Waldsee RHEINPFALZ Plus Artikel Carsharing im Kleinen: Dieses Gemeindeauto dürfen die Bürger mitnutzen

Steffen Schneider kümmert sich bei der Verbandsgemeinde Rheinauen um das Carsharing-Angebot.
Steffen Schneider kümmert sich bei der Verbandsgemeinde Rheinauen um das Carsharing-Angebot.

Die Verbandsgemeinde Rheinauen ermöglicht seinen Bürgern seit Herbst 2023, das E-Dienstfahrzeug der Verwaltung mitzunutzen. Doch wie gut ist das Angebot? Ein Selbsttest.

Steffen Schneider läuft einmal um den weißen Skoda Enyaq und inspiziert das Auto, das vor ihm auf dem Parkplatz hinter dem Waldseer Rathaus steht. Dann zückt der Mitarbeiter der Verbandsgemeinde Rheinauen sein Handy aus der Tasche. „Das ist alles wirklich einfach und selbsterklärend“, sagt er und öffnet die App Hop-On auf seinem Smartphone. Der Skoda entriegelt sich. „Jetzt müssen wir nur noch das Ladekabel aus- und an die Ladestation anstecken. Dann kann es auch schon losgehen.“ Gesagt, getan. Leise fährt das Elektroauto vom Parkplatz weg.

Steffen Schneider betreut für die Verbandsgemeinde Rheinauen das Carsharing. Seit Oktober 2023 macht die Verwaltung dort ihren Bürgern ein besonderes Angebot. Die Menschen haben die Möglichkeit, das Auto der Verbandsgemeinde mitzunutzen – und zwar für private Zwecke. Sei es, um einzukaufen, die Kinder zum Fußball zu fahren oder am Wochenende einen Ausflug in den Pfälzerwald zu machen. „Für die Bürger schaffen wir hier eine Alternative, um von A nach B zu kommen – und das auch noch elektrisch“, betont Steffen Schneider.

Eine Fahrt nach Altrip

Um dem RHEINPFALZ-Redakteur das Carsharing-Angebot der Gemeinde zu zeigen, reicht aber eine kurze Fahrt von Waldsee nach Altrip, an die Fähre am Rhein. Das Auto fährt sich gut, ist sehr gepflegt, geräumig und hat eine gute Ausstattung. Auf dem Zähler stehen bald 12.000 Kilometer, über 3800 davon haben Bürger aus der Verbandsgemeinde privat „abgespult“.

Die Idee, dass sich mehrere Menschen ein Auto teilen – also das sogenannte Carsharing –, ist nicht mehr ganz neu. Allerdings kennt man Carsharing vor allem aus größeren Städten wie München, Berlin oder Hamburg. „Rheinauen ist vielen Carsharing-Firmen zu klein“, sagt Steffen Schneider. Und sein Namensvetter und Büroleiter der Verbandsgemeinde, Detlef Schneider, pflichtet ihm bei: „Die Nutzungsquote im ländlichen Raum ist zu gering, weil hier noch deutlich mehr Menschen ein eigenes Auto haben.“

Aufteilung zwischen Gemeinde und Bürger

Vor ein paar Jahren kam der Vorschlag auf, das Dienstfahrzeug der Verwaltung zu bestimmten Zeiten auch den Bürgern zur Verfügung zu stellen. Die Idee: Von Montag bis Freitag wird das Auto rein dienstlich von der Verbandsgemeinde genutzt, zu allen anderen Zeiten kann es privat gebucht werden. „Wir brauchen das Auto vormittags, um zum Beispiel Postboxen zwischen den verschiedenen Verwaltungsstandorten unserer Verbandsgemeinde zu transportieren“, erklärt der Büroleiter. Seit Oktober 2023 steht das gemeinsame Auto – nach langer Lieferzeit wegen der Pandemie – einsatzbereit in Waldsee.

Vormittags nutzt die Verwaltung das Elektroauto, am Nachmittag und am Wochenende kann das E-Fahrzeug privat von Bürgern der Verb
Vormittags nutzt die Verwaltung das Elektroauto, am Nachmittag und am Wochenende kann das E-Fahrzeug privat von Bürgern der Verbandsgemeinde genutzt werden.

Der Hauptvorteil bei dieser Art von Carsharing sei der Synergieeffekt. „Die Verwaltung und die Bürger nutzen zusammen ein Auto. Es ist doch sinnvoll, wenn das Fahrzeug nicht seine Reifen platt steht, wenn die Verwaltung es nicht braucht“, berichtet Detlef Schneider. Und bei dieser Doppelnutzung seien die Carsharing-Firmen als Anbieter auch dabei.

