Rhein-Pfalz Kreis Brandleger gegen Feuerlöscher
«Dannstadt-Schauernheim.» Der Chef sitzt in der Mitte. Um ihn herum drapiert Männer und Frauen in Einsatzkleidung. Das neue Foto der Freiwilligen Feuerwehr der Verbandsgemeinde Dannstadt-Schauernheim soll zeigen: Wir sind eine Mannschaft. Wir halten zusammen. Und vor allem: Wir stehen hinter Stefan Veth (CDU), dem Bürgermeister. Gestern vor einer Woche trafen sich die Wehrführungen von Rödersheim und Gronau sowie Hochdorf-Assenheim zum Gespräch mit Veth. Mit dabei war der Verbandsgemeinde-Wehrleiter Christopher Diehl, der derzeit auch kommissarisch die Dannstadt-Schauernheimer Ortswehr führt. In der Runde ging es um die vergangenen Wochen, 15 Dannstadt-Schauernheimer Wehrleute hatten im Streit mit Veth und Diehl den Dienst quittiert, darunter die Wehrführung. Sie werfen Veth „Untätigkeit“ vor (wir berichteten mehrfach). Am Ende der Aufarbeitung lautete der Tenor: Ein kleiner Neuanfang ist womöglich gar nicht so schlecht. Die jüngsten Einsätze nach dem Massen-Austritt hätten gezeigt, dass die Wehren einander vertrauen und gut zusammenarbeiten. Es seien immer ausreichend Einsatzkräfte verfügbar gewesen, es gebe keine Schwierigkeiten, die gesetzlich vorgeschriebenen Ausrückzeiten – in acht Minuten zum Einsatzort – einzuhalten. Das alles wurde im Amtsblatt veröffentlicht. Da die Bevölkerung verunsichert sei, wollen die Kameraden die Bürger überzeugen, dass der Brandschutz gewährleistet ist. Zur gleichen Zeit, eine andere Feuerwache, nicht im Rhein-Pfalz-Kreis. Im Mannschaftsraum sitzen acht Männer, sie gehören zu den Ausgetretenen und wollten sich an einem neutralen Ort treffen, um zu reden. Anonym, erstmals nach ihrem Austritt. Bisher sprachen sie vor allem über einen Anwalt. Einer der Ausgetretenen war 37 Jahre bei der Feuerwehr in Dannstadt-Schauernheim aktiv. Als er seiner Frau von den Rücktrittsplänen erzählte, habe sie zu ihm gesagt: „Du hast einen Macken.“ „Natürlich fehlt da jetzt etwas“, sagt der erfahrene Mann. Der Austritt sei alternativlos gewesen. Veth habe sich nicht um die Truppe gekümmert, lautet der Hauptvorwurf. „Wenn wir reden wollten, war Veth nicht zuständig“, sagt einer der Ausgetretenen und zückt eine E-Mail vom April 2012. Tatsächlich lehnt Veth darin ein Gespräch mit den Kameraden ab – mit Verweis auf Strukturen und Hierarchien, die es einzuhalten gelte. Dass Veth nicht zu Gesprächen bereit gewesen sei, bezeichnen die Ausgetretenen als „Spitzen, um die Ortswehr totzumachen“. Es habe viele Gespräche gebeben, versichert Veth, wenn auch nicht mit der gesamten Mannschaft. In einem Ordner in Veths Büro ist eine Beschwerde abgeheftet, unterschrieben von den Wehrführern der anderen Ortgemeinden. Dass es 2011 diese Beschwerde gegen den Dannstadt-Schauernheimer Wehrführer Uwe Burkhardt, damals auch stellvertretender Wehrleiter der Verbandsgemeinde, gab, bestätigen die Ausgetretenen erst auf Nachfrage – und gehen direkt in die Offensive. Burkhardt sei alleine zum Gespräch gebeten worden, sagt einer von ihnen, „alleine gegen die Wehrführungen und drei Leute von der Verwaltung. Das ist unfair“. Aus „persönlichen Gründen“ ist Burkhardt als stellvertretender Wehrleiter zurückgetreten. Fortan hätten sich Vorwürfe nicht mehr nur gegen ihn gerichtet, sondern gegen die gesamte Dannstadter Wehr. „Arroganz, zum Beispiel“, sagt einer, „aber es war nie so, dass die Wehren untereinander zerstritten waren.