Dannstadt-Schauernheim RHEINPFALZ Plus Artikel Dannstadt-Ost: Erschließungsstraße auf dem Prüfstand

Luftaufnahme: Das Pappelwäldchen (rot umrandet) sollte nie gefällt werden, die angrenzende Waldfläche hingegen schon.
Luftaufnahme: Das Pappelwäldchen (rot umrandet) sollte nie gefällt werden, die angrenzende Waldfläche hingegen schon.

Die fürs Frühjahr geplanten Bauarbeiten zum Erweitern des Gewerbegebiets pausieren mindestens bis August. Ob sie jemals starten dürfen, hängt von neuen Umweltgutachten ab, die das Land fordert. Auslöser ist die Debatte um ein Pappelwäldchen.

Der erste Bauabschnitt für die Erweiterung des Gewerbegebiets Dannstadt-Ost ist bereits erschlossen. Er reicht von der Straße Am Bocke bis zur Angelstraße. Der zweite Bauabschnitt sollte nun zügig folgen, er erstreckt sich von der Angelstraße bis zur L454 beim Münchhof. Die Erschließungsstraße soll außerdem als attraktive Alternative die Hauptstraße vom Verkehr entlasten. Damit der fehlende Teil möglichst bald gebaut werden kann, beauftragte der Ortsgemeinderat mehrheitlich am 7. Dezember vorbereitende Fäll- und Rückschnittarbeiten beim Pappelwäldchen. Davon betroffen wäre die an dieses angrenzende Waldfläche. Sie hätte der Trasse der Erschließungsstraße weichen sollen. „Das Pappelwäldchen hingegen sollte schon immer erhalten bleiben“, stellt Ortsbürgermeisterin Manuela Winkelmann (CDU) klar.

Die Grünen-Fraktion sah in dem Vorhaben „einen unglaublichen Raubbau“ und stimmte als einzige gegen die Fällarbeiten. Die schienen aber zunächst rechtens, hatte die Kommune doch einen gültigen Bebauungsplan, in dem die Umweltschutzbelange berücksichtigt waren.

Außerparlamentarischer Widerstand erfolgreich

Grünen-Politiker Ralf Klein gab nach der Abstimmungsniederlage im Rat aber nicht auf. Noch im Dezember gründete er mit einigen Mitstreitern die Aktionsgemeinschaft (AG) Pappelwäldchen. Die informierte im Januar interessierte Bürger über die Trassenführung und warb um Unterstützung gegen den kritisierten „Kahlschlag“. Zudem wandten sich die Naturfreunde an das Landesumweltministerium.

Und die Behörde hat erhebliche Bedenken. Sie bemängelt, dass die Umweltbelange für den Bebauungsplan, der 2008 rechtskräftig wurde, anhand des Beitrags „Landschaftsplanung in der Bauleitplanung“ von 2003 abgearbeitet wurden, ihr dieser aber nicht vollständig vorliege. Aus dem Beitrag werde im Umweltbericht nur zitiert. Zudem nenne der Bericht zwar das Pappelwäldchen als schützenswertes Biotop und erwähne, dass es erhalten werde. Aber die daran angrenzende, etwa einen Hektar umfassende Waldfläche, die vollständig gerodet werden soll, werde darin nicht erwähnt. Deswegen habe das Ministerium die Struktur- und Genehmigungsdirektion Süd gebeten, sich die Situation vor Ort anzuschauen. Deren Einschätzung: Bei der Waldfläche handelt es sich um einen naturschutzfachlich wertvollen Laubwaldbestand.

Neubewertung unerlässlich

Weiterer Kritikpunkt: Die Artenschutzkartierung sei „mindestens 19 Jahre alt und somit völlig veraltet“. Deshalb müsse ein neues Gutachten angefertigt werden. Andernfalls könnten die Rodungs- und Erschließungsarbeiten gegen das Bundesnaturschutzgesetz verstoßen. Darüber hinaus sei eine Umwandlungsgenehmigung vom Forstamt Rheinauen nötig.

Am 7. Februar informierte Ortschefin Winkelmann den Rat über diese unerwartete Entwicklung. Das neue Artenschutzgutachten werde wohl von April bis August erstellt, bis dahin werde sich die weitere Erschließung der geplanten Gewerbeflächen mindestens verschieben. Ein Angebot einer Firma liegt vor, mindestens ein zusätzliches soll die Gemeinde noch einholen und das Gutachten dann an den günstigsten Bieter vergeben.

Umweltschützer übergeben Unterschriftenliste

Dass die Kommune erst auf Druck übergeordneter Behörden beim Natur- und Artenschutz noch einmal näher hinschaue, „ist ein ökologisches Armutszeugnis“, fand Klein. Bemerkenswert sei auch, dass Hinweise namhafter Naturschutzverbände auf naturschutzfachliche Mängel in den Unterlagen nicht erwähnt wurden und nur von einer Verschiebung die Rede sei, nicht aber von einem möglichen Baustopp. Am Donnerstag überreichte die AG Pappelwäldchen Winkelmann eine Liste mit 216 Unterschriften. Deren Unterzeichner fordern den Erhalt der Waldfläche, 58 Prozent davon stammen aus Dannstadt-Schauernheim.

Die Ortsbürgermeisterin bedauert „die Bestrebungen, den Bau der Entlastungsstraße an dieser Stelle zu verhindern“. Zumal viele Bürger das Projekt unterstützten. Solange sie nicht gebaut werde, „gibt es keine ernsthafte Verkehrsentlastung für den Ort, insbesondere keine vom Schwerlastverkehr“, erklärt sie in einer gemeinsamen Stellungnahme mit Bürgermeister Stefan Veth (CDU). Neben der neuen Artenschutzbestimmung müsse das Biotop neu kartiert und geklärt werden, welche Fläche als Wald zählt. Es sei wieder Geduld gefragt: „Erst wenn alle Genehmigungen vorliegen, können die Bauarbeiten beginnen.“

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