Rhein-Pfalz Kreis
Diamantene Hochzeit in Mutterstadt und ein guter Tipp: Immer versöhnt zu Bett gehen
Auf dem Otterstädter Fischer-Ball im Frühjahr 1959 fing alles an. Noch im selben Jahr wurde am 11. Dezember geheiratet, seither ein Weg durch Höhen und Tiefen gemeinsam durchschritten. Ihre Erlebnisse haben Ursula und Georg Blau aus Mutterstadt zusammengeschweißt. Eine Feier haben die beiden für heute nicht geplant. „Wer kommt, ist gut“, sagen sie.
„Damit du versorgt bist!“ Das war die Ansage, mit der sich der 21-jährige Georg Blau gegen Ende des Jahres 1959 an seine Ursula gewandt hat – und damit auch so etwas wie ein Heiratsantrag. Er sollte nämlich zum 1.1.1960 zur Bundeswehr eingezogen werden und wollte, dass seine 17 Jahre junge Freundin ein Auskommen hat. Daher sollte noch vorher geheiratet werden. Georgs Vater war zu der Zeit der zweite Bürgermeister in Otterstadt und traute die beiden standesamtlich. Die kirchliche Trauung fand einen Tag später in Speyer statt. Weil er als verheirateter Wehrdienstleistender zu teuer gewesen wäre, wurde er letztlich von der Einberufung verschont.
Das junge Paar bewohnte zunächst ein Zimmer bei der Tante in Otterstadt. Die Ausbildungssituation war damals schwierig und „Schorsch“, wie ihn seine Frau nennt, begann zu arbeiten. „Unter anderem für 78 Pfennig die Stunde bei Kies Kief“, erzählt er. Für die Ludwigshafener Firma unterstütze er Baggerarbeiten im Reffenthal.
Sie waren Wirtsleute des Otterstadter „Keglerheims“
1961 kam Sohn Clemens auf die Welt, 1963 Sohn Jürgen. Nach einigen Umzügen innerhalb Otterstadts wollte die junge Familie in eigene vier Wände und wagte sich 1963 an das Projekt Hausbau. „Damit es uns nicht langweilig wurde“, erinnert sich die damalige Mutter zweier Kleinkinder schmunzelnd an diese Herausforderung. 1967 erblickte Tochter Elke die Welt, 1975 das Nesthäkchen Markus.
Zu diesem Zeitpunkt waren Ursula Blau, die drei Jahre lang eine Hauswirtschaftsschule besucht hat, und ihr Ehemann bereits Wirtsleute des Otterstadter „Keglerheims“. Dieses hatten sie 1973 übernommen, nach einer vierjährigen Tätigkeit von Georg Blau als Schichtführer bei der BASF. Dort veranstalteten sie jährliche Kegelmeisterschaften, für viele Kegelfreunde aus dem Ort der Höhepunkt des Jahres. Selbst machten die beiden natürlich auch mit. Einmal nahmen sie jedoch auch bei einem Wettbewerb in Landau teil und Georg gewann. „Denen habe ich das Kegeln beigebracht“, schwärmt er von diesem unvergessenen Erlebnis und fügt hinzu: „Das war das Allerschönste.“
„Wir waren ein ziehendes Volk“, sagt Ursula Blau
Eine sehr anstrengende Zeit, in der sich die vierfachen Eltern nur einen freien Tag die Woche gönnten, ging vorbei und es folgten etliche Stationen, an die die Familie der Arbeit des Hauptverdieners nachzog. Georg arbeitete jetzt für verschiedenste Baumärkte. Über Sondernheim, Bensheim, Heppenheim, Erbach, Günterfürst, Grünstadt und Neuhofen führte der Weg schließlich 2015 nach Mutterstadt. „Wir waren ein ziehendes Volk“, kann die 77-jährige Ursula Blau über diese Umstände heute lachen. Hier leben sie und ihr 81-jähriger Ehemann – seit 1990 im vorgezogenen Ruhestand – in einem ehemaligen Bauernhof, den Sohn Jürgen für die Großfamilie umgebaut hat. Mit Rücksichtnahme auf die gesundheitlichen Beeinträchtigungen beider Elternteile. Dort fühlen sie sich wohl. „Wo mein Bett steht, bin ich daheim“, ist Ursulas Devise. Und dort, wo ihre Puppen sind. Im Wohnzimmerschrank hinter Glas sind die guten Stücke in prächtigen Kleidchen gut verwahrt. Diese hat sie bereits einem ihrer drei Enkelkinder versprochen. Ein Urenkelkind gibt es auch schon.
Ursula Blau zieht Resümee: „Es war nicht immer leicht“ – und meint damit jegliche Lebenssituation. Genug Stoff, um darüber Bücher zu schreiben, gebe es auf jeden Fall. Man habe sich öfters zusammenraufen müssen und das habe schließlich auch zusammengeschweißt. Bewegend sei es stets gewesen und trotzdem beständig. Die beiden genießen, dass sie sich haben: „Der eine passt auf den anderen Obacht“, beschreibt sie ihr gegenseitiges Sorgen füreinander. Für ein gutes Miteinander sei es außerdem wichtig, sich nach einem Streit möglichst noch vor dem Zubettgehen wieder zu versöhnen. Dazu gehört eine Portion Diplomatie. „Ich war stets der ausgleichende Teil“, verrät sie mit einem Augenzwinkern.