Rhein-Pfalz Kreis „Bobenheimer Spendenbereitschaft ist groß“

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BOBENHEIM-ROXHEIM. Aus 350 katholischen Pfarrgemeinden im Bistum Speyer sind 70 Großpfarreien geworden. Damit braucht es keine ehrenamtlichen Kirchenrechner mehr, weil die Finanzen der Gemeinden jetzt in den kirchlichen Regionalverwaltungen geregelt werden. Der gerade 72 Jahre alt gewordene Alfred Voll hat diesen Job 38 Jahre lang für die Kirchengemeinde St. Laurentius Bobenheim/Kleinniedesheim gemacht. Wir haben uns mit ihm darüber unterhalten.

Kirchenrechner – das klingt ziemlich trocken nach Verantwortung und Arbeit. Wie sind Sie zu diesem Amt gekommen?

Pfarrer Josef Humm hat mich 1978 vorgeschlagen, auch weil ich als Bankkaufmann Buchhaltungskenntnisse hatte. Mein Vorgänger wollte das Amt des Kirchenrechners wegen einschneidender Veränderungen im Buchhaltungswesen nicht mehr ausüben. In geheimer Abstimmung wurde ich dann vom Verwaltungsrat unserer Pfarrei einstimmig gewählt. Und was kam dann auf Sie zu? Zunächst natürlich die Verwaltung der Kirchenkasse und die Aufbereitung der Belege für unser Pfarrheim. Es folgten die Buchhaltung und Abrechnung für das Adolf-Voll-Haus und für unseren St.-Laurentius-Kindergarten. Ende der 70er-Jahre musste eine neue Orgel angeschafft werden. Die Pfarrgemeinde musste dafür 270.000 Mark beschaffen, was durch Spenden und Veranstaltungserlöse weitestgehend gelang. Was war Ihr größter Buchungsposten in all den Jahren? Als Einzelposition von über 520.0000 Euro ganz sicher die Innenrenovierung der Bobenheimer Kirche. Die Kosten samt Außenrenovierung betrugen mehr als 1,1 Millionen Euro. Ich empfinde es als Glücksfall, dass durch das Geschick der Künstler ein so wunderbarer sakraler Raum entstanden ist. Umso bedauerlicher ist es, dass in dieser Kirche nur noch der Vorabendgottesdienst, aber keine Sonntagsmesse mehr stattfindet. Gab’s auch mal spannende Erfahrungen? Bei der Renovierung des Pfarrhauses 2004 musste die Pfarrgemeinde einen Eigenanteil von 15 Prozent – konkret 42.000 Euro – beisteuern. Das Geld hatten wir damals nicht. Allerdings hatten wir aus einer abgelaufenen Messstiftung von Pfarrer Emil Flörchinger noch ein Aktienpaket mit einem Kurswert von 6000 D-Mark. Die Kurssteigerungen wurden jedoch nie verbucht. Als ich bei der Bank nachfragte, waren es genau 42.000 Euro. Ein kleines Wunder, wenn man so will. Wenn man das so hört, fragt man sich, wovon leben die katholischen Kirchengemeinden? Im Wesentlichen von der jährlichen Schlüsselzuweisung aus dem Bistumshaushalt. Ich muss aber auch sagen, dass die Spenden- und Opferbereitschaft unserer Bobenheimer Mitglieder immer sehr groß war. Ganz wichtig ist für uns auch der Erlös des Basarwochenendes, der meist für den Unterhalt des Pfarrheims verwendet wird. In den vergangenen Jahren haben bei Trauerfällen die Hinterbliebenen auch oft auf Kranz- und Blumenspenden verzichtet und die Trauergäste stattdessen gebeten, für die Kirchenrenovierung zu spenden. Auch da kamen beachtliche Beträge zusammen. Mit der Auflösung der Pfarrpfründestiftungen mussten die Gemeinden ihr Vermögen quasi an das Bistum Speyer abtreten. Sind Sie darüber glücklich? Aus ihrer Tradition heraus hatten die Pfarrpfründestiftungen in früheren Zeiten die Prioritätsaufgabe, den Unterhalt und die Altersversorgung der Geistlichen zu sichern. Das ist auch in der Satzung der neuen diözesanen Pfründestiftung so verankert. Wichtig ist natürlich, dass die Gemeinden von Speyer weiter angemessen mit Finanzmitteln ausgestattet werden. Wir konnten uns da bisher nicht beklagen – ganz im Gegenteil. Die Kirchengemeinden haben vielfältige soziale und kulturelle Aufgaben wahrzunehmen, die nicht nur Katholiken zugute kommen. Dazu bedarf es einer verlässlichen finanziellen Grundlage. Sie sind jetzt kein Kirchenrechner mehr. Was machen Sie mit Ihrer gewonnen Freizeit? Ich werde mich verstärkt meiner Familie widmen, vor allem unseren Enkeln. Auch in Haus und Garten gibt es viel zu tun. Ich arbeite auch gerne mit dem PC und werde nun viele alte Bilder und Dias einscannen. | Interview: Helmut Weick

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