“ Ein anderer jedoch sagt: „Wir wurden nie als Unterstützer gesehen, sondern als Gegner.“ Gab es Spannungen? Oder Neid? Dannstadt ist der größte Standort, dort ist die Einsatzzentrale. Im lange währenden Streit geht es auch um Kleinigkeiten und Eitelkeiten – etwa um schlechte Umgangsformen in E-Mails zwischen Wehrführung und -leitung, der Wechsel vom kumpeligen „Du“ auf ein förmliches „Sehr geehrter Herr ...“ fällt auf. Unter den Mails steht mitunter nur „mit Grüßen“. „Das Puzzle hat sehr viele Teile“, sagt einer der Ausgetretenen. Der letzte Baustein ist die Personalie des stellvertretenden Wehrleiters, der seit 2016 im Amt ist. Er ist ein relativ neues Mitglied der Dannstadt-Schauernheimer Wehr, zudem ein Berufsfeuerwehrmann. Die Alteingesessenen kamen nicht mit ihm klar. Sie werfen ihm vor, sich im Umgang mit Kameraden daneben benommen zu haben – und forderten Veth auf, ihn vom Dienst in der Ortswehr freizustellen. „Veth aber sagt die ganze Zeit, wir wollten ihn als Wehrleiter absetzen. Das ist ein Unterschied“, sagen die Ausgetretenen, Sie stellten dem Bürgermeister ein Ultimatum, das Veth verstreichen ließ. Die Konsequenz war der Austritt. In der Summe haben mit den 15 Kameraden rund 270 Dienstjahre vor einem Monat die Wehr verlassen. Unter ihnen sechs Führungskräfte, sieben Atemschutzgeräteträger und neun Drehleitermaschinisten. „Was bleibt, ist ein Scherbenhaufen, die Säulen sind weg“, sagen die Ehemaligen und fürchten um die Sicherheit der Verbandsgemeinde. „Bei jedem Einsatz ist das Dorf in Aufregung“, sagen sie. Derweil ist die Stimmung in der Feuerwehr wieder prächtig. „Wir wollen nach vorne schauen, nicht in den Rückspiegel“, sagt Wehleiter Christopher Diehl, „das ist schön, das macht Spaß. Die Truppe ist mit Eifer dabei.“ Neun neue Mitglieder hat die Feuerwehr Dannstadt-Schauernheim in den vergangenen Wochen verzeichnet. Vier von ihnen waren bereits früher in der Wehr, alle sind ausgebildet. Aktuell hat die Verbandsgemeinde-Wehr laut Verwaltung 96 Mitglieder, darunter 28 Führungskräfte (ehemals 30), 46 Atemschutzgeräteträger (48) und 17 Drehleitermaschinisten (23). Die Ausgetretenen befürchten, dass die Neuen nicht sofort einsatzbereit sind, es an Routine und Übungsstunden mangelt. „Es will niemand etwas Schlechtes“, sagt einer der ehemaligen Kameraden. Über den Förderverein, in dem viele der Ausgetretenen noch immer aktiv sind, stehen sie mit der Wehr in Kontakt. „Einer Zusammenarbeit steht nichts im Wege“, sagt einer, „es hat nichts mit der Mannschaft zu tun.“ Offenbar geht es ausschließlich um Veth. „Der Wille zur schnellen Aufklärung ist bei den Ausgetretenen nicht zu spüren“, sagt Veth. Er möchte die beiden Wortführer der ehemaligen Kameraden anhören. Zweimal haben sie den Termin schon verschoben. Mitte Oktober soll es nun soweit sein. Während die Verwaltung versucht, den Brand zu löschen, wollen die Ausgetretenen ihn offenbar am Lodern halten.