Rhein-Pfalz Kreis Blickpunkt: Welttag der Partnerstädte: U-Boot-Basis, Knast und Heidi-Almen

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Reinhard Roos, Böhl-Iggelheim Übernachtung im Knast und eine eingefrorene Kamera

Bereits rund zehn Jahre bevor offiziell Gemeindepartnerschaften geschlossen worden sind, führte es Otto Johann, Landrat des damaligen Landkreises Speyer, nach Martell in Südtirol. Es wurde dort darüber gesprochen, wie man das gleichnamige Seitental des Vinschgau, das damals noch wirtschaftlich schlecht da stand, finanziell unterstützen könne. Im Januar 1965 begannen die Hilfsaktionen – insbesondere Schulbücher in deutscher Sprache und Kleidung wurden nach Südtirol gebracht. Im Frühjahr 1965 besuchten Büroleiter Kurt Hinderberger sowie der spätere Bürgermeister von Dudenhofen und Lehrer, Josef Zettler, mit einer Jugendgruppe Martell. Als Mitarbeiter des Landratsamts Speyer durfte ich mitfahren. Allein die Fahrt mit einem kleineren Bus der Firma Merl war ein unvergessliches Erlebnis – die steile Straße hoch! Wir zelteten auf einer Wiese hinter dem Gasthof Rose. Mit dem damaligen Bürgermeister Erwin Altstätter und dem Bergsteiger Franz Oberhofer erklommen wir die Berge der Region, auch den Cevedale mit 3769 Metern. Josef Zettler bat mich, da er nicht mitkonnte, seine Kamera mitzunehmen und auf dem Gipfel des Cevedale zu filmen. Die Kamera war schwer, aber leider schleppte ich sie umsonst mit hinauf: Sie war eingefroren, ihr war zu kalt. Zum gleichen Zeitpunkt waren Jugendliche aus Belgien im Martelltal, mit denen wir uns öfter trafen. Eines Abends war es dabei recht spät geworden. Als ich auf dem Nachhauseweg eine Brücke querte, nahmen mich zwei Carabinieri fest und sperrten mich in eine Arrestzelle. Wegen der vielen Anschläge, die zu dieser Zeit stattfanden (Südtiroler Freiheitskampf), war um 22 Uhr Ausgangssperre. Ich dachte, das war es wohl. Aber Vizebürgermeisterin Antonia Stricker erreichte am nächsten Tag meine Freilassung. Ein unvergessenes Erlebnis, das bei allen Besuchen Gesprächsthema ist. Offiziell wurde im Oktober 1974 die Partnerschaft zwischen Dudenhofen und dem Martelltal begründet, und ich durfte als Bürgermeister im April 2005 die Partnerschaft zwischen Schlanders und Böhl-Iggelheim aus der Taufe heben. Freundschaftskreis Dannstadt-Schauernheim-Bétheny Ein einsamer Rebstock auf dem Kreisverkehr Bei der Suche nach einer Partnerschaft in Burgund kamen wir viel zu spät, es gab keine Kandidaten mehr. Als Alternative bot sich Bétheny in einer anderen französischen Weingegend an, der Champagne. Doch unsere Überraschung war groß: Der einzige heute noch zu bewundernden Rebstock in Bétheny steht auf einem Verkehrskreisel am Anfang des Orts ... Seit zehn Jahren treffen sich die Mitglieder der Vereine einmal jährlich in beiden Gemeinden, um Geschichte und Kultur beider Regionen ausführlich zu erkunden und die Freundschaft zu vertiefen. Und jedes Jahr warten wir wieder gespannt darauf, was wir erleben. Bétheny liegt ja direkt neben Reims. Diese Großstadt ist nicht nur wegen ihrer Champagnerkeller bekannt, sondern auch wegen ihrer berühmten Kathedrale, die Krönungsstätte der französischen Könige war. Auch das Sportliche kommt bei dieser Partnerschaft nicht zu kurz. So sind wir schon mit dem Rad in sechs Etappen