So viel kostet das Mieten

Faktisch sei zwar die Verbandsgemeinde der Generalmieter des Fahrzeugs, erklärt der verantwortliche Amtsmitarbeiter Steffen Schneider. Der Carsharing-Anbieter Hop-On, eine Tochterfirma der Mainova, sei bei diesem Modell bereit, spezielle Wünsche anzunehmen: in diesem Fall, dass nur Bürger der Verbandsgemeinde das Fahrzeug nutzen dürfen. „Als Verwaltung dürfen wir aber nicht als Anbieter auftreten, weil wir nicht gewerblich tätig werden wollen“, betont Steffen Schneider. „Wir übernehmen die grundsätzlichen Kosten und finanzieren das Auto mit einem stabilen Beitrag. Das, was die Bürger fürs Leihen zahlen, davon bekommen wir dann anteilig etwas von Hop-On zurück“, erklärt er. Das sei zwar ein kleines Minusgeschäft für die Gemeinde, weil das Leasing des Carsharing-Fahrzeugs deutlich teurer ist als die anderen Leasing-Autos der Verwaltung. „Aber wir wollen den Bürgern das Angebot unbedingt machen“, sagt Steffen Schneider.

Deswegen seien auch die Preise recht niedrig, um Anreize zu schaffen. 5,90 Euro kostet eine Stunde, 19 Euro die Buchung über Nacht – und 69 Euro, wenn man das Auto übers ganze Wochenende mietet. Zur Nutzung ist lediglich eine Registrierung in der App und die Überprüfung des Führerscheins notwendig – allerdings alle sechs Monate bei der Gemeindeverwaltung.

Angebot wird gut angenommen

Mittlerweile ist der E-Skoda am Rhein in Altrip angekommen, einmal umkehren und wieder zurück nach Waldsee. „Realistisch kommt das Auto vollgeladen rund 300 Kilometer weit“, meint Steffen Schneider. Aber schnell und zügig ausfahren, ist nicht. Dafür gelten auf der Strecke zwischen Altrip und Waldsee zu viele Geschwindigkeitsbegrenzungen. Immerhin ist der Skoda so recht sparsam, wenn niemand ständig aufs Gaspedal drückt.

Nach der Fahrt muss das E-Auto immer wieder an die Ladesäule angeschlossen werden.
Nach der Fahrt muss das E-Auto immer wieder an die Ladesäule angeschlossen werden.

Die Verbandsgemeinde ist zufrieden damit, wie das Angebot bislang angenommen wurde. „Nach etwas mehr als einem Jahr läuft es nicht so schlecht. Aber es darf natürlich gerne mehr sein“, erklärt Büroleiter Detlef Schneider. Die Gemeinde wollte vielen Bürgern die Chance bieten, einen Zweitwagen möglicherweise zu ersetzen. „Außerdem sollen die Leute auch mal ein E-Auto austesten können. Vielleicht kommt ja der ein oder andere auf den Geschmack“, betont Büroleiter Detlef Schneider.

Auswertung nicht möglich

Das Problem: Die Verbandsgemeinde weiß nicht, wer das E-Fahrzeug privat nutzt und warum. Der Carsharing-Anbieter rückt aus Datenschutzgründen die Angaben nicht heraus. „Deswegen ist es für uns schwierig, das Nutzerverhalten richtig einzuschätzen – und dementsprechend auch das Angebot auszubauen“, erzählt Detlef Schneider.

Die Idee ist, ein freiwilliges Fahrtenbuch im Auto zu etablieren, bei dem die Nutzer ihren Fahrtgrund und -weg angeben sollen. „Aber, ob das angenommen wird, ist unklar“, sagt der Büroleiter.

Grundsätzlich sei aber in der Verbandsgemeinde ein großes Interesse da, das Carsharing-Angebot mit Dienstfahrzeugen der Verwaltung auszubauen. In den Gemeinderatsgremien habe es diesbezüglich schon Nachfragen gegeben. „Die SPD-Fraktion hat sogar einen Antrag gestellt. Den prüfen wir als Verwaltung gerade “, sagt Detlef Schneider.

Weiteres Fahrzeug im Gespräch

Ein weiteres E-Auto könnte sich aus seiner Sicht durchaus anbieten. Dann aber vermutlich an einem anderen Standort als Waldsee. „Wenn einer aus Altrip das Fahrzeug mietet, dann muss er erstmal nach Waldsee kommen. Das ist natürlich eine gewisse Hürde.“ In Otterstadt gibt es zudem auch schon seit Oktober 2023 einen zweiten Skoda, der aber nur von Otterstadter Bürgern mitgenutzt werden darf. „Deswegen würden sich Neuhofen oder Altrip natürlich als mögliche Standorte anbieten“, betont Detlef Schneider.

Der weiße Skoda ist mittlerweile wieder in Waldsee auf dem Parkplatz angekommen. Steffen Schneider holt die Ladekarte aus dem Handschuhfach und hält sie an die Ladesäule. Ein grünes Licht blinkt auf. Es signalisiert Schneider, dass er das Ladekabel an den Skoda anschließen kann. Dann öffnet er wieder die App auf seinem Handy und schließt mit einem Klick seine Fahrt ab. Das Auto verriegelt sich. Fahrtende. In einer halben Stunde kann dann der nächste Bürger aus der Verbandsgemeinde das E-Auto nutzen. Zum Einkaufen, zum Fußballtraining – oder eben auch für einen kurzen Ausflug an den Rhein.

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