Rhein-Pfalz Kreis Der Puderzucker steht ihnen gut
Dannstadt-Schauernheim. Die Nase kräuselt sich, schnuppert. Unverkennbar ist das der Geruch nach frischgebackenem Teig, der durch das evangelische Gemeindehaus in Schauernheim zieht. Hier sind Leckermäulchen kurz vor Ostern richtig. Zucker, Mehl und Milch stehen herum, auf dem Tisch in der Raummitte haben sich kleine Mehllachen gebildet. Der Puderzucker staubt. Bei den sieben Bäckerinnen der Gruppe „Aktiv in Schauernheim“ greift ein Rädchen ins andere, hier weiß jede was sie zu tun hat und wie das perfekte Osterlamm gelingt. Zusammengenommen mehrere Jahrhunderte Backerfahrung bringen die Frauen mit, viele Male haben sie für ihre Kinder und Enkel gebacken, die Teiglämmchen versüßten so manche Ostertafel. Für Helga Petersen, Organisatorin des Lämmer-Backens, gehören sie genauso dazu, wie das Suchen der Ostereier. „Ich möchte, dass die Tradition nicht ausstirbt. Die ganze Begehrlichkeit waren schon bei unseren Kindern die Lämmer auf dem Ostertisch“, sagt die 80-jährige Petersen. Sie hatte die Idee, in diesem Jahr beim Osterfrühstück der evangelischen Gemeinde die Lämmer aufzutischen. Es findet nach dem morgigen Auferstehungsgottesdienst (6 Uhr, Melanchthonkirche Schauernheim) statt. Religionspädagogin Beate Özer streckt den Kopf in die Küche. Sie weiß um die symbolische Bedeutung der süßen Lämmer. „Das Osterlamm in seiner Bedeutung geht zurück auf das Lamm als Opfertier im Alten Testament, insbesondere dem Pessach-Lamm, das zum Auszug der Israeliten aus Ägypten geschlachtet wurde“, sagt sie. Im Judentum wird zum Passahfest daher als Erinnerung an die Befreiung aus der Sklaverei ein Lamm geschlachtet. „Auch Jesus feierte das Passahfest bei seinem letzten Abendmahl. Im Neuen Testament wird Jesus als das Pessach-Lamm bezeichnet, das Lamm Gottes. Damit wird das Sterben Jesu am Kreuz und die Auferstehung angesprochen, mit der er nach christlicher Überzeugung die Menschen erlöst hat“, erklärt Özer. Dass die Lämmer meist mit hellem Teig gebacken werden, ist daher auch kein Zufall, denn das weiße Lamm stehe in seiner Unschuld und Reinheit für die unschuldige Hingabe. „Guckt ihr bitte nach euren Lämmern?“, fragt Gabi in die Runde. Sie hat die Zeit im Blick und langsam färbt sich der Teig in den Blechformen im Ofen goldbraun. Gemeinsam mit Wiltrud ist sie im Nebenraum eigentlich damit beschäftigt, das fertige Naschwerk in Folie zu packen. Jedes Tütchen bekommt eine farbige Schleife – fertig. „Was nicht gegessen wird, verkaufen wir und spenden das Geld an die Kirchengemeinde“, erklärt Organisatorin Petersen die mögliche Resteverwertung. Mit Rührgerät und Schüssel ausgestattet arbeitet Burga schon am nächsten Biskuitteig, während Renate die Form mit Butter einpinselt. Die Waage steht in der Ecke, die Frauen können dank ihrer Erfahrung darauf verzichten. Helga Petersen füllt mit einem Teigschaber zwei große Kleckse Rührteig in die Lamm- und Hasenformen und nimmt dann die erste Fuhre der „Tiere“ aus dem Ofen. Vorsichtig, fast schon behutsam, löst sie die Klammern an der Form. Ein bisschen ruckeln, dann nimmt sie mit ruhiger Hand die obere Hälfte der Form ab. Doch es hilft alles nichts. „Das sieht mehr wie eine Ente aus“, sagt Petersen beim Blick auf den schmalen Körper des knieenden Lamms. Diagnose: zu wenig Teig. Die Frauen fachsimpeln derweil über die Eigenheiten des Ofens, „jeder ist anders“, über die Formen und die spezielle Mischung von Eiern, Zucker und Mehl. Petersen schwört auf ihren Rührteig, „bei Figuren fällt der nicht so leicht auseinander, wie die feinen Teige“. Biskuit zum Beispiel, der ist zwar fluffig, aber das ein oder andere Hasenohr fällt ob der Leichtigkeit der Schwerkraft zum Opfer. Die Frauen haben da aber so ihre Tricks, um die Hasen zu flicken: „Ich nehme einfach ein bisschen Honig“, sagt Hildegard. „Oder Marmelade“, ergänzt Renate. Der Puderzucker rieselt über die Lämmer. Kleine Makel werden so im Nu unsichtbar. Mindestens acht Tage könne man die Lämmer nach dem Backen aufheben, erzählen die Frauen. Petersen geht an den Ofen und holt die nächste Fuhre heraus. Beim Osterfrühstück wird angesichts von über 20 Hasen keiner hungern müssen. Und spätestens in der Adventszeit werden die Damen wieder in der Backstube stehen: Dann gibt es Weihnachtsplätzchen aus eigener Herstellung, mit viel Freude gebacken und lustigen Gesprächen drum herum.