von Dannstadt nach Bétheny gefahren. Die Strecke sollte über die Treidelwege längs des Marne-Rhein-Kanals führen. Leider waren diese in Lothringen nicht mehr vorhanden oder unpassierbar. Aus 400 Kilometern sind 570 geworden. Eine Fahrt in die Gegenrichtung von Bétheny nach Dannstadt hat ebenfalls stattgefunden. Vereinsmitglieder aus Dannstadt-Schauernheim haben sich 2011 einer Gruppe aus Hinterweidenthal angeschlossen und sind dann unter Beifall vieler Schaulustiger durchs Ziel in Dannstadt gefahren. Die Radler wurden vom Bürgermeister mit einer Erinnerungsmedaille ausgezeichnet. Natürlich haben wir versucht, bei unseren französischen Freunden, den Saumagen einzuführen. Dazu hatten wir ein zwei Kilo schweres Prachtexemplar als Gastgeschenk mitgebracht. Die Mienen unserer Freunde waren beim Anblick der Kugel skeptisch, spätestens bei der Übersetzung des Namens ins Französische sank ihre Begeisterung auf null. Als sie aber sahen, mit welchem Appetit wir uns über das eigenartige Geschenk hermachten, gewann die Neugier Oberhand, aus Versuchen wurden schließlich normale Portionen. Heute ist der Saumagen voll akzeptiert. Getrunken wird bei unseren Treffen selbstverständlich Champagner, das festlichste aller Getränke. Emil Reis, Maxdorf Waidmannsheil und gute Freundschaft Als Beamter des ehemaligen Landkreises Ludwigshafen habe ich vor rund 35 Jahren regelmäßig an den zu Landrat Paul Schädlers Zeiten veranstalteten mehrtägigen Betriebsausflügen der Kreisverwaltung in die Südtiroler Partnergemeinden Martell (Martelltal) und Unser Frau (Schnalstal) teilgenommen. Lange Jahre kam ich danach mit meiner Familie mehr oder weniger häufig ins Schnalstal. Als 2011 eine meiner ehemaligen Mitarbeiterinnen mich daraufhin ansprach, ob wir nicht auch Urlaub in Martell, der Partnergemeinde Dudenhofens, machen wollen, war das der Beginn einer herrlichen Freundschaft. Während dieses Aufenthalts im Herbst 2011 lernte ich nämlich bei einer Wanderung im Hochgebirge den Wanderführer Florian Perkmann näher kennen. Unsere beider Leidenschaft, die Jagd, gab reichlich Gesprächsstoff. Weil es Schwarzwild im Martelltal nicht gibt, war Florian Perkmann über das Vorkommen und die Bejagung der Sauen in unserer Heimat bass erstaunt. Er bekannte, erst ein Stück Schwarzwild in seinem seit über 25 Jahre währenden Jägersleben erlegt zu haben. Und natürlich würde er gerne mal auf Schwarzwildjagd gehen. Spontan lud ich ihn in den Pfälzerwald ein. Er glaubte wohl zunächst nicht an die Ernsthaftigkeit der Einladung. Außerdem gestand er mir, zwar Auto zu fahren, aber keine Autobahnen zu benutzen. Also beschlossen wir, dass sein bester Freund Gottfried Ratschiller, ebenfalls begeisterter Jäger, ihn begleiten sollte. In der dritten Novemberwoche 2011 reisten die beiden an. Fünf herrliche Jagdtage verbrachten wir zusammen in Revieren verschiedener rheinland-pfälzischer Forstämter. Florian hatte auch gleich Waidmannsheil. Er konnte tatsächlich Schwarzwild erlegen. Auch Gottfried hat nun eine ansehnliche Jagdstrecke hingelegt. Inzwischen waren beide schon sechs Mal bei uns in Maxdorf, nicht nur zum Jagen. Im vergangenen Sommer verbrachten Gottfried, seine Frau und Tochter einen Kurzurlaub in der herrlichen Pfalz. Heuer werden wir unsere „Marteller“ wieder besuchen. Einfach herrlich, wie