Dudenhofen / Lingenfeld RHEINPFALZ Plus Artikel Corona erschwert Berufswahl

Die Frage nach dem Wunschberuf ist für Schüler derzeit besonders schwer zu beantworten.
Die Frage nach dem Wunschberuf ist für Schüler derzeit besonders schwer zu beantworten.

Große Probleme bereitet die Pandemie den weiterführenden Schulen, was die Berufsorientierung angeht: Es stehen nicht genügend Praktikumsplätze zur Verfügung. Die Realschulen plus in Dudenhofen und Lingenfeld haben auf die Entwicklung reagiert.

Die Jugendlichen, die einen Abschluss an der Realschule plus in Dudenhofen anstreben, hätten eigentlich demnächst ein Berufspraktikum absolvieren sollen. „Normalerweise ist Anfang Februar, wenn das erste Halbjahr gerade vorbei ist, eine gute Zeit dafür“, sagt Schulleiter Christian Wallner. Doch vor Kurzem habe seine Schule beschlossen, die Praktikumszeit in den Juli zu verschieben. Der Grund: Den Schülern gelingt es aufgrund der Pandemie kaum, Praktikumsplätze zu finden. „Da gibt es derzeit riesige Hürden“, berichtet der Schulleiter. „Ganz oft lautet derzeit die erste Frage der Firmen: Seid ihr geimpft? Seid ihr geboostert?“ Die Impfung sei regelrecht zur „Eintrittskarte“ für Berufspraktika geworden. Doch die Schüler seien eben oftmals noch nicht geimpft. „Je jünger die Schüler, umso niedriger ist die Impfquote“, sagt Wallner. An seiner Schule machen Acht-, Neunt- und Zehntklässler Berufspraktika. Insgesamt sind das fast 200 Schülerinnen und Schüler.

Bereits im vergangenen Schuljahr konnte die Berufsvorbereitung nicht laufen wie geplant. Durch die Schulschließungen hätten die Praktika nicht stattfinden können. Deshalb habe die Realschule plus in diesem Jahr mehrere Praktikumsphasen eingeplant. Im September, direkt nach den Sommerferien, waren die Berufsreife-Klassen an der Reihe. „Da waren die Inzidenzen noch unten, und alle Schüler sind ohne Probleme untergekommen“, blickt Wallner zurück. Nach den Herbstferien hätten dann Schüler der neunten und zehnten Klassen, die die Mittlere Reife anstreben, Praktika absolviert. Da sei es schon etwas schwieriger gewesen. Jetzt war es in vielen Fällen ganz unmöglich, einen Praktikumsplatz zu bekommen, auch wenn die Schule die Jugendlichen mit Corona-Tests ausgestattet hätte und sich die Praktikanten täglich getestet hätten.

Die Dudenhofener Realschule plus versucht, so gut es geht auszugleichen, was den Jugendlichen entgeht. So kommen Vertreter der Agentur für Arbeit für die Berufsvorbereitung in die Schule. Trotzdem: „Den jetzigen Schülern fehlt einfach was“, hat Wallner beobachtet. Normalerweise stünden Besuche im Berufsinformationszentrum oder auf Berufsmessen während des Schuljahrs auf dem Plan. Und Praktika seien für viele Schüler nicht nur Orientierung bei der Berufswahl, sondern oft auch Sprungbrett für einen Ausbildungsplatz, wenn sie im Praktikum gute Leistungen bringen und den Arbeitgeber so überzeugen.

Problem: fehlende Impfung

Die Realschule plus in Lingenfeld wollte eigentlich traditionell in den beiden letzten Januarwochen die Praktika für die achte Jahrgangsstufe durchführen. Sicherheitshalber hat sie aber wie die Dudenhofener Realschule einen Ersatztermin im Juli festgehalten, wie Schulleiter Elmar Frick im Gespräch mit der RHEINPFALZ erzählt.

Bei ihm haben nur etwa 50 Prozent der Schüler einen Praktikumsplatz. Vor allem große Betriebe nehmen – wenn überhaupt – nur Schüler, die mindestens zweimal geimpft sind, erläutert Frick. „Im Handel, bei den Supermärkten, geht das recht gut, bei den kleineren Handwerksbetrieben werden öfters Verwandte oder Bekannte genommen. Die ganz großen Betriebe wie die BASF nehmen im Moment gar keine Schüler.“

Normalerweise wechseln die Praktikanten nach einer Woche den Betrieb, aber dieses Jahr lässt die Schule auch zwei Wochen beim selben Betrieb zu, wenn dieser damit einverstanden ist. Der Rest der Schüler, also alle ohne Praktikumsplatz, muss zusammengelegt und mit Grundlagen der Berufsorientierung sowie verschiedenen Wiederholungsaufgaben beschult werden.

Frick erwähnt die vielen Angebote seiner Schule im Bereich der Berufsorientierung, etwa den Praxistag und die ständigen Anfragen von Betrieben vor allem aus dem Handwerksbereich, von Metzgereien und Bäckereien, aber auch von größeren Betrieben, die Werbung bei den Schülern der achten bis zehnten Klassenstufen machen. „Aber viele Schüler wollen den bequemeren Weg gehen und weiter die verschiedensten schulischen Angebote wahrnehmen“, meint der Schulleiter.

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