Rhein-Pfalz Kreis
Damit Bello nicht im Tierheim landet
Flauschiges Fell, feuchte Nasen und treue Kulleraugen. Der Hund gilt nicht umsonst als der beste Freund des Menschen. Doch wer sich einen anschafft sollte das nicht unüberlegt tun. Hundeexperten reden Klartext über Zeit- und Geldaufwand, über die Tücken bei der Anschaffung, aber auch über Freude, die ein Hund schenken kann.
Ludwigshafen. Hunde gehören zu den beliebtesten Haustieren der Deutschen und sind aus vielen Haushalten nicht mehr wegzudenken. Bei all der Freude und Kameradschaft sollte ein Hund nicht leichtfertig angeschafft werden, denn leider werden immer wieder Hunde in Tierheimen abgegeben oder ausgesetzt . Im Tierheim Ludwigshafen zum Beispiel werden im Schnitt 20 bis 30 Hunde pro Jahr abgegeben, weiß Panja Bergmann vom Tierheim. Einer der häufigsten Ursachen ist, dass die Halter nicht mehr mit den Tieren zu Recht kommen. Manchmal sind es finanzielle Gründe, Probleme mit dem Kind oder Baby oder dass die Besitzer umziehen.
Damit der Hund dieses Schicksal nicht erleidet, sollten ein paar Grundregeln beachtet werden. „Ein Hund ist im Prinzip wie ein Kind – er braucht Zeit, Liebe und ganz schön viel Verantwortung“, sagt Anne-Marie Pilz. Sie ist Übungsleiterin der Welpen- und Gruppenstunde beim Hundeverein in Schifferstadt und Hundeexpertin. Das Wichtigste sei, dass dem künftigen Hundebesitzer klar ist, welche Verantwortung er hat. Fragen wie: Wo kommt der Hund im Urlaub hin? Oder: Wer kümmert sich um das Tier, wenn ich ins Krankenhaus muss? müssen im Vorhinein geklärt sein.
Unbedingt die Kosten checken
Auch das Finanzielle unterschätzten viele. Neben anfänglichen Anschaffungs- und Futterkosten kommen die jährliche Hundesteuer und Arztrechnungen dazu. Mit einem festen Einkommen sei das aber kein Problem, stellt die Hundeexpertin fest. Die Höhe der Kosten hängt von vielen Faktoren ab: Rassehunde kosten in der Anschaffung (ab etwa 500 Euro aufwärts) mehr als ein Hund aus dem Tierheim. Auch die Hundesteuer schwankt von Kommune zu Kommune: In Ludwigshafen zum Beispiel kostet der erste Hund 105, der zweite 132 Euro im Jahr. In Mutterstadt hingegen schlägt der erste mit 42, der zweite mit 84 Euro pro Jahr zu Buche. Für als gefährlich eingestufte Hunde wird ein Vielfaches mehr verlangt.
Genauso unterschiedlich können die Ausgaben für die Ausstattung, Futter und notwendigsten Impfungen sowie Tierarztrechnungen sein. Größe und Rasse seien dabei ausschlaggebend. Und: „Für die einen ist es nur ein Hund, für die anderen ist das Tier eine Art Kinderersatz“, weiß Andreas Langohr, Vorsitzender vom Verein für Hundefreunde Limburgerhof. Für die erste Grundausstattung wie eine Leine und eine Decke müssen nicht mehr als 50 Euro kalkuliert werden.
Ein weiteres Thema sei die richtige Rasse. „Dabei kommt es auf die Intentionen der Besitzer an“, meint Anne-Marie Pilz. So sei ein Golden-Retriever zwar der ideale Familienhund, wer aber etwas Kleineres oder Agileres sucht, sollte sich die Anschaffung eines Terriers überlegen. „Terrier sind aber auch sehr sture Tiere – das macht die Erziehung spannend“, sagt sie. Bei Rassehunden empfiehlt die Expertin: nur Seriöse Züchter kontaktieren und die Krankheiten der Rassen prüfen. Jede Rasse habe nämlich ihre eigenen „Problemzonen“.
