Waldsee
Campinggebiet soll sich bald selbst tragen
Noch vor wenigen Jahren sah die Zukunft für das Campinggebiet, das einst zu den größten in ganz Europa gehörte, düster aus: Weite Teile des Geländes waren verwaist. Für die verantwortliche GmbH „Naherholung in den Rheinauen“, die zu 90 Prozent dem Kreis und zu 10 Prozent der Ortsgemeinde Waldsee gehört, war der Betrieb finanziell ein Fass ohne Boden. Viele Eigentümer der Grundstücke sperrten sich gegen reduzierte Pachtzahlungen. Der Platz stand vor dem Aus. Doch gemeinsam mit einem Verein, den einige Camper gründeten, gelang die Rettung: Ein deutlich verkleinertes Gebiet, verwaltet durch die Camper selbst, sollte den Fortbestand sichern. Doch die Probleme waren damit noch lange nicht beseitigt: Die nicht mehr benötigten Grundstücke müssen laut den Verträgen in ordnungsgemäßem Zustand an die Besitzer zurückgegeben werden. Das hätte eigentlich schon vor mehr als zwei Jahren passieren müssen. Doch angesichts der Massen an Müll auf den verlassenen Plätzen kam der Camper-Verein nicht so schnell voran wie erhofft.
Jetzt sieht Tilo Meinke, der als Geschäftsführer der Naherholungs-GmbH fungiert, Licht am Ende des Tunnels: „Unser Ziel ist, dieses Jahr alle Grundstücke zurückzugeben“, sagt er. Aktuell seien schon einige Grundstücke im vorderen Bereich des ehemaligen Campinggeländes „übergabebereit“. Auch Landrat Clemens Körner (CDU) sieht das „Tal der Tränen durchschritten“. Ein Problem beim Rückbau sei, einen „ordnungsgemäßen Zustand“ zu definieren, in den die Grundstücke versetzt werden. Einst für die Landwirtschaft, dann als Campingplatz genutzt, gibt es heute Vegetation auf den verwaisten Flächen, die nicht einfach so entfernt werden darf. Schlimmer noch: „Manchmal lassen sich Vegetation und Objekte nicht mehr richtig trennen“, sagt Meinke – zum Beispiel, wenn ein Zaun mit einem Baum verwachsen sei. Trotzdem gehen er und Körner davon aus, dass die Rückgabe an die Besitzer der Grundstücke in den meisten Fällen reibungslos verläuft. Nur ein Grundstückseigentümer habe Klage eingereicht, wegen des seiner Ansicht nach nicht ordnungsgemäßen Rückbaus.
Einnahmen erhöhen
Die Verkleinerung des Campinggebiets von einst mehr als 3000 auf nun gut 1000 Parzellen hat sich als die richtige Entscheidung erwiesen. Die verbliebenen Plätze im Campinggebiet sind alle verpachtet. „Und es gibt sogar eine Warteliste mit fast 100 Leuten drauf“, freut sich der Landrat. Dauercamping habe – unter anderem als Folge der Corona-Pandemie – in den vergangenen Jahren einen Boom erlebt. Der Camper-Verein, der den Platz vor Ort im Auftrag der GmbH managt, sei ein verlässlicher Partner. Nachdem der Landrat zeitweise bei den Campern in Ungnade gefallen war, als eine Schließung des Platzes im Raum stand, dürfe er nun „wieder zum Grillfest kommen“. Das Gebiet wieder zu vergrößern, kommt für Körner trotz der großen Nachfrage nicht infrage. Schließlich könne sich der Trend auch wieder umkehren.
Ein großes Problem waren die Verluste, welche die GmbH in den vergangenen Jahren vor allem wegen des Campinggebiets „Auf der Au“ eingefahren hat. Knapp 400.000 Euro waren es laut Meinke im Jahr 2021. Auch 2022 – die endgültigen Zahlen lägen demnächst vor – hat die GmbH hohe Verluste gemacht. 2023 wird es laut Meinke hoffentlich zum letzten Mal einen deutlichen Verlust geben. „Das Ziel muss sein, dass der Abschluss für 2024 auf plus/minus null hinausläuft“, sagt er. Der Rückbau wurde aus Rückstellungen in Höhe von rund einer Million Euro finanziert. Von diesen werde wohl wenig übrig bleiben, glaubt Körner.
Damit die GmbH auch in Zukunft keine tiefroten Zahlen mehr schreibt, ist eine Erhöhung der Einnahmen unumgänglich, sind die Verantwortlichen überzeugt. Weshalb sie einen Schritt ankündigen, der nicht jedem gefallen wird: „Wir werden in Kürze auf die Camper zugehen, mit der Absicht, die Pacht moderat zu erhöhen“, sagt Geschäftsführer Meinke. „Der Campingplatz muss sich selbst tragen“, findet Landrat Körner. Das sei auch eine Forderung aus der Politik. Die erste Pachterhöhung seit vielen Jahren sei der einzige Weg, finanziell auf null zu kommen. Von der Erhöhung ist nicht nur das Gebiet „Auf der Au“ betroffen, sondern auch die übrigen Plätze unter Regie der GmbH wie jener im Reffenthal – insgesamt rund 2000 Campingparzellen.
Auf der anderen Seite verspricht der Betreiber weiterhin, künftig auch in das Campinggebiet zu investieren – wenn auch noch nicht im laufenden Jahr. So soll der Müllplatz verlegt werden, und auch eine Sanierung der Hauptwege und der Sanitäranlagen ist vorgesehen. Auch den Brandschutzauflagen – in Lingenfeld muss deshalb der komplette Campingplatz überplant werden – soll dabei Genüge getan werden. Geplant seien außerdem zehn bis 15 Stellplätze für Wohnmobile. Genug zu tun also, für die Zeit nach der Konsolidierung.
