Rhein-Pfalz Kreis Der Duft des Trompetenbaums

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Fussgönheim. Das Hoftor in der Hauptstraße 55 sieht aus, wie ein Hoftor eben so aussieht. Doch öffnen sich seine Flügel, entfährt einem unwillkürlich ein Ahhh. Blick auf eine grüne – nein besser – eine bunte Oase. Denn bei Dieter Gebel im Innenhof blüht es gewaltig. Sonnenblumen, Husarenköpfchen, Geranien und Studentenblumen. In zwei überdimensionalen Terrakottatöpfen stehen zwei riesige Trompetenbäume. „Haben Sie dafür einen Kran gebraucht?“ Dieter Gebel lacht und erklärt, dass die Blumenkübel tatsächlich ziemlich schwer seien. Wenn aber viele Freunde anpackten, schaffe er es ohne technische Hilfsmittel, sie in den Keller zu hieven. Keller? „Na ja, die Trompetenbäume sind nicht winterfest.“ Bestimmt hundert Blumentöpfe stehen bei dem Fußgönheimer im Hof. Wenn die alle im Winter in den Keller müssen ... Gut, dass Sommer ist und Dieter Gebel zum Kaffeetrinken und nicht zum Schleppen eingeladen hat. Wir nehmen Platz unter dem grünen Pavillon, an dem Tisch mit der karierten Decke, dort, wo der 68-Jährige sein mobiles Büro aufgebaut hat. „Im Sommer sitze ich am liebsten hier.“ Kurzer Gedanke an die Redaktionsräume in der Ludwigshafener Amtsstraße. Das Gefühl, das sich breit macht ist – es lässt sich nicht beschönen – Neid. Auf dem Tisch liegt eine Ansichtskarte aus Mallorca. Darauf eine Dorfgasse, Tontöpfe, bunte Blumen. „Die hat mir mein Sohn geschickt, ich suche doch immer Anregungen.“ Hmm, vielleicht sollten die Mallorquiner lieber mal zu Dieter Gebel kommen ... Doch woher hat der eigentlich sein Pflanzen-Know-how? „Och, ich kenne mich eigentlich überhaupt nicht aus – ich probiere einfach.“ Aus Spaß holt sich Gebel schon mal die Sonderposten aus den Bau- und Gartenmärkten, „so verkrüppelte Dinger“, und päppelt sie wieder auf. „Inzwischen bringen mir Nachbarn ihre Pflanzen zum Pflegen. Dabei ist mein Rezept ganz einfach: Dünger und viel Wasser.“ Dieter Gebel war 40 Jahre lang weg von Fußgönheim, hat als Elektrotechniker in Frankfurt, Hamburg und Zürich gearbeitet. Nach einem Zwischenstopp in der Pfalz, da hat er in Wachenheim gewohnt, ist Gebel Leiter der E-Abteilung des Kraftwerks Offenbach am Main geworden und mit seiner Familie nach Dietzenbach gezogen. „Nicht so schön dort, viel Beton, teilweise grün angestrichen. Da haben meine Frau und ich uns gedacht: Wenn wir mal die Möglichkeit haben, pflanzen wir – echtes Grün.“ Das Vorhaben haben sie umgesetzt. Wo hier im Hof eine Pflanze anfängt zu wachsen und wo sie aufhört, ist oftmals gar nicht zu erkennen. Dabei sind die Gebels erst vor sechs Jahren zurück nach Fußgönheim gezogen. In sein Elternhaus, wo der umtriebige Rentner alles umgekrempelt hat: Die Scheune wurde zur Werkstatt, der Kuhstall zum Kaminzimmer, und hinten im Hof wird mit Solarzellen der eigene Strom erzeugt. Gebel ist Tüftler. Für ein Modell- Solarauto hat er einen Innovationspreis gewonnen. Die Seifenkisten, die er gebaut hat, waren immer die schnellsten. Wer sich in Haus, Hof und Scheune umschaut, stößt auf die verschiedensten Fundstücke. Flohmarktimpressionen zwischen Tontöpfen und Gänseblümchen. Die lässt der Hofbesitzer sympathischerweise zwischen den alten Pflastersteinen wachsen. Aus einer der Pflanzschalen schlängelt sich eine Zucchini. Das ist doch eine? Dieter Gebel setzt ein verschmitztes Grinsen auf. Auf den eigenwilligen Gemüsebau im Topf angesprochen, erklärt er, dass die Zucchini nun mal seine Lieblingspflanze sei: leuchtende Blüten, starke Blätter. Ähnlich schwärmt Gebel vom Duft der Engelstrompeten – der riesigen Trompetenbäume in den überdimensionalen Terrakottatöpfen „Der ist betörend. Dazu klassische Musik ...“ Sommernachtstraum in Fußgönheim. Der ist jenen beschieden, die hier wohnen. Der Kaffee ist ausgetrunken. Also heißt es wieder: Kurs nehmen auf Ludwigshafen. Unter Weinreben hindurch. An Tomaten, Rosmarin, Orangenbäumchen und Hibiskus vorbei. Dann steht man wieder auf der Hauptstraße. So ganz sieht das Hoftor in der Hauptstraße 55 doch nicht aus, wie Hoftore eben so aussehen. Eine Glyzinie wächst darüber. Sie schaukelt leicht im Wind. Ein grüner Abschiedsgruß.

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