Rhein-Pfalz Kreis RHEINPFALZ Plus Artikel Bobenheim-Roxheim: SPD fordert Modernisierung der Jugendpflege

Jugendpfleger Peter Knab mit zwei Schülern beim Freiwilligentag Mitte September, als am Jugendzentrum die Fassade und das Außeng
Jugendpfleger Peter Knab mit zwei Schülern beim Freiwilligentag Mitte September, als am Jugendzentrum die Fassade und das Außengelände in Ordnung gebracht wurden.

Beim Thema offene Jugendarbeit will sich die SPD nicht mit der Antwort der Gemeindeverwaltung auf eine Anfrage vom Januar zufrieden geben. Die im Sozialausschuss vertretenen Genossen fordern eine Modernisierung der Jugendpflege im Ort. Dazu gehören ihrer Ansicht nach WLAN im Jugendzentrum und das Zugehen auf Problemgruppen.

„Die wollten uns nur abbügeln. Das Ding ist ziemlich unbefriedigend“, sagt Holger Voll, der sozialdemokratische Sprecher für das Anliegen, das Bobenheim-Roxheimer Jugendzentrum (Juz) attraktiver zu machen. Im November vergangenen Jahres hatte seine Fraktion im Sozial- und Jugendausschuss kritische Fragen gestellt, die deutlich machten, was die SPD vom momentanen Konzept der offenen Jugendarbeit hält (wir berichteten). Der für das Thema zuständige Dezernent, Erster Beigeordneter Frank Peter (CDU), sieht das anders, ebenso Fachbereichsleiter Frank Unvericht. Unvericht nahm gut neun Monate nach dem Antrag im Ausschuss mündlich Stellung und wies fast alle Vorschläge der SPD zurück. „Ein Jugendpfleger ist kein Streetworker oder Sozialarbeiter“, sagte er. Aufsuchende Jugendarbeit falle in den Zuständigkeitsbereich des Rhein-Pfalz-Kreises. Von einer mangelnden Vernetzung der gemeindlichen Jugendpflege mit der Schulsozialarbeit in Bobenheim-Roxheim könne keine Rede sein, so Unvericht. Nachdem der frühere Schulsozialarbeiter Wolfgang Kaufmann in Ruhestand gegangen sei, habe es eine personelle Neuausrichtung gegeben, mittlerweile sei man jedoch wieder beisammen. Auf Anfrage der RHEINPFALZ sagte zumindest die Schulsozialarbeiterin der Realschule plus, dass es bisher noch keine Berührungspunkte gebe. Die Schule sei offen für eine Zusammenarbeit mit der gemeindlichen Jugendpflege wie es sie in manch anderer Gemeinde schon gebe, so Nadja Nied. Es sei da aber noch niemand auf sie zugekommen, und sie selbst habe in ihrer Einzelfallarbeit noch keinen Bedarf für eine Rücksprache mit dem Jugendpfleger gehabt. Fachbereichsleiter Unvericht hält das Jugendzentrum im Kleinerweg im Gegensatz zur SPD nicht für unattraktiv. Es sei 2012 gedämmt worden und energetisch auf der Höhe der Zeit. Unvericht: „Kritisiert wird meist die räumliche Enge. Man würde sich größere und schallisolierte Bereiche wünschen.“ Für schwierig hält er auch die Umsetzung des SPD-Wunschs, die Multisportanlage gegenüber dem Jugendzentrum in dessen Angebot zu integrieren. Weil der viel genutzte Kleinerweg überquert werden müsse, seien hier versicherungstechnische Fragen relevant. Von den eineinhalb Personalstellen in der Einrichtung sei nach einer Kündigung nur die Vollzeitstelle besetzt, sagte Unvericht auf Anfrage von Helga Guthmann (Grüne). Eine Absage erteilte Frank Unvericht auch der Forderung, die Wiederbelebung des Jugendgemeinderats in den Blick zu nehmen. Der Trend gehe unter Jugendlichen nicht in diese Richtung, so ein Mitbestimmungsorgan werde als enges Korsett empfunden. Aufzwingen könne man so etwas schon gar nicht. Beigeordneter Frank Peter sieht es genauso wie Frank Unvericht. Gegenüber der RHEINPFALZ sagte er: „Die SPD hat hier einiges vermischt. Jugendsozialarbeit ist Sache des Kreises.“ Peter betont, dass Jugendpfleger Peter Knab keine Schuld daran trage, dass es keinen Jugendgemeinderat mehr gibt. „Die SPD misst das Jugendzentrum an den Besucherzahlen, übersieht aber offensichtlich, dass unser Jugendpfleger seit vielen Jahren durch intensive Einzelbetreuung vielen Jugendlichen geholfen und sie auf einen guten Weg gebracht hat“, so Peter. Holger Voll, der die Antwort der Verwaltung auch auf schriftlichem Weg verlangt, sieht dagegen dringenden Handlungsbedarf. „Wir haben für die offene Jugendarbeit sehr viel Geld im Gemeindehaushalt eingesetzt. Es ist uns daher wichtig, dass diese Mittel effizient und jugenddienlich eingesetzt werden“, so Voll im Gespräch mit der RHEINPFALZ. Es genüge nicht, die Tür des Juz zu öffnen und dort auf Jugendliche zu warten, die am Ende nicht kommen. „Die Gemeinde sollte hier klare Vorgaben machen und diese auch kontrollieren.“ Es sei aber wohl eher so, dass die Verwaltung das nicht wolle und offensichtlich auch keine jugendlichen Problemgruppen in der Gemeinde erkennen könne nach dem Motto: Einige kommen ins Jugendzentrum, die anderen tummeln sich in Vereinen und Jugendverbänden, und nachmittags werden viele Kinder ohnehin in der Ganztagsschule betreut. „Was aber ist mit der Drogenszene hier? Was ist mit Jugendlichen ohne Schulabschluss? Was ist mit Jugendlichen aus schwierigen Verhältnissen, und was ist mit den Jugendlichen mit Migrationshintergrund?“ Die SPD fordere dazu auf, in diesen Bereichen genauer hinzuschauen und innovativ zu werden. Holger Voll betont: „Es geht uns nicht darum, dem Jugendpfleger an den Karren zu fahren, sondern wir wollen eine Jugendarbeit, die sich an den veränderten Lebensverhältnissen und dem heutigen Freizeitverhalten der Jugendlichen orientiert.“ In diesem Sinne will die SPD-Fraktion auch ihre Forderung nach freiem WLAN im Juz verstanden wissen. Frank Peter dagegen vertritt die Auffassung, im Jugendzentrum sollten junge Leute zu Kreativität, Gesprächen und gegebenenfalls sportlicher Aktivität angeregt werden. Übermäßiger Internetkonsum sei da nicht förderlich.

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