Mutterstadt
CVJM-Posaunenchor: Jubiläumsfeier mit Nachwuchssorgen
„Der Name repräsentiert nicht gerade den Durchschnitt des Vereins“, räumt Udo Klotz (69), stellvertretender Vorsitzender und Schriftführer des CVJM Mutterstadt, ein und lacht. „Jung geblieben“ sei hingegen korrekt, ergänzt der Vorsitzende Wilhelm Haberern (74) schmunzelnd. Immerhin liege der Altersdurchschnitt bei 60,7 Jahren, womit er nicht gerechnet habe. Im Vorstand des 31 Mitglieder starken Vereins ist außerdem Klaus-Dieter Panse in der Funktion des Kassenwarts.
Mit der Bildung eines Jungmännerkreises und eines Posaunenchors im Juni 1948 in der Wohnung von Klaus Klotz, dem Vater von Udo, wurde die Basis dafür geschaffen, dass sich die Mutterstadter Ortsgruppe der weltumfassenden christlichen Jungmänner-Vereinigung konstituieren konnte. Klotz und Friedrich Nothnagel waren die Gründungsmitglieder und leisteten die wesentliche Aufbauarbeit in der Nachkriegszeit. Die inzwischen erfolgte Namensänderung in „Christlicher Verein Junger Menschen“ wurde hier 1969 formell durch die Erarbeitung einer Satzung und die Anmeldung beim Amtsgericht als eingetragener Verein unterstützt.
Jugendarbeit eingestellt
Vereinsaktivitäten wurden in verschiedenen Gruppen wie Jungschar, Jungenschaft, Jungmännerkreis und Posaunenchor entwickelt. Rund 20 Jahre nach der Gründung kam es allerdings zu Spannungen innerhalb der Gruppe. Zudem war das Interesse am Verein rückläufig. 1968 verließ ein Großteil der jungen Männer den Verein und betrieb fortan mit jungen Damen der evangelischen Jugend in einem gemischten Kreis Gemeindearbeit. Erlöse von Altwarensammlungen und von bunten Abenden, bei denen unter anderem Joy Flemming, Hanne Haller oder Manfred Mann auftraten, flossen wohltätigen Zwecken zu.
Anfang der 1980er-Jahre musste die Jugendarbeit eingestellt werden. Fortan konzentrierte man sich beim CVJM auf den Posaunenchor. Dieser besteht derzeit aus acht Bläsern (ein Tubist, zwei Posaunisten, zwei Flügelhornisten und vier Trompeter) inklusive des Dirigenten Eckard Gehrke. Er ist der dritte Chorleiter seit Gründung des Vereins.
Fünf Vorsitzende habe es gegeben, seitdem der Verein ins Leben gerufen wurde. „Das zeugt von Kontinuität und trug zur Stabilisierung der Aktivitäten bei“, sagt Haberern. Mit Stolz erzählt er, dass einige der Musiker Weltrekordhalter seien, da sie 2008 Teil der vom Evangelischen Posaunendienst in Deutschland organisierten bislang größten Blechkapelle mit knapp 15.800 Bläsern waren. Die Bläser spielten bei ihrem Weltrekord in Leipzig eine Messe. Stolz zeigt Haberern auf das gerahmte Zertifikat des Guinness-Buchs der Rekorde. Was ihn ebenso freut ist, dass Posaunenchöre 2016 von der deutschen Unesco-Kommission als immaterielles Kulturerbe anerkannt wurden.
Überalterung spürbar
Man spiele nicht nur zu besonderen, sondern auch zu „normalen“ Gottesdiensten auf, sagt der Vorsitzende. Pfarrer Heiko Schipper sehe das Ensemble als „Bereicherung der Gottesdienste“, berichtet Udo Klotz über eine Aussage des Geistlichen. Vor Corona war der Posaunenchor neben kirchlichen Anlässen auch bei Veranstaltungen der Gemeinde wie zum Beispiel zur Gestaltung der Gedenkfeier zum Volkstrauertag auf dem Neuen Friedhof aktiv. Circa 20-mal im Jahr wurde mit einem Repertoire von Bach bis Beatles „zum Lobe Gottes und den Menschen zur Freude“ sowohl ernst als auch heiter musiziert, egal ob Choral oder Gospel. „Leider brachte das Virus Konditionseinschläge und den Verlust eines Bläsers“, bedauern die beiden Vorstände. Sie hoffen gleichzeitig, irgendwann an den früheren Leistungsstand anknüpfen zu können.
Wie bei vielen anderen Vereinen, so ist auch beim Posaunenchor des CVJM die Überalterung spürbar. Doch wie lässt sich Nachwuchs generieren? „Das ist die Zehn-Millionen-Euro-Frage“, meint Udo Klotz. Man habe vor 15 Jahren mit Flyern im Gemeindebrief geworben, sei an ehemalige Bläser herangetreten und habe versucht, Quereinsteiger zu erreichen. Das Resultat: Immerhin zwei neue Bläser konnte man begrüßen. Leider habe es kein Interesse bei Präparanden und Konfirmanden gegeben. Die Idee, in Nachbargemeinden wie Dannstadt und Maudach aktiv zu werden, wurde durch Corona ausgebremst. „Es wäre sehr wichtig, dass wir junge und junggebliebene Bläser gewinnen“, betonen die beiden.
Doch jetzt freut man sich beim CVJM erst mal auf die Feier des 75-jährigen Bestehens. Die gibt es am 2. Juli bei einem Gottesdienst ab 10 Uhr in der protestantischen Kirche. Nach dem Gottesdienst gibt es noch einen kleinen Umtrunk.
Kontakt
Der Posaunenchor des CVJM probt immer dienstags, 19 bis 20 Uhr (freie Probe), und donnerstags, 19 bis 21 Uhr, unter der Leitung von Gerhard Demel, jeweils im Johannes-Bähr-Haus (Trifelsstraße). Interessierte Bläser können sich an Eckard Gehrke wenden per E-Mail an eckard@gehrke.eu.