Limburgerhof RHEINPFALZ Plus Artikel Demonstration: Klare Worte auf dem Burgunderplatz

Etwa 1000 Menschen waren zur Kundgebung gekommen.
Etwa 1000 Menschen waren zur Kundgebung gekommen.

Es war ein starkes Zeichen, das die Limburgerhofer am Donnerstagabend auf dem Burgunderplatz gesetzt haben. Rund 1000 Menschen waren bei einer Kundgebung unter dem Motto „Haltung zeigen – gegen Rassismus“. Der Anlass sorgte für Empörung. Die Redebeiträge sorgten für viel Beifall.

Um 18.15 Uhr ist der Burgunderplatz zwar schon gut besetzt. Aber es sind noch einige Lücken da. Der Limburgerhofer hat’s halt nicht weit bis ins Dorfzentrum und muss daher auch nicht viel Puffer einplanen beim Fußmarsch Richtung Rathaus. Den haben am Ende rund 1000 Leute auf sich genommen, wie Bernd Lohe, Vorsitzender der TG 04 Limburgerhof, berichtet. „Damit sind unsere Erwartungen noch übertroffen worden“, sagt er im RHEINPFALZ-Gespräch nach der Veranstaltung.

Es war ein Vorfall am 21. Januar beim Kindermaskenball „seiner“ TG, der die Leute in Scharen in die Dorfmitte getrieben hatt. Laut Polizei tat ein 54 Jahre alter Mann aus dem Ort lautstark kund, dass er – vorsichtig ausgedrückt – mit Multikulti nicht viel anfangen kann. Und das beim Auftritt der Showtanzgruppe der TG, zu der auch drei Mädchen aus Südasien gehören. Das sorgte für Empörung. Nicht nur bei der TG, sondern auch bei etlichen anderen Vereinen in Limburgerhof. Sie zeigen an diesem Abend oft Flagge – im übertragenen und wörtlichen Sinn. Unterstützung bekommt das Ansinnen der Veranstalter auch aus den Nachbargemeinden wie Mutterstadt und Neuhofen. Auch von dort haben sich Menschen auf den Weg zum Burgunderplatz gemacht, um zu zeigen, dass in der Gesellschaft kein Platz für Rechtspopulismus und rassistische Hetze ist.

Bernd Lohe stellt klar, dass bei der TG drei Dinge wichtig sind: „Wir sind gegen Extremismus, egal ob von rechts oder links. Rassismus tolerieren wir nicht. Und man soll sich nie gegen die 600 Kinder bei uns im Verein wenden.“ Dafür bekommt er viel Applaus. Auch von den zahlreichen angesprochenen Kindern und Jugendlichen auf dem Burgunderplatz.

Sie haben sich, ebenso wie einige Erwachsene, mit Plakaten auf den Weg zu der Kundgebung gemacht. Die Parolen auf den Schildern sind zum großen Teil bekannt. „Katzis statt Nazis“ oder „Lieber braun aufs Brot als braun im Kopf“ mit einem bekannten Nuss-Nugataufstrich in der Mitte stechen heraus, was das Kreativitätslevel angeht.

Lohe verurteilt den Tabubruch, der am 21. Januar aus seiner Sicht begangen wurde. „Rassismus ist Gift für jeden Verein und jede Gesellschaft. Rassismus macht kaputt, statt aufzubauen. In einem Verein ist kein Platz für die Frage nach der Herkunft oder Äußerlichkeiten.“ Lohe mahnt aber auch, dass gerechte Empörung nicht entgleisen dürfe. „Wenn es eine Chance gibt, jemanden in die Mitte der Gesellschaft zurückzuholen, dann müssen wir sie ergreifen.“

Ähnliche Worte hallen von Martin Fischer aus den Lautsprechern über den Platz. Aus Sicht des Vorsitzenden des Skiclubs Limburgerhof ist es entscheidend, wie man solchen Themen im Alltag begegnet. Er spricht sich klar für ein Miteinander statt Gegeneinander aus. „Rassismus ist eine von der Mehrheit nicht tolerierte Randerscheinung.“ Er forderte die Teilnehmer auf, sich weiter für das Gemeinwohl einzusetzen. „Nur, weil es manchmal nicht einfach ist, darf man nicht aufhören, dafür einzustehen.“ Die Welt sei nicht schwarz-weiß. Die Welt sei bunt. Und dazu wolle auch der Skiclub seinen Beitrag leisten.

Monteza Karfus, Vorsitzende des Migrationsbeirats in Limburgerhof, nahm vor allem die Bürger in die Pflicht: „Sie tragen die Verantwortung, für eine inklusive Gemeinschaft einzustehen. Schweigen ist keine Option, wenn Menschenrechte verletzt werden.“ Rassismus schade dem sozialen Gefüge. Und daher kämpfe man für eine Gesellschaft, in der Rassismus keinen Platz hat.

„Es widert mich an, wenn man beim Kindermaskenball mit solchen rassistischen Äußerungen giftet“, macht auch Bürgermeister Andreas Poignée (CDU) keine Mördergrube aus seinem Herzen. Bei einem Angriff auf die Grundrechte dürfe man nicht schweigen. „Wir zeigen deutlich, dass wir das nicht hinnehmen können. Rassismus hat in unserer Mitte keinen Platz.“

Die Gemeinde Limburgerhof sei seit Kriegsende ein gutes Beispiel für Integration. „Limburgerhof wäre in seiner heutigen Form ohne Zuwanderung gar nicht denkbar.“ Daher sei es wichtig, weiter Vielfalt und Toleranz zu fördern, statt Hass und Vorurteile zu schüren. „Die schweigende Mehrheit schweigt nicht mehr.“ Das lassen sich die Menschen auf dem Burgunderplatz nicht zweimal sagen und werden noch mal richtig laut.

Für den TG-Vorsitzenden Bernd Lohe war die Veranstaltung ein Erfolg. Es sei ein guter Anstoß gewesen, wie man künftig mit Alltagsrassismus umgehe. Derweil ziehen die Menschen mit ihren Plakaten langsam wieder von dannen. Die Kundgebung auf dem Burgunderplatz ist offiziell beendet. Aber ihre Botschaft wird noch einige Zeit nachhallen.

Klare Botschaft auf dem Burgunderplatz.
Klare Botschaft auf dem Burgunderplatz.
Die Vereine zeigten Falgge.
Die Vereine zeigten Falgge.
Das Motto der Veranstaltung.
Das Motto der Veranstaltung.
x