Mutterstadt
Blütenpracht auf dem Palatinum-Dach
„Es ist wunderschön dort oben, wenn alles blüht“, schwärmt Sabine Franke von der Lokalen Agenda über das Dach des Mutterstadter Palatinums. Von unten ist die prächtige Naturkulisse hingegen nicht zu erkennen. Dass hier neben kulturellen Angeboten, Konferenzen und Gastronomie – in pandemiefreien Zeiten, versteht sich – noch etwas anderes blüht, können Besucher des Palatinums nicht ahnen.
Angefangen hat alles am 14. November 2018, als auf dem Flachdach des Veranstaltungszentrums Zwiebelpflanzen gesteckt wurden. Das Bauamt der Gemeinde habe zunächst vorgehabt, die Fläche mit nur einer Pflanzenart zu begrünen. „Das haben wir von der Agenda mitbekommen und vorgeschlagen, stattdessen viele verschiedene Pflanzen zu verwenden“, sagt Franke. Die Anregung habe die Gemeinde gerne auf- und auch angenommen. Dass dort oben überhaupt eine Pflanzaktion stattgefunden hat, liege daran, dass der Dachgarten zur Ausgleichsfläche für den Bau des Palatinums gehört.
1000 Blumen sollen Bienen anlocken
Am 19. Dezember 2018 haben sich die Beteiligten ans Werk gemacht: Mit Hilfe einer Hubarbeitsbühne schafften Bauhof-Mitarbeiter etwa 1000 Blumenpflanzen nach oben. Die umfassten pfirsich- und rundblättrige sowie Dalmatiner Glockenblumen, Klippen-Leimkraut, Heide- und Kartäusernelken, Sand- und Breitblättrigen Thymian, Kriechendes Gipskraut, Römische Kamille und Echtes Leinkraut. Beim Einpflanzen halfen Hermann Humm, Josef Rödl, Werner Stubenrauch und Biologin Ulla Herbold-Weiß von der Agenda. „Das ganze Material hat die Gemeinde bereitgestellt“, sagt Franke.
Ein Ziel der Aktion bestand auch darin, Wildbienen ein reichhaltiges Nahrungsangebot zu bieten und mit einem eigens aufgeschütteten Sandhügel zum Beispiel Erdbienen eine Gelegenheit zu geben, für Nachwuchs zu sorgen. Diese Wildbienenart gehört zu den geschützten Arten. „Im Sommer 2019 wurde der Hügel – den Sand hat ebenfalls der Bauhof hochtransportiert – schon gut angenommen. Wir haben dort Gänge und Nisthöhlen gesehen“, erzählt Franke. Die starken Äste, die bei der Pflanzaktion neben den Blumen und dem Sand aufs Dach gebracht wurden, sollen den Sandhügel eingrenzen und staatenbildenden Insekten als Nistmaterial dienen.
Grünes Dach soll Nachahmer finden
Zusätzliche Arbeits- oder Pflegeeinsätze seien auf dem Dachgarten nicht nötig, seit Dezember 2018 werde die Fläche der Natur überlassen. „Wir versuchen, regelmäßig in jeder Jahreszeit hochzugehen, um zu sehen, was dort inzwischen alles blüht, zum Beispiel nach Regen“, sagt Franke voller Vorfreude auf die nächste Stippvisite. Zumal ihre Mitstreiter und sie bei einem ersten Besuch im Frühling schon blühende Traubenhyazinthen und summende Insekten beobachtet hätten.
Mutterstadts Gemeindegärtner Thomas Bauer und seine Leute kontrollieren die Entwicklung des Trockenrasen-Biotops noch öfter. „Sie greifen aber nur ein, wenn mal ein Bäumchen aufgeht. Das wird dann entfernt“, sagt Agenda-Mitglied Sabine Franke. Daneben hofft die Agenda ihr zufolge nun, dass dieses schöne Beispiel für eine gelungene Dachbegrünung andere Mutterstadter inspiriert und zum Nachahmen anregt. „Denn jedes noch so kleine begrünte Dach hilft der Natur und Umwelt“, sagt sie.