Rhein-Pfalz Kreis Der Gutselstand auf Ostsibirisch

Hat zwischendurch immer einen launigen Spruch beim Heimatabend auf Lager: Mitarbeiter Welte vom Heimatprojekt saalü!.
Hat zwischendurch immer einen launigen Spruch beim Heimatabend auf Lager: Mitarbeiter Welte vom Heimatprojekt saalü!.

«Dannstadt-Schauernheim.» Geschichten über Bardamen und Weinberge im Ort, die Aufklärung des Mythos der „Schauremer Esel“ und Wirtschaftsflüchtlinge aus Mutterstadt: Viel Munteres und Informatives ist am Samstagabend beim Dorfsaalspektakel mit saalü! in der vollen Sporthalle des SV Schauernheim geboten worden. Der Heimatabend fand anlässlich der 1250-Jahr-Feier von Dannstadt-Schauernheim statt.

Heimat ist vielfältig, Heimat hat Geschichte – und Heimat ist hier. Passend dazu hatte das Heimatprojekt saalü! den Jubiläumsabend unter das Motto „Der Star ist das Dorf“ gestellt. Seit 1994 tingelt das Heimatprojekt saalü!, eine Veranstaltung des Gemeinde- und Städtebunds Rheinland-Pfalz mit Unterstützung des Ministeriums für Kultur, übers Land und ist schon in mehr als 300 Gemeinden aufgetreten. Diesmal wurden Gegenwart und Zukunft von Dannstadt-Schauernheim – mit leichtem Schwerpunkt auf Schauernheim, schließlich steht der Ortsteil in diesem Jahr im Fokus – von dem etwas eigenwilligen Dorf-Tüv-Trio unter die Lupe genommen. Abteilungsleiter Müller, sein wissenschaftlicher Mitarbeiter Welte und Langzeitpraktikantin Charla Drops machten in ihrem Variete ein Angebot zur Präsentation, das nicht nur die örtlichen Vereine gerne annahmen. Und so hieß es „Bühne frei“ für alle vier Schauernheimer Chöre. Mit „Willkommen, bienvenue, welcome“ läutete der Frauenchor „Vokal Spezial“ den Abend ein, bevor Ortsbürgermeister Bernd Fey (CDU) zum Auftakt des zweiten Teils des gemeinsamen Jubiläums von Dannstadt und Schauernheim einlud. Natürlich nicht ohne ein bisschen aus dem Nähkästchen zu plaudern. Reiner Zufall sei es gewesen, dass der Hochspeyerer 1979 nach Dannstadt gezogen sei: „Zur richtigen Zeit die richtigen Baupreise.“ Ein schlagendes Argument. Als ehemaliger Wirtschaftsflüchtling aus Mutterstadt outete sich im ersten Dorfgespräch Stefan Veth (CDU), Bürgermeister der Verbandsgemeinde. Als „traumatisches Kindheitserlebnis“ sind ihm die Friseurbesuche in Schauernheim haften geblieben. Quasi „uff de Brick gebore“ ist dagegen die Erste Ortsbeigeordnete Manuela Winkelmann. „Besser als unner de Brick“, kommentierte Müller launig. Von Bardamen von der Dolmetscherschule Germersheim, die früher in der Gaststätte „Storchen“ gastierten, wusste Eugen Fischer zu berichten. „Ich hab’ schun e bissl was gsehe“, bekannte der Wirt, der damals sieben, acht Jahre alt war, offenherzig. Fischer erinnerte auch an den Schauernheimer Weinanbau vergangener Zeiten. Ein Liebesgedicht auf den Ortsteil gab Fey zum Besten. Untermalt von der Melodie von „Je t’aime“ und hingebungsvollen Seufzern von Charla Drops. „Auch der schönste Mann ist an den Füßen zu Ende“, machte Müller dem Liebestaumel der Praktikantin ein rasches Ende. Erstmals Stimmung im Saal brandete auf, als Drops anschließend „Moi Mutter hot en Gutselstand“ intonierte – auf Ostsibirisch. Andächtige Stille herrschte danach, als Hildegard Krug – vor 61 Jahren aus der Nordpfalz in das Dorf gekommen – ihr anrührendes Gedicht „Mein liebes Schauernheim“ vortrug. „Zwölfähalb Johrhunnerde“ nach der Melodie des Gassenhauers „Fürstenfeld (I will wieder hoam)“ intonierte der Gesangverein 1909 Schauernheim. Sein Nachwuchsproblem zeigte humorvoll-musikalisch der Männergesangverein 1869 Schauernheim mit „Wir sind die alten Säcke“ auf. Was auch der Blaskapelle Dannstadt, die die Veranstaltung musikalisch umrahmte, nicht fremd ist. Im zweiten Dorfgespräch sprachen Kerweprinzessin Katie Bellmann und Kerweborsch Gaby Narock über Schauernheimer Kerwerituale. Monika Seiberth-Hesch, Organisatorin und gute Seele rund um das Jubiläum, stimmte nicht nur ein Loblied auf die vielen Mithelfer an, sondern klärte auch auf, was es mit den Neubaugebieten „Legoland“ und „Känguruviertel“ auf sich hat. „Sehr interessant, sehr vielfältig“, urteilte Armin Weil aus Dannstadt über die gut vierstündige Revue. „Ich habe viele neue Informationen erhalten“, sagte die Dannstadterin Sara Schön. Unter dem großen Beifall wurde für ihr großes Engagement rund um das Jubiläum anschließend Monika Seiberth-Hesch geehrt. Aber auch den Dorf-Tüv hat die Gemeinde mühelos bestanden: „Dannstadt-Schauernheim hat definitiv eine Zukunft“, attestierte Prüfer Müller freudestrahlend. Termine —Jubiläumskonzert, Samstag, 7. April, um 19 Uhr in der Halle des SV Schauernheim, Im Spieß. —Jubiläumslauf, Sonntag, 13. Mai, ab 9.30 Uhr auf dem Sportgelände des SV Schauernheim, Im Spieß. Informationen unter www.svschauernheim.de. —Festmeile und Bauernmarkt, Samstag, 14. Juli, von 10 bis 18 Uhr, Schauernheim, Ober-, Unter- und Hintergasse. —Abschlussgottesdienst, Samstag, 4. August, 18 Uhr, Halle des SV Schauernheim, Im Spieß. —Abschlussfeier, 4. August, 19 Uhr, Halle des SV Schauernheim, Im Spieß. Eintritt: 6,15 Euro.

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