Rhein-Pfalz Kreis Der Hahn bleibt offen

Werden mit Wasser aus dem Otterstadter Altrhein beregnet: Felder in der Vorderpfalz.
Werden mit Wasser aus dem Otterstadter Altrhein beregnet: Felder in der Vorderpfalz.

«Otterstadt/Mutterstadt.» Trotz der langen Trockenphase steht Landwirten genug Wasser zur Verfügung. Der Beregnungsverband Vorderpfalz, der diese mit Wasser aus dem Otterstadter Altrhein versorgt, hatte seit Mitte Juli dennoch einen Notfallplan in Kraft gesetzt.

„Für uns ist das kein Jahrhundertsommer“, sagt Wolfgang Renner, Vorsteher des Beregnungsverbands Vorderpfalz. Es gebe keinen Wassermangel, betont er, um Gerüchten zu begegnen. „Und der Beregnungsverband dreht auch nicht den Hahn zu.“ Der Verband versorgt die Landwirte mit Wasser aus dem Otterstadter Altrhein und beobachtet genau den Pegel des Flusses. Der liege stabil bei 2,2 Metern, sagte Martin Steig, stellvertretender Vorsteher, in einem Gespräch der RHEINPFALZ mit dem Vorstand. Pro Tag darf der Verband 288.000 Kubikmeter entnehmen, informierte die Struktur- und Genehmigungsdirektion Süd auf Nachfrage. An bis zu zehn Tagen im Jahr können sogar bis zu 415.000 Kubikmeter abgezapft werden – zum Decken von „Bedarfsspitzen“. Das sei aber bisher noch nicht nötig gewesen, berichtet der Verband. Trotzdem wurde die Wasserentnahme während der Hitzewelle ab Mitte Juli bis vergangenen Sonntag per Notfallplan geregelt. „Das Problem ist nicht die Wassermenge, sondern dass die Landwirte alle gleichzeitig ihre Standrohre auf den Feldern aufdrehen“, erklärte Steig. Dadurch falle der Druck plötzlich zu stark ab. „Bei vier Bar Druck funktioniert die Zerstäubung nicht mehr“, ergänzte Renner. Deshalb wurden die Landwirte aufgerufen, zu unterschiedlichen Zeiten zu beregnen. Welche Gebiete zu welchen Zeiten Wasser nutzen sollen, steht im Notfallplan. Normalerweise würden die meisten erfahrungsgemäß zwischen 5 und 7 Uhr und 19 bis 21 Uhr beregnen. Jetzt sind die Bauern wieder frei bei der Wahl der Zeit. „Aber viele haben inzwischen verstanden, dass es besser ist, den Zeitraum etwas zu strecken, damit es zu keiner Beschränkung kommt“, sagte Renner. Der Effekt mit dem Druckverlust im Beregnungssystem tritt nicht nur in heißen Zeiten auf, sondern auch in eisigen. „Bei der Frostberegnung ist es ähnlich“, sagte Steig. Um ihre Frühkartoffeln in kalten Nächten zu schützen, drehten die Landwirte ebenfalls oft gleichzeitig den Hahn auf. Die Tröpfchenberegnung sei übrigens nicht sparsamer im Wasserverbrauch, weil die Verdunstung gleich sei, stellte Daniel Hege, stellvertretender Vorsitzender, klar. Durch die Tröpfchen würden beispielsweise Pflanzen mit empfindlichen Blüten wie etwa Zucchini besser geschont.

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