Rhein-Pfalz Kreis
Das Kreisbad-Dilemma
Die Kreisbäder stecken in einer Krise. Personalmangel und unstete Öffnungszeiten – das führt nicht nur zu Ärger bei den Badnutzern. Glaubt man Hinweisen, ist der Frust unter den Badangestellten groß. Vorwürfe an die Kreisverwaltung werden laut. Die versucht, Lücken zu stopfen, gerät aber immer wieder in die Bredouille.
Am Freitagvormittag ist es mal wieder soweit. Das Symbol mit dem durchgestrichenen Schwimmer prangt auf der Homepage der Kreisverwaltung. Das Kreisbad Heidespaß in Maxdorf ist geschlossen. Für Samstag werden verkürzte Öffnungszeiten angekündigt. Personal ist ausgefallen. Zum Leidwesen der Menschen, die gerne schwimmen gehen. Das Dilemma mit den Bäderschließungen zieht sich schließlich seit Wochen hin. Badnutzer haben deshalb schon heftig protestiert.
Doch nicht nur auf ihrer Seite gibt es Frust. Auch das Bäderpersonal meldet sich zu Wort. Angestellte, die anonym bleiben wollen, sind verärgert über die Kreisverwaltung, die „sehenden Auges“ in diese Situation gerutscht sei: zu wenig Personal, überarbeitetes Personal und – auch als Folge davon – krankes Personal.
Die Personaldecke scheint zu dünn für stabile Öffnungszeiten
„Die Zustände in den Kreisbädern sind seit Jahren bekannt, und es wurde in den letzten Jahren immer wieder davor gewarnt, dass die Bäder auf die jetzige Situation zusteuern“, heißt es im Schreiben eines Schwimmmeisters an die RHEINPFALZ. Insgesamt sei die Personaldecke seit Jahrzehnten so dünn, dass schon geplante Ausfälle wie Urlaub zu Schwierigkeiten führten, die Bäder weiter zu betreiben. Ganz zu schweigen von Krankheiten, Kündigungen oder Schwangerschaften. „Der Zustand, wie er jetzt ist, kommt nicht überraschend. Zurzeit sind nur drei der vier Bäder offen, aber das Personal reicht nur noch für zwei.“
Das sind schlechte Prognosen für stabile Öffnungszeiten. Und dass die Personaldecke dünn ist, streitet bei der Kreisverwaltung auch niemand ab. Aber dass man sehenden Auges in diese Situation geraten sei und nichts getan habe, wollen die Verantwortlichen im Kreishaus nicht auf sich sitzen lassen. Die Kreisverwaltung hält also in einer Stellungnahme dagegen und schreibt, dass sie im vergangenen Jahr insgesamt zehn Ausschreibungen und seit Wochen auch Dauerausschreibungen bei der Arbeitsagentur, auf der Homepage, im Internet, im Kreiskurier, in Amtsblättern und der Presse laufen hatte.
Die Suche nach Schwimmmeistern hat keinen Erfolg
„Leider haben sie bisher keinen großen Erfolg gezeigt, da die Situation auf dem Arbeitsmarkt genau diesen Mangel widerspiegelt.“ Die Zahlen sprechen für die Kreisverwaltung: Deutschlandweit fehlen etwa 2500 Schwimmmeister. Das hat der Bundesverband Deutscher Schwimmmeister vor einigen Wochen öffentlich gemacht – diese Zahlen gingen mehrfach durch die Presse. Deutschlandweit.
Doch zurück in den Rhein-Pfalz-Kreis. Wie sieht die Situation an den Beckenrändern in Römerberg, Maxdorf, Mutterstadt und Schifferstadt aus? „Derzeit sind nur drei der vier Bäder offen, aber das Personal reicht nur noch für zwei.“ Dieser Satz des Schwimmmeisters stimmt immer mal wieder, aber nicht mehr in dem Sinne, wie er ihn aufgeschrieben hat: Das Bad in Römerberg wurde nach der Sanierung inzwischen wiedereröffnet. Eigentlich sind alle vier Kreisbäder in Betrieb. Eigentlich. Denn für die Römerberger Einrichtung haben nur Vereine und Schulen Zutritt. Für reguläre Öffnungszeiten fehlt – keine Überraschung mehr – Personal. Außerdem gab es im renovierten Bad bereits erste technische Probleme.
Richtig scheint, dass die bestehende Mannschaft der Bäderangestellten selbst für drei Bäder noch zu knapp aufgestellt ist. Auch nach den Sommerferien und den heißen Tagen kann der Betrieb in den Einrichtungen nicht konsequent aufrecht erhalten werden. Neben unregelmäßigen Öffnungszeiten ist auch der Service eingeschränkt. So entfallen in den Saunen immer wieder die Aufgüsse.
