Dudenhofen Bildhauerkurs der Volkshochschule
rWarum tue ich mir das an? Die Frage hat sich Jens Glaser am Samstagnachmittag gestellt, nachdem er bei sommerlicher Hitze Minimum gefühlte 700 Mal auf dem Rathausvorplatz auf einen Sandsteinblock gehämmert hat. Eine Vogeltränke soll daraus werden. Anders als in seinem Beruf wird Glaser beim Ergebnis dabei nicht in die Röhre schauen.
Die EDV ist im Alltag das Steckenpferd des 29-jährigen Verwaltungsbeamten aus Bobenheim-Roxheim. „Alles sehr technisch“, meint er und lächelt. Genau deshalb gönnt er sich seit Samstag sein persönliches „Cooldown“, wie es Glaser nennt, unter anderem in Form eines Bildhauerkurses der Volkshochschule Dudenhofen.
Auspowern am Stein
„Sich am Stein auszupowern ist nicht verkehrt“, betont der Neuling in einer Gruppe von Gleichgesinnten, die alle bereits reichhaltig Erfahrung im Umgang mit Sandstein und Werkzeug gemacht haben. Leiden gehört dazu, hat Glaser bereits gemerkt. Das anhaltende Schlagen des harten Materials geht in die Arme.
Für Gustav Adlhoch (73) ist das längst keine Anstrengung mehr. Er ist vor zwölf Jahren beim regelmäßig wiederkehrenden Bildhauerkurs eingestiegen. „Man braucht nicht unbedingt Kraft, sondern die richtige Schlagtechnik“, sagt er im RHEINPFALZ-Gespräch. Die komme automatisch mit der Zeit.
Kunst für den Garten
Neuland betritt der in Speyer geborene und vor 42 Jahren nach Dudenhofen umgesiedelte Mann diesmal dennoch. „Ich mache zum ersten Mal etwas Kleines“, erklärt er. Dem Wunsch seiner Frau entspricht er damit, denn diese gab zu bedenken: „Ich weiß nicht, wie viel Kunst unser Garten noch verträgt.“ Ein Figuren-Ensemble hat sich Adlhoch daher vorgenommen: eine Person, die sitzt, eine, die auf dem Bauch liegt, eine, die sinniert. „Die Figuren werden grob behauen. Nur einzelne Partien werden weiter herausgearbeitet“, kündigt Adlhoch das weitere Vorgehen an. Sandstein ist für den leidenschaftlichen Kunsttreibenden ein dankbares Material.
Die Feinheiten sind es, die auch Eveline Sanderbeck (64) faszinieren. „Wenn man so einen Klotz vor sich liegen hat, ist das immer beängstigend. Die ersten zwei, drei Tage sind bei der Bearbeitung die Härtesten“, meint die Dudenhofenerin. Im vergangenen Jahr hat sie im VHS-Kurs begonnen, die fünf Sinne darzustellen. Mund und Ohr stehen zuhause bereits als Blickfang im Garten. „Diesmal ist die Nase dran“, informiert sie, deutet auf die bereits vorhandenen Hügel auf dem Stein und ergänzt: „Im Moment sieht es noch aus wie eine Schnauze.“
Abstrakt und leicht
Nach zwei Jahren Kreativpause hat Inge Grefenstein (54) aus Altrip den Weg wieder zum Kurs gefunden. „Der Spaß und die Freude daran, den Sandstein zu gestalten, treiben mich her“, fasst sie zusammen. Abgesehen davon mag sie die tolle Teilnehmerrunde. Eine Figur mit Durchbruch soll unter ihren Fingern entstehen, die mit Fäustel, Flach- und Spitzeisen arbeiten. „Das wirkt sehr abstrakt und leicht“, führt sie aus. Ein Foto hat sie als Impuls dabei.
Die Leiterin der VHS, Marliese Goldschmidt, legt ebenfalls wieder Hand an einen Sandstein. Ihrer Vorliebe für dieses Handwerk ist es zu verdanken, dass der Kurs im 13. Jahr läuft. Es wird vorerst der letzte sein. Goldschmidt gibt die Position ab. Mit ihr geht auch Steinmetz- und Bildhauermeister Holger Grimm (Speyer), der den Sandstein von der Haardt in Neustadt besorgt und den Teilnehmern abends mit Rat, Tat, Tipps und Tricks zur Seite steht.
Eine weibliche Stele hat sich Goldschmidt diesmal vorgenommen. 2001 hat sie mit der Sandsteinarbeit an der Freizeitschule in Mannheim begonnen. „Die Leute vor Ort nehmen das gut an. Viele kommen vorbei, schauen uns zu und begutachten am Ende der Woche die Ergebnisse“, freut sich Goldschmidt. Eine Finissage wie üblich wird es Corona-bedingt diesmal nicht geben. Bei der Arbeit Zuschauen lassen sich alle elf Kreativlinge bis Freitag noch gerne.