Dannstadt-Schauernheim RHEINPFALZ Plus Artikel Corona und Kirche: Kreative Lösungen für die Krise

Viele Ideen sind in einem Jahr Pandemie entstanden, immer unter der Devise: Zusammenstehen und trotzdem Abstand halten
Viele Ideen sind in einem Jahr Pandemie entstanden, immer unter der Devise: Zusammenstehen und trotzdem Abstand halten

„Wir werden nach Corona eine andere Kirche sein“, so lautet das Fazit von Hans Beck, Pfarreiratsvorsitzender der Pfarrei Heiliger Sebastian nach einem Jahr Pandemie. Mit einer Zusammenstellung der entstandenen Projekte und Veränderungen zieht er eine Bilanz dieser herausfordernden Zeit.

„Wir haben durch geschlossene Kirchen, ausgefallene Gottesdienste, Feste, Veranstaltungen und den Wegfall von Begegnungen einen Druck zu Veränderungen gespürt, und es war erstaunlich, wie schnell darunter Dinge auf den Weg gebracht werden konnten“, sagt Hans Beck. „Da wurde nicht erst ein Arbeitskreis gegründet und diskutiert, sondern gemacht.“ Diese neue Geschwindigkeit habe begeistert. So ist einiges Neues entstanden, das zum Teil schon im Prozess des Gemeindepastorals angedacht gewesen sei, dessen Umsetzung sonst aber wohl länger gedauert hätte.

In der Pfarrei Heiliger Sebastian mit den Kirchengemeinden St. Cäcilia/St. Michael Dannstadt-Schauernheim, St. Leo Rödersheim, St. Medardus Mutterstadt und St. Peter Hochdorf haben sich neue dauerhafte Projekte etabliert, zu denen der wöchentliche E-Mail-Newsletter und die Livestream-Gottesdienste gehören. Mit dem derzeit von 280 Personen abonnierten Rundschreiben werden die Gemeindemitglieder über Aktuelles in der Pfarrei informiert. „Wir werden dieses Format auch in Zukunft beibehalten. Neben dem Newsletter aber auch die im zweiwöchigen Turnus erscheinende Printversion des Sebastiansboten anbieten“, sagt Beck.

Menschen schauen aus Neugier zu

Die Livestream-Gottesdienste sollen technisch noch optimiert werden, um sie in Zukunft aus allen vier Gemeinden übertragen zu können. Zwischen 70 und 100 Zugriffe mit 140 bis 200 Zuschauern kann die Pfarrei pro Gottesdienst-Übertragung verzeichnen. „Wir erreichen damit auch Menschen, die mal aus Neugier reinschauen.“ Erreicht würden aber auch gerade Ältere, die noch nicht wieder in die Kirche kommen würden. „Viele haben im letzten Jahr von ihrer Familie ein Tablet bekommen, um in der Familie in Kontakt zu bleiben und nutzen dies nun auch, um anderweitig Kontakte zu pflegen“, berichtet Beck von den Erfahrungen. So sei der älteste Teilnehmer 91 Jahre alt. „Wir bieten aber auch Hilfestellung beim Einrichten ein.“

Trotzdem sei diese Form des Gottesdienstes natürlich eine andere Art, da Gottesdienst ja auch immer vom Raum, Gesängen und Gebräuchen geprägt sei. Beim Video-Gottesdienst ist Beck zufolge zudem die Gefahr groß, dass die Leute schneller abschalten. „Eine völlig neue Erfahrung des persönlichen Austauschs ist der parallel zum Gottesdienst laufend Live-Chat, der sehr gerne genutzt wird“, berichtet der Pfarreiratsvorsitzende.

Trotzdem sagen manche: „Es geht auch ohne Kirche“

Neben diesen virtuellen Angeboten gibt es auch telefonische Seelsorge und Gespräche. „Und auch zu Geburtstagen und Jubiläen halten wir mit Grüßen und Telefonaten den Kontakt.“

Als punktuelle Projekte wurde im vergangenen Jahr gleich im ersten Lockdown von der Jungen Kirche Mutterstadt zu Ostern der „Gottesdienst in der Tüte“ kreiert und das „JUKI-Quarantäne-Survival-Heft“ für Eltern mit Kindern. Dem schloss sich die Familien-Arbeitsgemeinschaft der Pfarrei in der Adventszeit mit dem „Adventsspecial“ an, einer Tüte mit Anregungen für die Adventssonntage. „Diese Angebote an Familien werden wir auch beibehalten, da wir damit die Familien noch mal auf besondere Weise erreichen“, meint Beck.

Video und Internet spielen auch für die Gremien, Arbeitsgruppen und Chöre eine Rolle, die ihre Konferenzen, Gespräche und Proben auf diese Weise per Abstand abhalten können. Beispielsweise trifft sich der Ü-60-Stammtisch per Video, um sich bei einer „virtuellen“ Tasse Kaffee über „Gott und die Welt“ auszutauschen.

„Corona hat uns einen riesigen Schritt bei der Integration neuer Medien in die Glaubensweitergabe und Praktizierung machen lassen“, ist sich Hans Beck sicher. „Trotzdem werden wir auch Menschen nicht nur körperlich, weil sie nicht mehr in die Kirche kommen werden, sondern auch geistig verlieren, da sie für sich gemerkt haben, es geht auch ohne Kirche.“ Dazu trüge natürlich auch die aktuelle Diskussion der Missbräuche im kirchlichen Raum bei.

Kontakt

Pfarrei Heiliger Sebastian: www.hl-sebastian.de

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