„Insgesamt arbeiten in unseren Bädern rund 21 Personen als Fachangestellte für Bäderbetriebe. Leider sind wir in den letzen Monaten von mehreren langfristigen Krankheitsfällen im Bäderbereich (zurzeit vier Personen) betroffen gewesen, die natürlich in der stark frequentierten Sommerzeit das vorhandene Personal auffangen musste. Dass dies zu Mehrbelastungen geführt hat, ist uns bewusst, und wir arbeiten umfassend daran.“
Den Badangestellten fehlt Wertschätzung
Ob sich mit diesem Versprechen der Kreisverwaltung verärgerte Badmitarbeiter versöhnen lassen, die angeben „auf dem Zahnfleisch“ zu gehen? Moniert wird von ihrer Seite, dass die Kommunikation zwischen Angestellten und Kreis nicht besonders gut laufe, es ihnen an Wertschätzung fehle, auch weil es kaum Personalgespräche oder Fortbildungsangebote gebe. Und: Ihre Vorgesetzten wechselten zu oft. Sprich: die Referatsleitung, „in den vergangenen zehn Jahren fünf Mal“. Das dementiert die Kreisverwaltung nicht, begründet die Wechsel mit persönlichen Gründen der jeweiligen Personen wie Elternteilzeit oder neue Aufgabenbereiche. „Dass sich die neue Leitung zuerst in ihr Aufgabengebiet einarbeiten muss, liegt logischerweise auf der Hand.“
Dass sie ihre Badmitarbeiter zu wenig wertschätzen und sich auch der Personalrat kaum kümmere, dagegen jedoch verwehren sich die Verantwortlichen im Kreishaus. Es gebe regelmäßige Teilpersonalversammlungen und damit ein Forum zum Dialog. Zudem würden Schulungen angeboten, aber nur spärlich angenommen. Und der Personalrat stehe sehr wohl im ständigen telefonischen und persönlichen Kontakt mit dem Bäderpersonal und arbeite mit der Fachabteilung und dem Personalreferat an Lösungen, auch um die Arbeitsbedingungen zu verbessern.
Dass sich was tut, diesem Versprechen wollen zumindest die Kreis-Grünen glauben, die selbst eine Anfrage zur Bädersituation gestellt haben. Sie zeigt, dass das Thema im Kreis virulent ist, im Kreistag schlägt es allerdings keine großen Wellen. „Die Antworten sind aufschlussreich. Und im persönlichen Gespräch haben wir erfahren, dass die Kreisverwaltung weitere Schritte plant, um die Situation zu verbessern“, sagt Grünen-Fraktionschef Elias Weinacht.
Klingt gut. Aber wie werden diese Schritte aussehen? Auf erneute Nachfrage der RHEINPFALZ gibt’s im Nachgang der Kreistagssitzung konkrete Antworten. Der Pool an Aushilfen soll wieder größer werden. Aushilfen, die geschult sind, etwa von der DLRG. Dieser Pool war geschrumpft, weil auch DLRG-Vereine Nachwuchsprobleme und außerdem andere Verpflichtungen – wie Aufsichten an den Badeseen – haben. Derzeit laufe eine Anfrage bei der Berufsfeuerwehr Ludwigshafen mit der Hoffnung, hier Menschen zu finden, die bereit sind, bei Engpässen in den Kreisbädern einzuspringen. Geplant sei zudem, enger mit den umliegenden Kommunen, die Schwimmbäder haben, zusammenzuarbeiten, um Vertretungskräfte gegenseitig auszutauschen. Gescheitert ist allerdings ein Deal mit Grünstadt. Dort hat das Schwimmbad nach einem Brand geschlossen, die Schwimmmeister haben fast nichts zu tun. Doch im Rhein-Pfalz-Kreis Vertretung machen können sie nicht, weil das Grünstadter Bad privat betrieben wird, die Kreisbäder in öffentlicher Hand sind. Und damit sind sie eine freiwillige Leistung. „Zwei Millionen Euro Personalausgaben haben wir im Jahr nur für die Bäder und diese müssen wir uns immer wieder aufs Neue von der Aufsichtsbehörde genehmigen lassen“, heißt es in der Stellungnahme des Kreises. Nichtsdestotrotz müsse die Bädersituation bei den Personalplanungs- und Haushaltsgesprächen neu besprochen werden. Einstweilen hofft die Kreisverwaltung, dass sich die Situation entspannt, wenn genesene Mitarbeiter demnächst in den Dienst zurückkehren und überarbeitetes Personal erholt aus dem Urlaub kommt. Das Symbol mit dem durchgestrichenen Schwimmer soll nämlich nicht zur Marke der Kreisbäder werden.
Einwurf: In Bewegung bleiben
Die Personalsituation in den Kreisbädern ist angespannt. Da sind sich wohl alle einig – vom Landrat bis zum Schwimmmeister. Nur: Der Schwimmmeister steht am Beckenrand und verärgerten Gästen gegenüber, wenn eben ein Bad mal schließen muss. Oder der Service eingeschränkt wird. Kein Aufguss in der Sauna. Viel Aufregung. Und schließlich Aufwasch mit der Kreisverwaltung. Der Frust braucht ein Ventil. Reaktion. Gegenreaktion. Vorwurf und Verteidigung. Die Badmitarbeiter bleiben anonym. Die Verantwortlichen im Kreishaus erklären sich gemeinsam. Keiner geht richtig aus der Deckung. Aber es ist Bewegung in der Sache. Und Bewegung löst bekanntlich Spannungen.
Zur Sache: Sicherheit am Becken
Worüber sich alle einig sind – Politiker, Kreisverwaltung und Bäderpersonal: Die Sicherheit der Badegäste muss stets gewährleistet sein. Der Kreis als Betreiber der Bäder richtet sich dabei nach der Richtlinie für „Verkehrssicherungs- und Aufsichtspflicht in öffentlichen Bädern während des Badebetriebs“ der Deutschen Gesellschaft für das Bäderwesen. Diese Richtlinie sieht vor, dass mindestens zwei Fachkräfte am Beckenrand stehen müssen. Das ist eng bemessen. Gerade wenn es im Sommer sehr voll ist, ist es für zwei Schwimmmeister nicht einfach, den Überblick zu behalten. Die Badangestellten geben zudem zu bedenken, dass es immer wieder Vorfälle gibt, wegen derer sie nicht am Becken sein können. So kann es Probleme mit Kassenautomaten oder Spinden geben.
Die Kreisverwaltung geht nach eigener Aussage im Zweifelsfall lieber auf Nummer sicher, schließt ein Bad oder verkürzt die Öffnungszeiten.btw