sich aus einer Urlaubsbekanntschaft eine inzwischen große – nicht nur auf die Jagd konzentrierte – Freundschaft entwickelte. Dass die beiden Naturburschen aus einer Partnergemeinde in Südtirol kommen, ist umso erfreulicher. So wird diese Partnerschaft auch gelebt! Bine Stoll, Neuhofen Wannen voller Kaiserschmarrn Seit 1990 fahre ich im Zweijahresrhythmus in die Partnergemeinden des Kreises im Vinschgau, um dort mit den 90 Kindern und Jugendlichen des Fußgönheimer Spielkreises Musiktheater aufzuführen. Wenn wir mit einem Doppelstockbus nebst Anhänger, einigen Begleitfahrtzeugen und dem „Musikschulbus“ (mit allen Kostümen und Requisiten für die Aufführungen) die Pfalz verlassen, ist Partystimmung angesagt. „Meine“ Kinder freuen sich unbändig und schon die Fahrt über den Fernpass ist ein Riesenevent. Am Reschensee ist traditionell der letzte Halt vor dem Ziel. Hier strömen alle aus dem Bus, der im Wasser stehende Kirchturm wird bestaunt, glitzernde Steine werden gesammelt, nur selten fällt jemand ins Wasser ... Spätestens ab dem Kreisel in Goldrain wird die Strecke insbesondere von den Großen, die schon mehrmals dabei waren, kommentiert: „Bine, weißt du noch, wie hier die Kaffeemühle (Requisite bei Räuber Hotzenplotz) aus dem Kofferraum fiel?“, „Gleich kommen die Zottelrindviehcher!“, „Schau mal Bine, das ist wie Heidi, nur echt!“ Udo, unser Busfahrer, bekommt in der steilsten Kurve tosenden Applaus, und oben in Martelldorf steht Alois, unser lieber Freund und einziger Gemischtwarenhändler des Dorfs, vorm Laden und heißt uns winkend willkommen. Vor Jahren wurden wir bei unserer Ankunft im Dorfgemeinschaftshaus (wo wir mit Isomatten und Schlafsäcken wohnen dürfen) vom damaligen Bürgermeister Erich Stricker mit der Mitteilung begrüßt, dass wir leider kein Wasser hätten, da ein Bagger die Leitung angefahren habe. Was tun, wenn man 90 Kinder hat und nicht einmal eine Toilettenspülung funktioniert? Unsere großen Jungs holten mit den riesigen Kochtöpfen Wasser aus dem Dorfbrunnen, dringende „Pippifälle“ wurden zu Alois gegenüber geschickt, die wieder herbeitelefonierten Bauarbeiter wurden von uns mit Schnittchen und Pfälzer Rotwein bei ihrem Arbeitseinsatz nach Feierabend verwöhnt. Und siehe da – nach zwei Stunden stand die Notleitung! Es sind die kleinen Dinge dort, die mich immer wieder berühren. Ein paar Beispiele: Eine alte Frau aus Martell, die uns nach dem Kirchenkonzert ein noch ofenwarmes Zopfbrot als Dankeschön schenkt. Die Mutter von Alois, die mir mitten im Konzert von hinten beim Dirigieren ein Häkeltuch umhängt, damit ich mich nicht verkühle. Die Führer im Archeoparc in Schnals, die gar nicht mehr fertig werden in ihrer Begeisterung „über meine tollen Kinder“. Der Führer in der Churburg, der unseren Kleinen den imposanten Schlüsselbund zwecks Auffindung von Geheimschlössern überlässt und sie dann noch Kettenhemden und Helme anprobieren lässt. Graf Trapp, der mich auf seiner 400 Jahre alten Baldachin Orgel spielen lässt und höchst selbst den Blasebalg betätigt. Die Wannen von köstlichstem Kaiserschmarrn, die uns die Besatzung von der Pension Edelweiss backt, und, und, und! Das Allerschönste ist eigentlich, dass sich auf beiden Seiten so viele Kinder auf die Begegnung freuen. Schließen möchte ich mit dem Satz des damals achtjährigen Paul, der noch nie im Hochgebirge war und im Schlafanzug am ersten Abend an der großen Scheibe des Schlafsaals stand: „Also, ich habe mir schon gedacht, dass es hier schön ist. Aber dass es sooo schön ist, konnte ich mir nicht vorstellen!