Dannstadt-Schauernheim
Dannstadt-Ost: Keine Kalte Nahwärme fürs Gewerbegebiet
Bei Kalter Nahwärme wird die Energie für Heizung und Warmwasser im Winter mittels Sonden aus dem Erdreich gewonnen und über ein Ringleitungsnetz sowie Wärmepumpen in den angeschlossenen Häusern nutzbar. Im Sommer kann das System umgekehrt und somit zum Kühlen der Haushalte verwendet werden. Diese Technologie gilt als umweltfreundlich, da sie emissionsfrei ist und auf einer erneuerbaren Energiequelle basiert. Die Grünen-Fraktion brachte sie ins Spiel, da der Bebauungsplan für die Erweiterung des Gewerbegebiets den Klimaschutzzielen des Landes nicht gerecht werde.
„Vor vier Jahren hätten wir das noch beraten können, nachträglich ist das aber nicht umsetzbar“, kommentiert Marc Hauck (FDP) den Grünen-Vorschlag. Denn die Gemeinde sei gegenüber den Eigentümern der inzwischen verkauften Gewerbegrundstücke vertraglich gebunden. Verstoße sie gegen Vereinbarungen, riskiere sie Konventionalstrafen und gefährde damit den Erfolg des Gewerbegebiets.
Studie dauert und kostet
Ortsbürgermeisterin Manuela Winkelmann (CDU) weist darauf hin, dass der erste Erweiterungsabschnitt bereits erschlossen ist und derselbe Bebauungsplan auch für den zweiten Abschnitt gilt. Vielleicht könnten aber die vorhandenen Gasleitungen in einigen Jahren für die Versorgung mit Wasserstoff umgenutzt werden. Das wiederum bezweifelt Ralf Klein (Grüne): „Das wird nicht funktionieren.“ Denn das bisschen Wasserstoff bekomme die Schwerindustrie.
Annette Roos-Seidenspinner, Bauabteilungsleiterin der Verbandsgemeinde Dannstadt-Schauernheim, hebt hervor, dass viele der neuen Gewerbegrundstücke schon verkauft sind. „Die Eigentümer können wir nicht im Nachhinein zu Kalter Nahwärme verpflichten“, sagt sie. Auch könne die Kommune den seit 2006 gültigen Bebauungsplan nicht hinterher ändern. Selbst wenn es möglich wäre, wäre es zum jetzigen Zeitpunkt kaum sinnvoll. Denn die Machbarkeitsstudie für Kalte Nahwärme im geplanten Neubaugebiet „Zwischen Böhler Straße und Hauptstraße“ koste etwa 75.000 Euro und dauere fünf Monate. In einem solchen Zeitraum würden weitere Gewerbegrundstücke verkauft, die dann ebenfalls nicht mehr für diese Art der Wärmeversorgung infrage kämen. „Das ginge alles allenfalls freiwillig“, erklärt sie.
Betreiber ansprechen
„Die Idee ist gut, aber nicht realisierbar“, sagt Uwe Schölles (SPD) über den Grünen-Antrag. Doch sobald die Verträge mit den Firmen, die sich in Dannstadt-Ost ansiedeln möchten, unterschrieben sind, hält er eine andere Vorgehensweise für denkbar: Die Gemeinde könnte einen Betreiber Kalter Nahwärme-Netze, zum Beispiel die Stadtwerke Schifferstadt, ansprechen, damit dieser bei den Betrieben mal nachfragt, ob sie Interesse hätten, und gegebenenfalls prüft, was in Dannstadt-Ost bezüglich Kalter Nahwärme möglich ist und ihnen ein Angebot macht.
Für Elmar Burkhardt (CDU) ist die Industrie der Politik weit voraus. Innovative Unternehmen würden von sich aus schon viel mehr in Sachen Klimaschutz tun, als es gesetzliche Vorgaben fordern. Sie zu Kalter Nahwärme zu verpflichten, könnte solche Firmen eher abschrecken als anlocken, befürchtet er. Am Ende scheitern die Grünen mit ihrem Antrag. Die Ratsmehrheit lehnt eine Machbarkeitsstudie zu Kalter Nahwärme in Dannstadt-Ost ab.