Rhein-Pfalz Kreis Das Nordlicht bei den Neuhofener Narren

NEUHOFEN. Ein Präsident nimmt seinen Hut – genauer gesagt, seine Narrenkappe. Hauke Jahn, seit 24 Jahren Chef der Neuhofener Tusnesia, will Platz machen für die nächste Generation. In einer Feierstunde am letzten Dienstag haben seine Mitstreiter dessen langjähriges Wirken gewürdigt und Jahn zum Ehrenpräsidenten ernannt.
„Ich will mit meinem Rückzug nicht warten, bis ich an Krücken gehe“, sagt der 63-Jährige schmunzelnd. Sein Nachfolger Markus Buchmann sei zehn Jahre Abteilungsleiter gewesen, und es sei für ihn an der Zeit, loszulassen und sozusagen das Zepter an die nächste Generation zu übergeben. Man mag nicht recht glauben, dass der agile Ruheständler ohne Wehmut die Bühne verlässt. „Ich bin ja auch nicht ganz weg und will weiter aktiv bleiben. Der Unterschied ist: Früher musste ich, jetzt kann ich“, betont der scheidende Präsident. Dass Hauke Jahn karnevalistischer Frohsinn in die Wiege gelegt wurde, kann man nicht behaupten. Sein Vorname bestätigt die Vermutung, dass der Neuhofener ursprünglich aus Norddeutschland kommt, wo Fasching eher ein Fremdwort ist. Auch an seinem früheren Wohnort Mannheim war er noch nicht in der fünften Jahreszeit aktiv. Nachdem Jahn mit seiner Familie 1978 nach Neuhofen gezogen ist, beteiligte er sich dort schon bald am sportlichen und geselligen Miteinander. Der TuS wurde sein Verein – damals ahnte Jahn wohl noch nicht, dass er diesen ab 2008 leiten würde. Zu Beginn seiner Mitgliedschaft engagierte sich der Wahlneuhofener mit seiner Frau Anke in der damals neu gegründeten Tanzsportabteilung. Doch dabei sollte es nicht bleiben. Als in den späten 1980er Jahren kurzfristig ein Büttenredner ausfiel, hat das Ehepaar Jahn spontan ausgeholfen. „Damit bin ich sozusagen überfallen worden, denn mit Prunksitzungen hatte ich keinerlei Erfahrung.“ Die Gelegenheit, Erfahrung zu sammeln, sollte sich danach reichlich bieten. Nach kurzer Interimspräsidentschaft von Wolfgang Rösl, der zuvor den langjährigen Tusnesenchef Werner Schumacher abgelöst hatte, wurde Jahn 1991 dessen Nachfolger. „Am Anfang war ich schon aufgeregt und hatte mir für die erste Prunksitzung einige Notizen gemacht. Aber ich hatte sehr viel Hilfe von den Kollegen, das hat es für mich einfacher gemacht“, erinnert sich der inzwischen routinierte Fasnachter. Im lokalen Faschingstreiben hat sich in den vergangenen Jahren einiges geändert. Früher haben viele Neuhofener ausgiebig gefeiert, mittlerweile gibt es für Tanzveranstaltungen offenbar keinen Bedarf mehr. Jahn sieht dafür mehrere Gründe. Zum einen gebe es eine Vielzahl von Karneval-Sendungen im Fernsehen, was früher nicht der Fall gewesen sei. Zum anderen habe sich wohl auch die berufliche Anspannung erhöht. „Damals hatten fast alle Leute am Faschingsdienstag nachmittags frei und die Geschäfte waren geschlossen. Das gibt es heute kaum noch.“ Dennoch seien die Aktiven mehr eingespannt als noch vor 20 Jahren – wegen der Vielzahl von Ordensfesten, bei denen sich die Vereine gegenseitig besuchen. Da wird das Faschingsvergnügen fast harte Arbeit, denn der Präsident oder die Elferräte müssen zu knapp 50 Vereinen reisen. Guten Zuspruch bei den Bürgern finden nach wie vor die beiden Prunksitzungen. „Wir registrieren zwar einen leichten Rücklauf. Aber die Neuhofener schätzen es, dass unsere Fasnacht handgemacht ist und ausschließlich von den Vereinsmitgliedern gestemmt wird“, sagt Jahn. Über die Zukunft des Vereins muss er sich keine Sorgen machen, denn rund 45 Jugendliche sind bei der Tusnesia aktiv. „Allerdings sollten wir vielleicht mal eine Männerquote einführen, die Frauen sind hier deutlich in der Überzahl“, scherzt der Fasnachter. Kann der gelernte Bankkaufmann nun ruhigen Zeiten entgegensehen oder treibt es ihn nach wie vor im Vereinsleben um? Darauf hat seine Frau Anke die passende Antwort: „Ich bin mir zwar nicht sicher, dass ich Hauke nun häufiger sehe. Aber ich habe ihn jetzt bei Prunksitzungen an meiner Seite.“ Und der Gatte ergänzt: „Zumindest haben wir uns fest vorgenommen, mehr Kurzreisen zu machen“. Der Vollblutfasnachter wird wohl nicht Knall auf Fall seine Arbeit bei den Tusnesen einstellen, das passt nicht zu ihm. Mal ganz abgesehen davon, dass er auch noch einen „Nebenjob“ als Vorsitzender des Muttervereins TuS hat. Kürzlich ist Jahn in seinem Amt bestätigt worden – und hofft, dass bis zur nächsten Wahl seine Nachfolge geregelt ist.