Mutterstadt RHEINPFALZ Plus Artikel Diamantene Hochzeit: Bei den Schmids hat’s an Silvester geknistert

Es war zwar keine Liebe auf den ersten Blick, gehalten hat die Beziehung aber dennoch: Marlis und Rudolf Schmid sind heute seit
Es war zwar keine Liebe auf den ersten Blick, gehalten hat die Beziehung aber dennoch: Marlis und Rudolf Schmid sind heute seit 60 Jahren verheiratet.

Heute vor 60 Jahren haben sich Rudolf und Marlis Schmid das Ja-Wort gegeben. Ein Paar geworden sind der heute 84-Jährige und seine drei jüngere Frau aber schon früher: bei einer privaten Silvesterparty bei Freunden zum Jahreswechsel 1957/58.

„Vom Sehen kannte ich ihn schon vorher, weil er auf dem Weg zum Fußballtraining immer mit dem Fahrrad bei uns vorbeifuhr. Er kannte mich aber nicht“, erzählt die Jubilarin. Und er räumt ein: Bis zu jener wegweisenden Silvesterfeier habe ihn die Damenwelt nicht so überzeugt. „Das hat sich dann schlagartig geändert.“ Von Liebe auf den ersten Blick zu reden, erscheint den beiden aber als ein wenig zu dick aufgetragen. „Aber er war mir von Anfang an sehr sympathisch“, sagt sie. Er nickt zustimmend, ihm ging es umgekehrt offensichtlich ebenso. Es folgten gemeinsame Kinobesuche am Wochenende und nach einem Jahr die Verlobung. „Denn mir wurde schnell klar, dass ich Marlis heiraten will“, erläutert Rudolf Schmid. Am 10. März 1960 haben schließlich die Hochzeitsglocken geläutet für die Ur-Mutterstadterin und den in Petersdorf im heutigen Tschechien geborenen und in Folge des Zweiten Weltkriegs aus der Heimat vertriebenen jungen Mann.

Die gelernte Damenschneiderin arbeitete zunächst im Atelier ihrer Tante in Meckenheim. Nach der Geburt ihrer zwei Söhne 1961 und 1964 war sie zunächst Helferin im evangelischen Kindergarten in Neuhofen, absolvierte dann die Ausbildung zur Erziehungshelferin, bildete sich zur Erzieherin fort, später leitete sie den Kindergarten. Ihr Mann wurde in der BASF zum Kesselschmied ausgebildet, 1961 zum Vertrauensmann gewählt und 1965 zum ehrenamtlichen Betriebsrat. 1969 bis zu seiner Pensionierung nahm er diese Aufgabe hauptamtlich wahr. Darüber hinaus engagierte er sich für die SPD im Mutterstadter Gemeinderat, seine Frau brachte sich bei der Arbeiterwohlfahrt ein.

Viele unvergessliche gemeinsame Reisen

Daneben haben die Schmids Sport stets in ihrem Leben großgeschrieben. „Ich wurde nach meiner Ankunft in der Pfalz bei der FG 08 sozialisiert“, erzählt Rudolf Schmid von seiner Leidenschaft für den Fußball. Später haben sich seine Frau und er dem Sportkegeln verschrieben und häufig an Volksläufen teilgenommen. Jogging im Wald und Skimarathons im Urlaub waren ebenfalls ihre gemeinsamen Hobbys. Außerdem hat der 84-Jährige mit seinen Söhnen gerne in selbstgebastelten Kajaks Flüsse befahren, während seine Frau im VW-Bus mitreiste und dafür sorgte, dass die Wassersportler auch wieder nach Hause kamen. Und als Fans der Tour de France hat es die Schmids immer wieder in die Berge gezogen.

Damit verbindet das Paar auch einige der schönsten gemeinsamen Erlebnisse. Zum Beispiel „als Freunde, die ein Auto hatten, uns mit in den Urlaub nahmen und ich zum ersten Mal die schneebedeckten Alpen gesehen habe“, erinnert sich Marlis Schmid. Auch heute noch hat sie Freudentränen in den Augen, wenn sie daran zurückdenkt. Dazu kommen Eindrücke von Reisen nach Norwegen, dem Besuch der Zugspitze sowie herrlichen Sonnenauf- und -untergängen in den Pyrenäen. „Einmal, bei einem Vesper mit Baguette und Wein, haben wir etwa zehn Geier am Abendhimmel kreisen sehen. Was für ein Naturerlebnis!“, schwärmen die beiden.

Zwei bedeutende Personen vergessen die beiden in ihrer Aufzählung natürlich nicht: die Kinder. Zu den zwei Söhnen, auf die sie mächtig stolz sind, kamen im Laufe der Jahre eine Enkelin und zwei Urenkel. Die vielen gemeinsamen Aktivitäten – beide sind auch bei den Naturfreunden und singen im Arbeitskreis demokratische Volkslieder – haben Marlis und Rudolf Schmid zusammengeschweißt. „Trotzdem hatte jeder auch seine Freiräume und eigenen Hobbys“, erzählen sie, wie 60 Jahre Ehe gelingen können. Ebenfalls wichtig: gegenseitiger Respekt und Toleranz, für einander da sein, miteinander durch dick und dünn gehen. „Und wir haben schon immer die Gleichberechtigung gelebt“, merkt der Jubilar an. Für ihr besonderes Ehejubiläum, das sie nur im kleinen Kreis feiern, wünschen sie sich vor allem eins: „Dass wir gemeinsam gesund bleiben.“

Nach etwas mehr als zwei Jahren Beziehung wurde geheiratet.
Nach etwas mehr als zwei Jahren Beziehung wurde geheiratet.
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