Rhein-Pfalz Kreis Bleiben im Winter lieber hier
«Bobenheim-Roxheim.» „Köpfchen in das Wasser, Schwänzchen in die Höh“ – diese Kinderliedzeile haben die Schnatterenten mitgeprägt. Drei bis vier Brutpaare der Art hat der Vogelkundler Thomas Dolich am Roxheimer Altrhein ausgemacht. Insgesamt ist der Bestand in Rheinland-Pfalz spärlich: Mit nur 15 bis 25 Paaren zählt die Schnatterente zu den seltenen Brutvögeln im Land.
Es gibt Tauchenten und Gründelenten. Zu Letzteren zählt die Schnatterente. Die Einteilung zielt auf die Futtersuche ab. Die Schnatterente schwimmt in nährstoffreichen flachen Gewässern oder in Uferzonen. Ihre Nahrung nimmt sie direkt von der Wasseroberfläche auf, etwa Teichlinsen. Oder sie gründelt. Das heißt, sie sucht den Grund des Gewässers nach Pflanzen und Samen ab. Dann geht – wie im Lied „Alle meine Entchen“ – der Kopf ins Wasser und das Hinterteil in die Höhe. „Nach unten kommt sie entsprechend der Reichweite von Schnabel und Hals nicht tiefer als 30 bis 35 Zentimeter“, erklärt Dolich. Vielleicht gesellt sie sich deshalb so gerne zum Blässhuhn, das als toller Taucher Schnecken, Muscheln oder Pflanzen mit nach oben bringt. Und da stibitzt die Ente gerne. Vegetarierin ist sie keineswegs, auch Kleininsekten und Larven bleiben als „feste Brocken“ zurück, während das Wasser durch die Lamellen ihres Seih- oder Filterschnabels fließt. Gefressen wird auch nachts. „Dann gibt es weniger Störungen. Dafür ruht sie am Tag mal aus“, sagt Dolich. Allerdings schliefen Vögel generell nicht so fest wie Säugetiere. Die Heimat- und Hauptbrutgebiete der Schnatterente liegen in Nordeuropa und den weiten Steppen Osteuropas. Von dort fliegt sie ins Winterquartier nach West- und Südosteuropa, eher selten bis nach Afrika. Der Roxheimer Altrhein ist laut Dolich seit jeher für Zugvögel eine attraktive Station, um wieder aufzutanken, sich sattzufressen. Die Gewässer hier frieren seltener zu. So können etliche Arten auf die weite Reise nach Süden verzichten – auch die Schnatterente. „Die Art hat sich in mehreren Wellen nach Südwesten ausgebreitet“, sagt Dolich. Erstmals in Rheinland-Pfalz gebrütet habe die Schnatterente 1964 am Neuhofener Altrhein, in Roxheim ab 2001, sagt der Experte. Vorteilhaft sei hier die Koexistenz von Vogelschutz und Naherholung. Dabei ist der Mensch Feind Nummer 1. Denn er zerstört weiter den Lebensraum der Wasservögel und verschmutzt Gewässer. Zu den natürlichen Feinden zählen Füchse und Greifvögel. Wenn in kalten Wintern die Flachwasserzonen für längere Zeit zufrieren, muss sie weiterwandern. Kein Entrinnen gibt es bei niedrigem Wasserstand, wenn sich im sauerstoffarmen Milieu das in Schlamm und Sand schlummernde Gift Botulin explosionsartig vermehrt. Eine solche Epidemie treffe ganze Kolonien von Vögeln. Helfen könne dann nur die Zufuhr von Frischwasser, weiß Dolich. Im Juli zieht die Schnatterente ihre Brut auf. Ein Gelege besteht laut Dolich aus acht bis zwölf Eiern. Nach etwa 26 Tagen schlüpfen die Küken. „Als Nestflüchter sind sie sofort mobil“, sagt Dolich. Sie suchen sich selbst Futter – im Gegensatz zu den Nesthockern, die von den Eltern aufgezogen werden. Nach rund sieben Wochen ist der Schnatterentennachwuchs flügge, nach rund einem Jahr geschlechtsreif. In der Regel hat die Ente nur einmal im Jahr Nachwuchs, es sei denn, die Brut gehe durch Nesträuber verloren. Eher selten überleben alle geschlüpften Küken – der natürliche Schwund sei von der Natur einkalkuliert, meint Dolich. Wie bei den meisten Enten muss auch die Schnatterentenmama ihren Nachwuchs alleine aufziehen. „Die Männchen mausern unter Umständen schon wieder ihr Gefieder“, sagt Dolich. Das heißt, Papa wechselt vom prachtvollen Balzkleid zu einem Schlichtkleid: Der Schnabel ist dann schwarz, das Gefieder grau und braun mit feiner Zeichnung, Dolich nennt das leicht kringelige Muster Wölkung. Ein besonderes Merkmal der Schnatterente sei ihr weißer Bauch. Im Aussehen ähneln sich Schnatter- und Stockentenweibchen. Das kann der geschützten Schnatterente zum Verhängnis werden. Um beide unterscheiden zu können, müsse der Jäger schon sehr genau hinschauen, meint Dolich. Neben dem grazileren Körperbau sei ein bisweilen verdecktes, weißes Flügelfeld, der sogenannte Flügelspiegel, ein Unterscheidungsmerkmal. Schnatterenten können bis zu 13 Jahre alt werden, das bislang älteste bekannte Exemplar soll sogar 22 Jahre alt geworden sein. Serie Silbersee und Roxheimer Altrhein sind in Rheinland-Pfalz wichtigste Gewässer für rastende Wasservögel. Doch nicht nur auf dem See können allerlei exotische Gäste und bekannte Anwohner beobachtet werden. Auch im Gebüsch und in den Wipfeln flattert und trällert es. In „Hergezwitschert“ stellen wir Vogelarten der Region vor.