Züchter oder Tierheim?
Andreas Langohr empfiehlt: „Der Züchter sollte Mitglied im Verband für das Deutsche Hundewesen beziehungsweise dem FCI (Fédération Cynologique Internationale) angehören, und sich somit an gewisse Richtlinien halten“. Weitere Informationen bekommt man beim jeweiligen Rassezuchtverband, der auch Züchterlisten führt. Langohr warnt aber auch: „Garantien gibt es nicht.“ Beim Kauf des Welpen sollte darum auch das eigene Bauchgefühl entscheiden. Er zum Beispiel achte bei einem Welpen darauf, „wie sich das Tier mit anderen zeigt, wie also sein Charakter, sein Wesen und sein Bewegungsablauf ist“.
Persönlich rät der Hundeexperte dazu, einen Welpen vom Züchter zu kaufen. Doch wer möchte, kann sich auch einen Hund aus dem Tierheim oder einen ehemaligen Straßenhund anschaffen. Dabei sollte laut Anne-Marie Pilz darauf geachtet werden, dass der Hund gechipt und geimpft wurde. Auch hier gilt: „Den Hund auf jeden Fall vorher ansehen, um sicher zu gehen, dass er physisch und psychisch gesund ist.“ Ob Rasse- oder Straßenhund, der Satz „Der ist aber goldig“, sei in jedem Fall der falsche Ansatz, einen Hund zu kaufen. Denn: „Oft wählt der Hund den Besitzer – nicht anders herum“, weiß sie aus Erfahrung.
Und noch eines: „Ein Hund ist kein Kindergeschenk. Manche Rassen harmonieren zwar sehr gut mit Kindern, doch der Hundebesitzer sollte immer ein Erwachsener sein“, erklärt Anne-Marie Pilz. Denn Hunde seien von Natur aus darauf ausgerichtet, sich in ihrem Rudel einer gewissen Rangordnung zu unterziehen. Ein Kind könne den Hund zwar erziehen – den Part des Rudelführers könne es aber nicht übernehmen. „Schließlich ist das Kind den Eltern auch in gewisser Weise untergeordnet“, erklärt sie.
Viel Zeit für Welpen
Dann wäre da noch der Zeitaufwand. „Der Welpe ist Teil der Familie, er ist immer auf sie angewiesen, darum braucht er den ganzen Tag Aufmerksamkeit. Am Anfang etwas mehr, bis er sich an dem Rhythmus in der Familie gewöhnt hat. Später wird es etwas weniger“, sagt Andreas Langohr. Man sollte schon viel Zeit für das neue Familienmitglied aufbringen, ihn in alle Situationen integrieren und vor allem nicht wegsperren. „Der Rest kommt von alleine“, sagt er. Für die Erziehung des Tiers sollte seiner Meinung nach unbedingt in eine Hundeschule in einem Verein besucht werden.
Anne-Marie Pilz empfiehlt von Anfang an eine strikte und konsequente Erziehung. „Auch die Auslastung ist entscheidend. Selbst kleine Hunde brauchen da viel Zeit“, sagt sie. Zum Glück sei das Angebot im Hundesport mittlerweile sehr vielfältig. Sie selbst trainiert in ihren Gruppenstunden im Hundeverein Schifferstadt wöchentlich mit den Tieren Sportarten wie „Agility“, also Ausdauer und Hürdenlauf. Dabei könnten sich die Hunde nicht nur austoben, sondern auch Kontakt zu anderen Tieren aufnehmen und soziales Verhalten erlernen. „Und die Besitzer können sich dabei auch ein wenig beschnuppern“, sagt sie und muss lachen. So ein Hund sei nämlich etwas durchaus Verbindendes – eben wie ein Kind, ein kleines Familienmitglied.