Rhein-Pfalz Kreis Der Herr der Bienen
«Otterstadt.» In Otterstadt hat ein neues Hotel aufgemacht, mitten im Grünen. Die Fassade ist urig, ganz aus Naturmaterialen, aber trotzdem stylish mit Ortswappen und der Zahl 1000 in Anlehnung an das 1000-jährige Bestehen der Ortsgemeinde im kommenden Jahr. Die Zimmer sind aber winzig, eher Wohnschläuche. Aber für das Zielpublikum könnten sie besser nicht sein. Denn hier sollen Wildbienen und andere Insekten einziehen und nisten.
Der Otterstadter Eugen Kluger hat dieses Insektenhotel in liebevoller Kleinarbeit gebaut und vergangene Woche mithilfe der Bauhofmitarbeiter auf der Grünfläche zwischen Speyerer Straße und Fahrlache aufgestellt. „Wir finden den Platz gut, gleich gegenüber der neu gepflanzten Mandelbaum-Allee“, sagt Kluger. Die Mandelbäume habe der Verein für Heimatpflege und Naturschutz (VHNO) für das Ortsjubiläum gepflanzt, das Insektenhotel sei der Beitrag des Fördervereins zum Landschafts- und Umweltschutz in Otterstadt und Waldsee (FLUOW) zum Ortsjubiläum, erzählt Kluger. Er war stellvertretender Vorsitzender des Fördervereins, der sich aber zum Ende des vergangenen Jahres aufgelöst hat. FLUOW hat schon ein anderes Insektenhotel auf einer Wiese am nördlichen Ortsausgang aufgestellt. Rund vier Wochen hat der Rentner für die Arbeiten gebraucht, erst den Kasten selbst gebaut, dann Alurohre als Ständer befestigt und wegen der Stabilität mit Beton ausgegossen. Der Großteil des Hotels ist mit Schilfrohren gefüllt, an der Rückseite mit Acryl verklebt. „Sonst ziehen Spechte gerne die Halme heraus“, weiß Kluger. Im Dachgeschoss des Hotels hat Kluger Tannenzapfen eingebracht, die er zusammen mit seiner kleinen Enkeltochter gesammelt hat. Auch Holzscheiben mit Löchern und Reisig sollen Insekten und Schmetterlingen Unterschlupf bieten. „Wer letztlich hier einzieht, müssen die Insekten dann schon selbst entscheiden“, sagt Kluger. Finanziert wurde das Projekt hauptsächlich noch von FLUOW. Nun will Kluger auf eigene Kosten weitermachen und weitere Nistmöglichkeiten für Insekten bauen. Eugen Kluger ist 70 Jahre alt, lebt seit 1974 in Otterstadt und hat während seiner Berufstätigkeit als Diplom-Bauingenieur im Bereich Wasserwirtschaft auch immer mit Umweltschutzthemen zu tun gehabt. Mit seinem Engagement für die Umwelt tritt Kluger das Erbe seines älteren Bruders Wolfgang an, der vor zwei Jahren starb. „Mein Bruder hat sich schon vor 25 Jahren für den Schutz von Insekten interessiert“, erzählt er. Er habe sich den Bau von Insektenhotels von ihm noch zeigen lassen und mache nun in seinem Sinn weiter, sagt Eugen Kluger. In seinem Garten in Otterstadt stehen bereits einige Insektenhotels. „Bei den kleinen geht es schnell, bei den großen dauert es ein paar Jahre, dann sind auch sie voll belegt. Im Frühjahr ist bei meinen Insektenhotels die Hölle los“, erzählt er. Nun muss es sich nur noch bei den Wildbienen herumsprechen, dass es in Otterstadt ein neues Hotel gibt. Dann schwirren die ersten Gäste bestimmt bald an.