Rhein-Pfalz Kreis „Die 80 würde ich gerne vollmachen“

91-95383509.jpg
Mutterstadt

. Dass Sylvia Adolph nicht unbedingt dem Klischee einer 75-Jährigen entspricht, sieht der Besucher in der Wohnung im vierten Stock der Blockfeldstraße auf einen Blick. Denn auf dem Esstisch liegen Tablet und Smartphone. „Ich habe eben noch ein bisschen Dame gespielt“, sagt Adolph fast entschuldigend. Sie spiele das gerne – „für den Kopf“. Ihr Gegner ist der Computer. „Aber meistens gewinne ich“, sagt die Mutter zweier Kinder und Oma zweier Enkel zufrieden. Nur das Smartphone sei neu, ergänzt sie. „Da muss ich mich noch reinarbeiten.“ Aber über diese neue technische Errungenschaft sei sie schon froh, „denn jetzt bin ich auch in den Whats-App-Gruppen der Turner drin“. Das ist die Überleitung zu ihrer zweiten großen Familie. Die heute 75-Jährige ist zwar in Düsseldorf geboren und aufgewachsen. Doch 1960 kam sie mit ihren Eltern in die Pfalz. „Wir hatten ein Lokal im Hemshof, und ich habe niemanden verstanden“, beschreibt sie ihre ersten Eindrücke. Doch sie fasste schnell Fuß in Ludwigshafen, arbeitete in der Kantine des Kaufhofs und bei der BASF. Mit ihrem Mann – das Ehepaar ist seit 55 Jahren verheiratet, Mann Peter ist gebürtiger Hemshöfer und war früher Gewichtheber – und den beiden Kindern zog Sylvia Adolph nach Mutterstadt. Womit der erste Schritt zu ihrem Engagement gelegt war. Die Anfänge dabei waren klassisch. Die Kinder gingen zur Turnstunde. „Ich saß anfangs da nur rum, hab gewartet und dann auch mal mitgeholfen.“ Daraus wurde Stück für Stück mehr. „Bis ich die Kinderturnstunde übernommen habe.“ Das war 1975. Und seither ist die Rentnerin bei der TSG Mutterstadt aktiv und engagiert. „Ich habe dann selbst auch geturnt. Am Barren und an anderen Geräten. Aber nur normal, keine Leistung“, sagt sie. Zwei Kinderturngruppen hat sie zunächst betreut, gut 15 Jahre lang. Und da sie Kolleginnen auch hin und wieder beim Frauenturnen vertrat, hat sie dort die Gruppe am Donnerstagabend übernommen. Und seit 26 Jahren hat sie auch ihren Frauenkreis, den sie jeden Donnerstagmorgen in der TSG-Halle anleitet. „Da ist fast noch der gleiche Kreis wie am Anfang zusammen“, erzählt sie stolz. Adolph hat schon früh in ihrer Übungsleiterlaufbahn die entsprechenden Trainerscheine gemacht und besucht auch heute noch regelmäßig Lehrgänge zur Weiterbildung. So kennt sie sich gut aus in der Fitness- und Gymnastikszene. In den Kursen setzte sie Stäbe, Hanteln und Brasil-Noppen-Teile („Die muss man schütteln, da ist Sand drin“) ein. Sie selbst mag Step-Aerobic am meisten, weil es so viele Anforderungen an Kopf und Körper stellt. Fünfmal die Woche ist sie sportlich aktiv, zweimal als Übungsleiterin und dreimal als normale Sportlerin. Sie liebe Sport einfach und mag die Geselligkeit. „Donnerstagmorgens trinken wir immer einen Kaffee zusammen im Palatinum, und nach den Abendstunden geht’s in die Wirtschaft noch einen trinken“, beschreibt Adolph salopp. Das gemeinsame Trainieren mit Jüngeren? „Kein Problem, bis jetzt geht’s noch.“ Das Engagement zahle sich aus: „Der Arzt sagt, dass alles gut ist.“ Zum Sport gehört für Adolph auch das Schmieden von Plänen. So besucht sie mit ihren Turngruppen seit 1987 die deutschen Turnfeste. Im Juni geht’s diesmal nach Berlin. „Früher haben wir auf Luftmatratzen geschlafen, heute geht’s in eine Pension. Aber es ist immer eine Gaudi.“ Auch die 1250-Jahr-Feier von Mutterstadt spielt bei ihr eine Rolle. Mit ihrer Gruppe studiert sie einen Auftritt ein. „Wir trommeln dabei auf Petzi-Bällen herum. Das ist aufwendig, bis alle im gleichen Rhythmus sind.“ In Mutterstadt fühlt sich die 75-Jährige sehr wohl. Ihre Erledigungen macht sie immer mit dem Fahrrad („bei Regen und Schnee“). Dass sie im Ortszentrum wegen des Umbaus derzeit absteigen muss, sei kein Problem. „Ich glaube, dass das ziemlich gut wird“, ist sie vom Projekt überzeugt. Wie lange noch Sport? „So lange es geht“, sagt Adolph. „Die 80 würde ich schon gerne vollmachen.“ Die TSG hat ganz sicher keine Einwände.

x