Rhein-Pfalz Kreis Der Herr der Schilder

Im Schilderwald: Dieter Silbernagel in seinem Lager in der Hafenstraße.
Im Schilderwald: Dieter Silbernagel in seinem Lager in der Hafenstraße.

Silbernagel? Der Name ist bekannt, wenn auch weniger aus Ludwigshafen als aus Mannheim. Tatsächlich stammt Dieter Silbernagel aus der Familie, die vor knapp 40 Jahren die inzwischen verkaufte Silbernagel GmbH aufgebaut hat, ein bundesweit tätiges Unternehmen für Verkehrstechnik. Die rechtlich und geschäftlich unabhängige Firma Dieter Silbernagel in Ludwigshafen ist das Ergebnis eines Generationenkonflikts. Nach seiner Ausbildung zum Elektriker arbeitete Dieter Silbernagel jahrzehntelang gemeinsam mit seinen Eltern und seiner jüngeren Schwester – einer früheren CDU-Gemeinderätin in Mannheim – im Familienunternehmen. Zum großen Krach mit seinem inzwischen 83 Jahre alten Vater, über den der heute 60-Jährige ganz offen spricht, kam es vor rund zehn Jahren. „Ich war der Meinung, man müsse die Erfahrungen der älteren Generation mit der Beißkraft der jüngeren kombinieren, um erfolgreich zu sein“, blickt er zurück auf die schwierige Zeit. „Aber es ist mir nicht gelungen, mich mit meinen Vorschlägen und Ideen durchzusetzen.“ Die Konsequenz war der Abbruch des Kontakts zum Vater und geschäftlich der Sprung auf die andere Rheinseite. Als er in Ludwigshafen sein eigenes Unternehmen gründete, entschied sich Silbernagel für eine Konzentration auf die Region. Die Aufträge kommen nun überwiegend von Kommunen, Bundes- oder Landesbehörden, Baufirmen oder Veranstaltern für Projekte im Umkreis von etwa 100 Kilometern. „Wir sind immer zuständig, wenn ein Verkehrsteilnehmer mit einem Hindernis konfrontiert wird“, sagt Silbernagel. Zurzeit laufen etwa 60 Aufträge parallel: Fahrbahnmarkierungen, das Aufstellen von Schildern, das Sichern von Veranstaltungen, Sperrungen. Wenn eine mobile Straßenbeleuchtung benötigt wird, ist das genauso Silbernagels Geschäft wie das Freihalten der Straße für einen Schwertransport. Oft kommen die Aufträge kurzfristig, soll heißen: etwa ein bis zwei Wochen vorher. Zu Silbernagels Aufgaben gehört es, öffentliche Ausschreibungen im Blick zu haben, sich um Aufträge zu bewerben und die rund 35 Mitarbeiter zu koordinieren, von denen etwa 90 Prozent draußen im Einsatz sind. Der 60-Jährige packt selbst lieber mit an, als am Schreibtisch zu sitzen. „Ich bin eher Praktiker als Theoretiker“, sagt er. „Mein Ding ist es, Probleme zu lösen.“ Als er sich mit über 50 zum Ausstieg aus dem elterlichen Betrieb entschloss, galt es mehr als genug Probleme zu lösen. Da er zwar über jahrzehntelange Erfahrung und viele Geschäftsbeziehungen verfügte, aber kaum über Kapital, musste er nach eigenem Bekunden einige Überzeugungsarbeit bei Banken leisten. Da er sich zunächst keine eigenen Maschinen und keinen Fuhrpark leisten konnte, mietete er das benötigte Equipment von Kollegen. „Ich habe dann nach und nach selbst investiert“, erzählt er. Heute besitze sein Unternehmen 60 Fahrzeuge. Umsatzzahlen verrät Silbernagel nicht, aber er sei zufrieden mit der Entwicklung. Und dann kommt er noch einmal auf seine Familie zu sprechen: „Mein Vater hat mir mitgegeben, dass man um jeden Auftrag kämpfen muss. Ich kenne keinen Feierabend. Wenn es sein muss, arbeite ich rund um die Uhr.“ Für die Zukunft hofft Dieter Silbernagel auf den einen oder anderen Auftrag im Zusammenhang mit dem Hochstraßenabriss. Der Unternehmer in ihm freut sich natürlich über die rege Bautätigkeit. Der (Mannheimer) Bürger Silbernagel, der regelmäßig eine der Rheinbrücken überqueren muss, versteht den Unmut über die Staus. Dass er selbst irgendwann als Vertreter der älteren Generation die gleichen Konflikte erleben wird, die er mit seinem Vater auszufechten hatte, glaubt Silbernagel übrigens nicht. Eines seiner vier Kinder, die 28-jährige Tochter, arbeitet bereits im Unternehmen mit. Und man gehe, sagt er, sehr respektvoll miteinander um.

x