“ Helmut Karch, Ludwigshafen Dialog an der U-Boot-Basis In den Anfangsjahren der Partnerschaft sind wir nach Lorient gereist, um die Stadt näher kennenzulernen. Interessant waren für uns natürlich die Häfen, zunächst der Fischereihafen, dann der Handelshafen und zuletzt die U-Boot-Basis. Diese wurde damals von der französischen Marine genutzt. Wir kamen dort an und mussten uns ausweisen. Wir legten unsere Pässe vor, um dann zu erfahren, dass der Zugang Ausländern nicht gestattet ist. Da erzählte ich, dass wir aus Lorients Partnerstadt kommen und von U-Booten ohnehin nichts verstehen würden. Nach einigen weiteren netten Worten ließ sich der Militärpolizist schließlich erweichen, und wir durften die Basis besuchen. Die Pässe wurden einbehalten. Als wir sie abholten, ergab sich folgender Dialog: Polizist: „Sie sind aber viel gereist.“ Ich: „Sie sind aber neugierig.“ Polizist: „Das ist meine Aufgabe ...“ Damit hatte er natürlich recht. Helmut Schneider, Ludwigshafen Mit Rettungshunden in die Tiefe steigen Leider kann ich nicht über eine Partnerschaft mit einer Gemeinde in Südtirol berichten. Aber wir führen Freundschaften mit dem italienischen Roten Kreuz. 1983 waren wir Feriengast in Algund. Durch diesen Ort sind die Radsportler (Giro d’ Italia) gefahren. Die Sicherheit auf der Strecke stellten Polizei und Rotes Kreuz her. Ich habe mich mit einem Südtiroler Rot-Kreuzler unterhalten. Ich wollte wissen, wie die Organisation in einem anderen Land arbeitet. Die Folge: Der DRK-Ortsverein Lu-Friesenheim bekam eine Einladung, um zu lernen, wie eine Rettung im Gebirge funktioniert. Solche Seminare beruhen inzwischen auf Gegenseitigkeit. Während die Italiener hier schon geübt haben, ein brennendes Haus zu löschen, waren wir mit der Rettungshundestaffel von Meran in den Bergen. Eine der „Übungsverletzten“ fragte damals, als wir endlich auftauchten: „Wo kommt ihr so spät her? Wenn mich der Hund nicht abgeschleckt hätte, wäre ich eingeschlafen.“ Inzwischen sind auch privat deutsch-italienische Freundschaften entstanden. Immer wieder beherbergten wir Gäste, die hier studierten oder Praktika machten. Zum Schluss noch etwas zum Schmunzeln: Einen Praktikant, sein Dienst im Krankenhaus sollte um 6 Uhr beginnen, hat meine Frau durch Klopfen an die Tür geweckt. Er antwortete: „Ja, ich komme runter.“ Als er nach eine halben Stunde sich noch nicht gemeldet hatte, schaute ich mal nach ihm. Er saß auf der Bettkante und war dort wieder eingeschlafen. Inge Schornick-Marx, Ludwigshafen Keine Gemeindepartnerschaft, dafür eine wunderbare Brieffreundschaft Ich möchte die Geschichte einer wunderbaren Brieffreundschaft erzählen: 1947 (ich war 11 ) lernte ich durch meinen Bruder einige Quaker kennen, die in den Baracks in der Pettenkoferstraße zu Hause waren. Als sie in die USA zurückkehrten fand ein reger Briefwechsel statt. Der letzte Brieffreund ist inzwischen 92 Jahre alt, und wir tauschen immer noch Erinnerungen aus. 1996 haben wir uns in Lu nach langer Zeit gesehen – und erkannt.

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