Lambsheim RHEINPFALZ Plus Artikel Das ist das Geheimnis hinter diesem freigelegten Stollen

Was ist das denn? Bauarbeiter haben in Lambsheim dieses merkwürdige Bauwerk freigelegt.
Was ist das denn? Bauarbeiter haben in Lambsheim dieses merkwürdige Bauwerk freigelegt.

Bei den Baggerarbeiten für die Umgestaltung der Bahnhofstraße in Lambsheim ist kürzlich ein stollenartiges altes Bauwerk freigelegt worden. Ein Teil eines Geheimgangs, könnte man vermuten. Doch des Rätsels Lösung ist eine ganz andere.

Dass es in Lambsheim einst unterirdische Gänge gab, sorgt immer wieder für Gesprächsstoff und Inspiration bei Heimatkundlern und Mittelalterfreaks. Tatsächlich gab es wohl einst eine geheime Verbindung zwischen dem Meckenheim’schen Schloss, wo heute Schlosskindergarten und Schlosskeller untergebracht sind, und der alten Stadtmauer. Darauf weisen verschlossene Zugänge in eben jenem Keller hin.

Daran dachte vielleicht so mancher, der kürzlich die Bauarbeiten in der Bahnhofstraße verfolgte. Seit Oktober wird sie etappenweise neu gestaltet. Gegenwärtig ist der Teil zwischen Stadtgrabenstraße und Bahnhof gesperrt. Dort, vor dem Bahnübergang, wurde bei den Baggerarbeiten ein aus sauber gemeißelten Sandsteinen errichteter, oben abgerundeter Stollen freigelegt. Ein Teil davon fehlte bereits. Doch Platz für einen Menschen hätte dieser wohl nicht geboten. Um was also handelte es sich?

30 Durchlässe auf der Strecke

Ein Blick auf den Katasterplan von 1837 auf der Homepage der Lambsheimer Heimatfreunde und in deren Schrift „125 Jahre Eisenbahn Frankenthal-Freinsheim“ gibt Aufschluss: Bis zum Bau der Bahn ab 1876 verlief dort der äußere Stadtgraben, der durch einen kleinen Kanal mit Wasser gespeist wurde, der wiederum am Kesserbach abzweigte. Westlich davon lagen Felder, östlich Garten- und Rebpflanzungen auf dem Streifen zwischen den Gräben.

Damit die Gleise den äußeren Graben trocken überqueren konnten, war ein Durchlass erforderlich. 30 solcher Durchlässe und kleiner Brücken baute die Bahnverwaltung der Pfälzischen Eisenbahnen seinerzeit auf der gesamten Strecke. Sie waren allesamt solide ausgeführt und mit Sandstein ausgemauert. Da der hiesige Durchlass sowohl zwei Gleise als auch die neue Zufuhrstraße aus Richtung Mühltor, die spätere Bahnhofstraße, unterqueren musste, erreichte er eine Länge von etwa 20 Metern.

Endgültig zugeschüttet

Der äußere Stadtgraben wurde nach dem Ersten Weltkrieg zugeschüttet. Er war Teil des doppelten Grabensystems, das seit Ausgang des Mittelalters der Sicherung der Stadtmauer und der damaligen Stadt Lambsheim diente. Die heutige Stadtgrabenstraße wurde erst in den 1920er-Jahren errichtet und folgt dem Verlauf des einstigen Grabens. Durch die Bebauung beidseits der Bahn und die Anlage der Kanalisation verschwand der Durchlass mit der Zeit gänzlich unter der Erde. Nun ist er kurz wieder aufgetaucht, wurde aber mit Beton verschlossen und dann wohl endgültig zugeschüttet.

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