Rhein-Pfalz Kreis Der Neue im Bezirk

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Mutterstadt. „Es ist wie zurückkommen“, sagt Michael Fußer. In Limburgerhof und in Mutterstadt, wo er aufgewachsen ist, hat er seit Jahresanfang das Amt des Bezirksschornsteinfegers übernommen. Eigentlich wollte er in einer Bank arbeiten, doch nach einem Praktikum entschied er sich für den Beruf des Schornsteinfegers.

Die Freude merkt man Michael Fußer an. Darüber, dass er der neue Schornsteinfeger des Bezirks „Ludwigshafen I“ geworden ist. Seit 1. Januar ist er zuständig für einen Teil der Kamine in Mutterstadt und in Limburgerhof. Seine Augen blitzen, wenn er von der neuen Aufgabe erzählt, die Worte sprudeln aus ihm heraus. Fußer hat einen weiten Weg hinter sich und auch den ein oder anderen Umweg genommen. Der gebürtige Mutterstadter ist 44 Jahre alt. Nachdem er den Hauptschulabschluss in der Tasche hatte, ging er zunächst auf die Wirtschaftsschule in Ludwigshafen. Nach dem Abschluss wollte er eigentlich bei einer Bank anfangen. Ein Abend mit Freunden beim Tischfußball lenkte sein Leben dann in eine andere Richtung. Ein Kollege habe ihn gefragt, ob er nicht Schornsteinfeger werden wolle, erinnert sich Fußer. „Ich bin der Typ, der Dinge gerne Mal ausprobiert“, sagt er, „und so bin ich in den Sommerferien mit auf Tour zu gegangen.“ Fußer liebäugelte mit der Arbeit als Kaminkehrer, beendete dann aber doch erst die Wirtschaftsschule. 1987 begann er die Ausbildung beim Bezirksschornsteinfeger Kurt Kraus in Mutterstadt. Weil der junge Kollege so engagiert war, konnte er seine Gesellenzeit von drei auf 2,5 Jahre verkürzen und den Meister draufsatteln. Es folgten Einsätze in Dannstadt-Schauernheim und in Neustadt. 2008 wurde Fußer dann Mitarbeiter von Schornsteinfeger Berthold Albert – in dem Bezirk, den er jetzt übernommen hat. Sein Vorgänger scheidet aus Altersgründen aus dem Dienst. Er wolle in Alberts Fußstapfen treten und dessen gute Arbeit weiterführen, sagt der Nachfolger. Zwischen 2000 und 2500 Haushalte betreut er ab sofort. „Es ist sicherlich ein Vorteil, dass ich viele Leute schon kenne und sie mich“, sagt Fußer. Er kann in Mutterstadt arbeiten, wo er mit seiner Familie wohnt. Seinen Mitarbeiter hat er selbst ausgebildet – es ist der Enkel einer seiner früheren Chefs. „Es war schon immer unser Traum, gemeinsam zu arbeiten“, erzählt Fußer. Er wirkt einfach nur zufrieden. Die Bestellungsurkunde hat er bereits von Landrat Clemens Körner überreicht bekommen. Wer Bezirksschornsteinfeger wird, legen die Gemeinden nicht selbst fest. Die Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion des Landes Rheinland-Pfalz (ADD) wählt die Bewerber für die neun Kehrbezirke im Rhein-Pfalz-Kreis aus. Die Ausschreibung für den neuen Bezirksschornsteinfeger muss sogar europaweit erfolgen. Der Beruf des Schornsteinfegers hat eine lange Tradition. Zu erkennen sind die Kaminfeger seit Jahrhunderten an ihrer Uniform – schwarze Hose und eine schwarze Jacke mit Goldknöpfen. Die Atemwege vor Ruß schützt der Schornsteinfeger seit jeher mit einem weißen Mundtuch. Der Zylinder vervollständigt das Outfit. „Der Hut weist darauf hin, dass Schornsteinfeger früher angesehene Leute waren“, sagt Fußer. Dass die Kaminkehrer immer noch als Glücksbringer gelten, hat einen historischen Hintergrund. „Früher standen die Häuser sehr dicht zusammen“, erzählt Fußer, „sie waren aus Holz und hatten Strohdächer.“ Das habe die Brandgefahr erhöht. Die Aufgabe des Schornsteinfegers sei gewesen, den leicht entzündlichen Ruß, der sich angesammelt hatte, zu entfernen. „Weil damit das Brandrisiko deutlich gesenkt wurde, wurde den Schornsteinfegern nachgesagt, Glück zu bringen.“ Doch auch der Beruf unterliegt Veränderungen. Viele Schornsteinfeger sind mittlerweile auch Energieberater, wenn ihre Kunden bauen, umbauen oder einen neuen Kamin möchten. Auch Michael Fußer hat eine solche Zusatzausbildung absolviert. Gut gefällt ihm, dass er in seinem Job so viel Kontakt zu Menschen hat. „Da bekomme ich schon Mal ein Fläschchen Wein oder Sekt oder eine Tafel Schokolade geschenkt“, erzählt er. Nur einen Vorfall wie vor 25 Jahren möchte er nicht noch einmal erleben. „Eine ältere Dame hat mich auf dem Speicher vergessen“, erzählt Fußer. Er musste warten, bis die Seniorin zurückgekehrt war und ihn befreite. Nils erklärt: Arbeit eines Schornsteinfegers Im Wohnzimmer meiner Oma gibt es einen Kamin. Wenn sie darin ein Feuer macht, entsteht Rauch. Es würde ganz schön stinken, wenn der Qualm im Zimmer bliebe. Deshalb ist der Kamin mit einem Schornstein auf dem Dach verbunden, über den der Rauch ins Freie geleitet wird. Damit der Rauch gut abziehen kann, müssen Schornstein und Kamin sauber sein. Dafür sorgt ein Schornsteinfeger. Mit einem Kehrbesen beseitigt er zum Beispiel Ruß, der entsteht, wenn Holz abbrennt. Schornsteinfeger gibt es in jeder Gemeinde und in jeder Stadt. Ihr erkennt sie an ihren schwarzen Uniformen und an den runden Hüten auf ihren Köpfen, die man Zylinder nennt. (apk)

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