Nestern leben 5000 bis 6000 Hornissen, bei den Europäischen Artgenossen sind es nur etwa 500 Tiere.

Ein Volk der Asiatischen Hornissen vertilgt pro Saison rund eineinhalb Millionen Insekten, weiß Presuhn. Im nordspanischen Galicien gebe es Gegenden mit zehn Nestern pro Quadratkilometer. Das sei eine massive Bedrohung – nicht nur für die Honigbienen, sondern auch für Wildbienen, Schwebfliegen und andere Insekten. Vor allem, da der Eindringling hier keine natürlichen Feinde hat. Angriffslustig werden die Tiere übrigens dann, wenn man sie bedrängt oder vor allem ihren Nestern zu nahe kommt. „Ein Stich soll schmerzhafter sein, als der einer Europäischen Hornisse“, sagt Presuhn. Selbst erlebt hat er es zum Glück noch nicht.

Noch Fragen?

Wer Nester der Asiatischen Hornisse entdeckt, soll diese mit Bild bei der Unteren Naturschutzbehörde des Kreises melden.

Ihre Nester bauen die Asiatischen Hornissen unter anderem hoch oben in Bäumen. In einem Nest leben oft gut 6000 Tiere.
Ihre Nester bauen die Asiatischen Hornissen unter anderem hoch oben in Bäumen. In einem Nest leben oft gut 6000 Tiere.
x