lambsheim / Hessheim RHEINPFALZ Plus Artikel Darum informiert die Verbandsgemeinde über Corona-Fallzahlen für jeden einzelnen Ort

Wer positiv auf das neue Coronavirus getestet wurde, geht in die offizielle Fallstatistik ein.
Wer positiv auf das neue Coronavirus getestet wurde, geht in die offizielle Fallstatistik ein.

In der Verbandsgemeinde Lambsheim-Heßheim gab und gibt es seit Ausbruch der Coronavirus-Pandemie 26 Fälle von bestätigten Infektionen. Mit Erscheinen des Amtsblatts, also einmal wöchentlich, informiert die Verwaltung ihre Bürger über die Fall- und Quarantänezahlen in den sechs Dörfern. Und bietet damit weit mehr, als die Verwaltung des Rhein-Pfalz-Kreises bereit ist zu veröffentlichen.

Welche über die reinen Fallzahlen hinausgehenden Informationen über die epidemiologische Entwicklung im Land an die Öffentlichkeit gegeben werden, ist von Gesundheitsamt zu Gesundheitsamt unterschiedlich. In den Landkreisen Germersheim und Bad Dürkheim beispielsweise wird täglich auch die Anzahl der von der Krankheit Covid-19 Genesenen genannt, und die Kreispressestellen schicken täglich eine E-Mail an die Medien mit dem aktuellen Stand.

Sofern von neuen Todesfällen berichtet wird, liefern die Pressereferenten auch ein paar erklärende Sätze, zum Beispiel: „Eine über 80-jährige Person verstarb im Evangelischen Krankenhaus Bad Dürkheim.“ Oder: „Die verstorbene Person litt bereits vor der Infektion unter schwersten Vorerkrankungen.“

Im Rhein-Pfalz-Kreis werden die Medien nicht aktiv informiert, sondern sie müssen sich mit dem täglichen Blick auf die Homepage der Kreisverwaltung auf dem Laufenden halten. Zu den Todesfällen gibt es nur teilweise nähere Erläuterungen. Die Zahl derjenigen, die als geheilt betrachtet werden, wird nicht genannt, weil sie „nicht einfach zu ermitteln“ und „nicht genau darzustellen“ sei, heißt es aus dem Kreishaus. Jedoch: Auf der Seite des Landesgesundheitsministeriums kann man diese Zahl finden.

Infizierte sollen nicht stigmatisiert werden

Sparsam gehen alle drei Kreisverwaltungen mit der Aufschlüsselung der Fallzahlen nach Kommunen um. Das beim Rhein-Pfalz-Kreis angesiedelte Gesundheitsamt etwa gibt sie nur für den Kreis und die kreisfreien Städte Ludwigshafen, Frankenthal und Speyer an, nicht aber für Verbandsgemeinden oder größere Kommunen wie Schifferstadt oder Mutterstadt. Der Grund laut Gesundheitsamtsleiter Alexander Weber: Man wolle die Menschen nicht weiter beunruhigen, wolle Spekulationen und der Stigmatisierung von Infizierten vorbeugen.

Michael Reith (SPD), Bürgermeister der Verbandsgemeinde Lambsheim-Heßheim, kann dieses Argument nicht nachvollziehen. Er berichtet von Bürgern und Ortsbürgermeistern, die sich bereits am Anfang der Pandemie im Rhein-Pfalz-Kreis nähere Informationen zur Entwicklung innerhalb der Verbandsgemeinde gewünscht hätten.

Deshalb halte er es „für wichtig und auch richtig“ sowie datenschutzrechtlich in Ordnung, dass die aktualisierten Zahlen, welche die VG-Verwaltung vom Kreis bekommt, den Bürgern zur Verfügung gestellt werden. Reith geht sogar so weit, sie für jede Ortsgemeinde einzeln zu nennen. Beispiel: In Lambsheim sind bislang (Stand Dienstagmittag) zehn Personen positiv getestet worden, und in der Folge, weil sie als Kontaktpersonen gelten, wurden 14 Menschen in Quarantäne geschickt.

Bobenheim-Roxheim bleibt auf Kreislinie

Solche Mitteilungen bekommen alle Kommunalverwaltungen im Kreis, weil sie es sind, die den Kontaktpersonen die Quarantäneverfügungen zustellen müssen. Aber offenbar gibt nur die VG Lambsheim-Heßheim die (reinen) Zahlen an die Öffentlichkeit weiter. Auf Nachfrage im Bobenheim-Roxheimer Rathaus teilte der Gemeindevorstand mit, man halte sich vorsichtshalber lieber an die Linie des Landkreises.

Bürgermeister Reith hingegen ist es wichtig, den Bürgern genauere Informationen zur Ausbreitung des Coronavirus in ihrem näheren Umfeld zu geben. „Anhand dieser Zahlen sieht man, dass es nur vereinzelte Fälle sind“, so Reith. So könnten den Menschen Ängste genommen und Zuversicht gegeben werden. „Die Ungewissheit würde die Bürgerinnen und Bürger noch mehr belasten.“

Kreis: Bis dato kein Pflegeheim betroffen

Und noch eine andere Information, an der Einwohner und Kommunalpolitiker ein berechtigtes Interesse haben dürften, gibt der Bürgermeister weiter: „Bis dato gibt es in keiner unserer zwei Senioreneinrichtungen einen positiv getesteten Fall und auch keinen Verdachtsfall.“ Auf RHEINPFALZ-Anfrage teilt die Kreisverwaltung mit, dass bislang auch alle anderen Pflegeheime verschont geblieben seien.

Reith schließt sich der Sichtweise an, dass die seit dem Pandemieausbruch aufgelaufenen Fallzahlen immer in Bezug zu den wieder gesund gewordenen Patienten gesetzt werden sollten, so wie es auch bundesweit gemacht wird. Weil er die Relation in Kreis und VG aber nicht kennt, schließen seine Mitteilungen nur mit dem Hinweis, dass es durchaus Genesene gibt und dass im Verdachtsfall die Quarantänezeit ohne Ausbruch der Krankheit zu Ende gehen kann.

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