Rhein-Pfalz Kreis „Der Unterricht wird mir fehlen“

Ex-Schulleiter Andreas Bommer posiert vor dem naturnah gestalteten Schulhof statt vor der einstigen Betonwüste. Ermöglicht habe
Ex-Schulleiter Andreas Bommer posiert vor dem naturnah gestalteten Schulhof statt vor der einstigen Betonwüste. Ermöglicht habe das die Zusammenarbeit mit dem Freundeskreis.

«Mutterstadt.» Drei Jahre hat Andreas Bommer (52) die Integrierte Gesamtschule (IGS) in Mutterstadt geleitet. In seinem neuen Job als Schulaufsichtsbeamter bei der Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion (ADD) in Neustadt ist er nun für ein Dutzend Lehreinrichtungen im Bereich Speyer-Germersheim zuständig.

„Die Stelle hier war meine erste in Rheinland-Pfalz“, erinnert sich Andreas Bommer an das Jahr 2000 zurück. Zuvor hatte er an der Universität Heidelberg Sport, Politik und Mathematik auf Lehramt studiert, 1995 das Zweite Staatsexamen erworben und anschließend am Kurpfalz-Internat unterrichtet, einer Privatschule in Bammental bei Heidelberg. „2002 wurde ich verbeamtet, 2004 Organisationsleiter und 2007 stellvertretender Schulleiter“, nennt der 52-Jährige wichtige Stationen seiner insgesamt 17 Jahre währenden Laufbahn an der IGS. Als seine Vorgängerin Irene Wichmann sich 2014 in den Ruhestand verabschiedete, übernahm der in Eppelheim aufgewachsene Bommer die Leitung der IGS. „Die Herausforderung bestand darin, ihre Arbeit adäquat fortzusetzen, und das anfangs ohne Stellvertreter. Denn nach meiner Beförderung war die Stelle ja vakant“, erzählt er. In einer ähnlichen Situation befindet sich nun seine bisherige Stellvertreterin Petra Hann. Sie wird die IGS kommissarisch leiten, bis Bommers Nachfolge geregelt ist. Der Chefposten ist nämlich erst seit zwei Wochen offiziell ausgeschrieben, das Bewerbungsverfahren also gerade angelaufen. „Wir hoffen alle, dass die Stelle bis Anfang 2018 besetzt ist“, sagt Bommer. Mit einem halben Jahr sei bis dahin aber wohl auf jeden Fall zu rechnen. „Eine solche Entscheidung geht bis auf den Schreibtisch der Ministerpräsidentin, außerdem muss der Rhein-Pfalz-Kreis als Schulträger das Einvernehmen erteilen und der Schulausschuss gehört werden“, beschreibt er den bevorstehenden Aufwand. Hat er es jemals bereut, Lehrer geworden zu sein? „Nein, nie“, antwortet Bommer schnell und überzeugend. „Und ich habe es auch nie bereut, als Kurpfälzer in die Pfalz gekommen zu sein“, schiebt er lachend hinterher – um einen Augenblick später dann noch mal klarzustellen: „Ich bin dankbar, dass ich hier Karriere machen durfte.“ Zumal er in Mutterstadt vieles Tolle erlebt habe. „Wir sind hier eine echte Gemeinschaft, leben die drei Embleme unseres Schullogos: Schüler, Eltern und Lehrer. Die Zusammenarbeit im Team war immer wieder befruchtend“, sagt Bommer. Sei für ein Vorhaben Hilfe benötigt worden, hätten teilweise bis zu 80 Leute mitangepackt – beispielsweise für naturnahe Umgestaltung des Schulhofs. Ein schönes Gefühl sei es auch stets gewesen, einen Leistungskurs bis zum Abitur zu führen und den Schülern dazu gratulieren zu können. „Oder die herzliche Begrüßung, wenn sie nach einigen Jahren mal wieder vorbeischauen, etwa beim Schulfest“, nennt er ein weiteres Beispiel. Nicht zuletzt freue ihn, dass die schon in seiner Anfangszeit an der IGS diskutierte Sanierung des Sportplatzes vor zwei Jahren endlich umgesetzt wurde. „Die Kinder freuen sich ebenfalls, dass sie auf dem schönen neuen Gelände üben dürfen.“ Natürlich habe es auch weniger angenehme Erlebnisse gegeben, allen voran der mutwillig ausgelöste Terror-Fehlalarm im vergangenen Jahr. „SEK-Beamte mit Sturmhaube und der Maschinenpistole im Anschlag, die durch die Flure laufen, das braucht man nicht jeden Tag“, kommentiert Bommer die Eindrücke von damals. Trotz solcher Ausnahmen bleibt ihm die Zeit in Mutterstadt in guter Erinnerung, das wird mit jedem Wort Bommers über „seine“ alte Schule deutlich. Noch vermisse er ihn zwar nicht, doch „der Unterricht wird mir bestimmt irgendwann fehlen. Auch der engere Kontakt zu den Schülern. Was mir dagegen sicher nicht fehlen wird, ist das Korrigieren“, verrät er und lächelt. Bei der ADD betreut Bommer nun zwölf Schulen, kümmert sich um alle Belange, „die eine Schule eben so hat“. Als da wären schulorganisatorische Aufgaben, Personalbesetzung und darauf achten, dass fachrechtliche Vorgaben wie die Schulordnung eingehalten werden. Er stehe den Einrichtungen aber auch als Ansprechpartner und Berater bei etwaigen Schwierigkeiten zur Verfügung. Da es immer mehr Gesamtschulen gebe, sei es gut, dass jemand bei der ADD diese Schulart von innen kennt, sagt der 52-Jährige. Gut an der Behörde findet er schon jetzt, dass dort wie an der IGS Mutterstadt der Team-Gedanke eine große Rolle spiele. Das ist Bommer wichtig. Seine Freizeit hat er früher mit Basketball verbracht, es als Spieler in die Regional- und als Trainer bis in die Zweite Bundesliga geschafft. Heute zieht er Laufen, Radfahren und Fitnessstudio vor. „Ich fotografiere auch gerne“, erzählt Bommer. Möglichst viel Zeit widmet er daneben selbstverständlich seiner Familie. Bommer lebt mit Frau und Kind in Walldorf. „Da fahre ich jeden Tag gegen den Strom. Morgens, wenn alle anderen zur Arbeit bei SAP fahren, und abends umgekehrt“, sagt er.

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