Rhein-Pfalz Kreis „Das ist Terror!“

Solche Hupen haben den Schifferstadtern den Schlaf geraubt.
Solche Hupen haben den Schifferstadtern den Schlaf geraubt.

«Schifferstadt.» Die Deutsche Bahn setzt derzeit die Gleise im Stadtgebiet Schifferstadt instand. Die erforderlichen Arbeiten können nach Angaben des Unternehmens nur nachts vorgenommen werden. Allerdings kommen dabei sehr laute Warnsignale zum Einsatz, die weithin hörbar sind – und viele Schifferstadter um die Nachtruhe bringen.

Die Bahn habe zwar mit einem Schreiben angekündigt, dass es Arbeiten geben wird und diese gerade nachts auch als nervend empfunden werden könnten, sagt Jürgen Engelhardt. „Aber das, was hier seit Ende Mai passiert, ist nicht nur nervig, das ist Terror! Die reinste Folter“, schildert der geplagte Mann am Telefon sein Leid – im Hintergrund ertönt just in diesem Moment deutlich hörbar eins der peinigend lauten Hupsignale. Er habe durchaus Verständnis dafür, dass es auch mal Arbeiten gibt, die ausschließlich nachts erledigt werden können. „Ich sage ja gar nichts, wenn da mal zwei, drei Stunden eine Stopfmaschine läuft und der Motor dröhnt“, erklärt er. Das sei dann eben so und gehe vorbei. Aber alle paar Minuten die extrem lauten Sirenen oder Hupen, das sei unerträglich. „Die gehen jedes Mal los, wenn sich ein Zug nähert, also jede Stunde viermal. Und die Bahn hat nicht nur eins dieser Geräte aufgestellt, sondern mehrere, die dann natürlich der Reihe nach die Arbeiter entlang der Strecke warnen“, beschreibt er die unerträgliche Situation, die noch bis zum 17. Juli dauern werde. Einzig zwischen Mitternacht und vier Uhr herrsche Ruhe, weil dann keine Züge fahren. „Wenn Sie dann bei der Hitze zurzeit vielleicht gerade mal endlich eingeschlafen sind, da stehen Sie um 4 Uhr plötzlich senkrecht im Bett, wenn die Warnsignale wieder losgehen“, erzählt Engelhardt. Vor allem im Hinblick auf den heutigen Stand der Technik ist er überzeugt, dass sich da eine andere Lösung finden lassen sollte – auch wenn die für die Bahn unter Umständen etwas mehr Aufwand bedeutet. Engelhardt ist bei Weitem nicht der Einzige, der seit dem Beginn der Arbeiten am 27. Mai kaum mehr ein Auge zubekommt. Es haben sich noch mehr Schifferstadter bei der RHEINPFALZ gemeldet und von der nerven- und schlafraubenden Lärmbelästigung berichtet. „Mein Mann bekommt noch einen Nervenzusammenbruch. Er kann nicht mehr schlafen und muss jeden Tag zur Arbeit fahren, wo es viel zu tun gibt“, erzählt eine Frau, die in der Nähe der Bahngleise wohnt, ihren Namen aber nicht in der Zeitung veröffentlicht haben möchte. Die Polizei könne bei dem Problem selbstredend nicht weiterhelfen und verweise auf die Stadtverwaltung, die der Bahn diese Arbeiten ja genehmigt haben müsste. „Doch als wir bei der Stadt nachfragten, wussten die davon auf Anhieb gar nichts“, sagt die Frau frustriert. Dennoch scheint sich das Problem schnell auch bis zu den verantwortlichen im Schifferstadter Rathaus herumgesprochen zu haben. Zumindest hat die Stadtverwaltung nun mitgeteilt, dass die nächtlichen Arbeiten zur Instandsetzung der Gleise unverzichtbar seien. Denn sonst sei ein störungsfreier, pünktlicher Zugverkehr nach Angaben der Bahn nicht mehr möglich. Doch in Abstimmung mit dem Unternehmen sei ein Kompromiss gefunden worden. Demnach soll nun von Mitternacht bis 6 Uhr morgens auf das störende, weithin wahrnehmbare Warnsignale verzichtet werden. Das empfindet die Anwohnerin von vorhin zwar noch immer als belastend, besonders an verlängerten Wochenenden. „Aber der Kompromiss ist in Ordnung, damit lässt es sich besser aushalten und irgendwie überstehen“, sagt sie. Einen Tod müsse man halt sterben.

Gleisarbeiten zwischen Schifferstadt und Limburgerhof: Wenn sich ein Zug nähert, gehen die Lichter an und ein sehr lautes Signal
Gleisarbeiten zwischen Schifferstadt und Limburgerhof: Wenn sich ein Zug nähert, gehen die Lichter an und ein sehr lautes Signal ertönt.
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