Bobenheim-Roxheim
Bobenheim-Roxheim: Mehr als 30 Helfer schneiden Apfelbäume am Altrhein
Nach der theoretischen Einführung am Freitagabend zieht es am Samstagmorgen rund 30 Kursteilnehmer, darunter auch Mitglieder des Naturschutzvereins, zu dessen Streuobstwiesen im Naturschutzgebiet Bobenheimer Altrhein. Mit langen Astscheren und Sägen machen sie sich an den zahlreichen Apfelbäumen zu schaffen, um ihr neu erworbenes Wissen in die Praxis umzusetzen. Sabine Hollunder überwacht die vierstündige Aktion. Die Fachagrarwirtin für Baumpflege und Baumsanierung hat auch die Schulung am Tag zuvor geleitet.
Immer wieder diskutieren die Teilnehmer, welcher Ast denn nun zu weichen habe. Nicht nur einmal hört man es aus drei Kehlen rufen: „Nein, der nicht!“, wenn jemand die Säge schon angesetzt hat. Matthias Lehmann aus Ludwigshafen weiß, dass man beim Schneiden auf den Charakter des Baums eingehen sollte. In seinem Schrebergarten muss er 16 solcher Gewächse pflegen und hat deshalb das Kursangebot gern angenommen.
Greifvögel bekommen eine Sitzgelegenheit
Das Seminar auf den Streuobstwiesen hat noch einen anderen Nutzen, als Hobbygärtnern die Baumpflege beizubringen und gleichzeitig dem Naturschutz- und Heimatpflegeverein etwas Arbeit abzunehmen. Es soll ein Fallbaum gesetzt werden, eine Sitzstange für Greifvögel, die in der Jägersprache Jule genannt wird. Dabei handelt es sich um einen sechs Meter hohen Mast, auf dem ganz oben eine Querstange befestigt ist.
Von hier aus kann der Falke oder Bussard den Blick über die Wiese schweifen lassen und nach Mäusen Ausschau halten. So werden die Bäume in der Umgebung geschont. Denn: Zahlreiche Greifvögel kommen aus dem nahe gelegenen Wald zur Wiese und lassen sich auf der Suche nach Beute auch auf jungen und deshalb noch schwachen Gehölzen nieder. Unter den 1,4 Kilogramm, die ein ausgewachsener Mäusebussard auf die Waage bringt, biegen sich die jungen Äste zur Seite oder brechen ab. Die Krone geht auseinander, und der Baum nimmt Schaden. Um dem entgegenzuwirken, bietet man den Vögeln einen hohen Fallbaum als Ansitz für die Jagd.
Löchrige Baumscheiben helfen Insekten
Vorsitzender Ewald Marx nutzt die Anwesenheit der Vereinsmitglieder auch noch für das Anbringen von neuen Quartierhilfen für Insekten. Dabei handelte es sich um dicke Astscheiben, in die viele Löcher gebohrt wurden. Wildbienen und andere Insekten nutzen sie zum Überwintern. „Ob sie von den Tieren angenommen werden, erkennt man daran, dass die Löcher zugespachtelt wurden“, erklärt Marx. „Mit einer Mischung aus Lehm und Körpersekret werden die Öffnungen von den Insekten verschlossen, und die Larven fressen sich im Lauf der Zeit heraus.“
Nach getaner Arbeit an der frischen Luft dürften es sich die Kursteilnehmer bei einer herzhaften Brotzeit unter den frisch beschnittenen Bäumen bequem machen. Volker Au aus Bobenheim-Roxheim freut sich, dass er den Naturschutzverein angesichts der Menge von Obstbäumen ein klein wenig unterstützen konnte.
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