Rhein-Pfalz Kreis
Bobenheim-Roxheim: Beauftragter für Umwelt und Landwirtschaft stellt sich vor
Manfred Alban Pfeifer von den Grünen ist seit August 2019 Beauftragter für Umwelt und Landwirtschaft in der Gemeinde Bobenheim-Roxheim. Die Einführung dieses Ehrenamts hat die Koalition aus CDU, Grünen und FWG durchgesetzt. Doch die Frage, was den Bündnispartnern dabei genau vorschwebt, muss Pfeifer im Gespräch mit der RHEINPFALZ noch weitgehend unbeantwortet lassen.
Ohne Frage ist Manfred Alban Pfeifer als Umwelt- und Landwirtschaftsbeauftragter keine schlechte Wahl. Der 57-Jährige hat Biologie und Forstwirtschaft studiert und arbeitet freiberuflich und auch ehrenamtlich im Naturschutz. „Ich mache viel Monitoring für Behörden und Planungsbüros“, sagt Pfeifer. Das bedeutet, er untersucht, wie sich in bestimmten Gebieten, zum Beispiel im Dürkheimer Bruch, die Insektenbestände entwickelt haben, und analysiert Gefährdungsursachen. Manchmal leitet er aus seinen Beobachtungen auch Schutzmaßnahmen ab. „Ich mache gerne Freilandarbeit, aber am Ende passiert doch mindestens die Hälfte meiner Arbeit zu Hause“, sagt Pfeifer.
Zum neuen Ehrenamt in Bobenheim-Roxheim sei er nicht aus eigenem Antrieb gekommen, verrät Pfeifer, der 2013 gegen Michael Müller (SPD) zur Bürgermeisterwahl antrat. Aber es habe sich kein anderer gefunden. „Es ist ja auch ein riesiges Themenfeld“, sagt Pfeifer. Deshalb müsse man erst einmal schauen, was sinnvoll und mit möglichst wenig Kosten leicht umzusetzen sei. Einen konkreten Auftrag habe er von der Koalition, zu der er als Gemeinderatsmitglied gehört, nicht bekommen.
Ein Thema wird die Fotovoltaik sein
Pfeifer möchte den Blick zunächst einmal auf die Fotovoltaik richten. Der CDU-Antrag von 2018, auf dem Dach des neuen Sozialwohnhauses im Südring eine Anlage zur Stromerzeugung zu installieren, sei leider nicht gleich beim Bau zum Tragen gekommen, und bald werde das Gerüst entfernt. Die Idee werde trotzdem noch mal im Aufsichtsrat der Gemeindewerke behandelt. „Meiner Ansicht nach kann man so eine Anlage zumindest kostenneutral betreiben“, sagt der Umweltbeauftragte mit Bezug auf die Geschäftsleitung der Werke, die vor gut einem Jahr einen leichten Verlust prophezeite.
In Bearbeitung ist laut Pfeifer auch das Angebot eines Bürgers, für die Gemeinde erklärende Schilder nach Art der Naturlehrpfade herzustellen. „Das wäre auch eine Aufgabe für mich“, sagt der 57-Jährige. „Jemandem bei einer schon weit entwickelten Idee behilflich zu sein und die Gemeindeverwaltung zu entlasten.“
Pfeifer will kein ständiger Ansprechpartner sein
Den Anspruch, für die Bürger Ansprechpartner in Sachen Umweltschutz zu sein, hat Pfeifer allerdings nicht. Im Gegenteil: Er möchte seine Kontaktdaten lieber nicht öffentlich anbieten aus Furcht, dann nur noch Beschwerden und Hinweise auf Umweltsünden in der Gemarkung zu erhalten. „Dafür würden die drei Stunden pro Woche für das Amt nicht reichen.“ Zumal man sich in solchen Fällen ja direkt an die Gemeinde wenden könne, und überdies Ewald Marx vom Verein für Naturschutz und Heimatpflege auch sehr aktiv sei.
Pfeifer ist sich bewusst, dass man ganz andere Ansprüche an das Amt haben und dass sein Amtsverständnis einige unzufrieden machen könnte. In jedem Fall aber sei ein Umweltbeauftragter in einer so großen Gemeinde wie Bobenheim-Roxheim sinnvoll. „Wo andere Kommunen ja sogar einen hauptamtlichen Klimaschutzmanager in Vollzeit haben ...“
Und wie hält es der Grüne mit dem Thema Landwirtschaft, das der Koalitionspartner CDU mit dem neuen Amt verknüpft sehen will? Pfeifer räumt ein, dass Umweltschutz und Landwirtschaft durchaus eine brisante Kombination sein können. Aktuell wehren sich ja gerade Tausende deutsche Bauern gegen den Vorwurf, sie hätten das Artensterben und Nitrat im Grundwasser mitzuverantworten.
„Der brennende Regenwald erschüttert mich“
„Wir brauchen eine andere Art der Landwirtschaft“, ist der Insektenfachmann überzeugt. Er sagt aber auch: „Die Bio-Landwirtschaft ist nicht gerade der Hotspot der Diversität. Anspruchsvolle Arten schaffen es da auch nicht.“ Pfeifer hält aber nichts davon, den Konflikt mit Landwirten zu schüren. Gleichwohl würden die SPD-Anträge zu den Themen Glyphosat und Nitrat demnächst im Umweltausschuss behandelt.
Und wie ist seine Gefühlslage in Sachen Klimawandel? „Ich sehe das eher düster“, sagt er, „weil der Verbrauch als Folge der Technisierung und des Bevölkerungswachstums weiter steigen wird.“ Und die Politik habe nun mal neben dem Umweltschutz auch das Wirtschaftswachstum als Ziel. Ganz besonders berührt ihn die Vernichtung des Regenwalds in Brasilien: „Ich war während des Forstwirtschaftsstudiums dort. Den Regenwald brennen zu sehen, erschüttert mich.“