Lambsheim RHEINPFALZ Plus Artikel Besuch beim Seniorentreff: „Schön, aus der Stille rauszukommen“

Gesprächsbedarf: Die Senioren kommen vor allem, um zu reden.
Gesprächsbedarf: Die Senioren kommen vor allem, um zu reden.

Ein schön gedeckter Tisch, Kerzenlicht und drumherum eine muntere Gesellschaft – so präsentiert sich der Lambsheimer Seniorentreff. Seit Februar gibt es ihn. Für die Besucher ein „wunderbares Angebot“ des Seniorenbeirats der Verbandsgemeinde Lambsheim-Heßheim. Ein Besuch.

25 Senioren sind es an diesem Dienstagnachmittag, die meisten sind schon vor dem offiziellen Beginn um 14 Uhr da. Ist laut Statistik in Lambsheim das Verhältnis der Geschlechter ab 65 Jahren ungefähr gleich, so sind hier die Frauen in der Mehrzahl. Nur zwei Männer sind mit ihren Partnerinnen gekommen, um sich die nächsten zwei Stunden mit anderen Senioren auszutauschen. „Wir leben in wilder Ehe“, scherzt Klaus Mangold (86). Mit Kurt Schwarztrauber (74) haben die vier auch einen Chauffeur. „Früher haben wir andere mitgenommen, jetzt werden wir mitgenommen“, stellt Inge Ader (74) fest, die den neuen Seniorentreff gut findet. Sie weist auch auf ein ähnliches Angebot in Lambsheim hin, den „Club der Alten“ mit monatlichen Treffen im Vogelverein, privat organisiert vom Lambsheimer Klaus Kohl.

Statistisch gesehen war – Stand 31. Dezember 2021 – jeder fünfte Lambsheimer über 65 Jahre alt (1558 von 7072 Bürgern), davon 851 Frauen. Da erscheint der Zuspruch zum Seniorentreff recht gering auszufallen. Renate Glover, Vorsitzende des Seniorenbeirats der VG als Organisator, freut sich zumindest über jeden der kommt, eine Anmeldung ist nicht nötig. Wem der Weg zu weit ist oder wer schlecht zu Fuß sei, der könne auch den Bürgerbus in Anspruch nehmen.

Zwangloser als eine Vereinsmitgliedschaft

Aus Sicht des Seniorenbeirats war die Etablierung des Treffs nach vielen Jahren ohne dieses Angebot wichtig. „Alle Ortsgemeinden in der VG haben einen Seniorentreff“ – das Konzept sei ähnlich, nur der Name unterscheide sich. Doch was sagen die Senioren zu dem Angebot, die an diesem Nachmittag gekommen sind?

„Es ist eine schöne Abwechslung“, meint Gisela Hügenell (93). Wie viele der Frauen hier lebt sie allein. Bei Dagmar Klar (69) leben Tochter und Enkel im Haus, die sie ab und an betreut. Längere Strecken zu laufen, falle ihr schwer. Hildegard Hofmann (89) wird von ihrer Tochter versorgt, sie ist froh, „hier mal wieder andere Gesichter zu sehen“. Manchmal, erzählt sie, „stehe ich am Hoftor und plaudere mit Passanten“. Anneliese Hegenbart (82) geht viel spazieren, freut sich aber als Alleinstehende, „mal zwei Stunden mit jemanden reden zu können, der Seniorenbeirat gestaltet das wunderbar“. Für Angebote wie Gesangsverein und Kirchenchor müsse man Mitglied sein, bestimmte Zeiten einhalten, „hier ist es locker, das ist schön“.

Vorgängertreff war eingeschlafen

Den zwanglosen Treff begrüßt auch Sonja Lembach (77). „Ich kann nicht mehr so, kann keine festen Zeiten einhalten. Hier nimmt es niemand krumm, wenn ich mal nicht kommen kann. Ich höre gern zu, erzähle auch gern. Ich habe keinen Bekanntenkreis, und es ist schön, aus der häuslichen Stille rauszukommen.“ Marianne Christ (85) ist noch recht aktiv, fährt Fahrrad, besucht ihre Freundin oder fährt in die Heimat ins Rheinland. Recht rege ist auch Ute Schneider (77). Sie lebt allein, pflegt ihren Garten, geht regelmäßig turnen. Mit zwei Freundinnen trifft sie sich alle zwei Wochen zum Rommé. Doch auch sie freut sich über das „wunderbare Angebot für ältere Leute, die nicht mehr so können, nicht mehr fortkommen und so ein bisschen raus können“. Die Aktion sei sehr gut, betont sie. Sie erinnert sich noch an den Vorgängertreff, der, weil das niemand mehr gemanagt habe, eingeschlafen sei, bedauert sie im Rückblick.

Aktiv ist auch Susanne Kollem (71). Sie liest gern, interessiert sich für Politik und Sport. Sie kommt im elektrischen Rollstuhl. Aus ihrem Handicap mache sie das Beste, lasse sich nicht unterkriegen, sagt sie. Sie gibt noch Nachhilfe. Stolz ist sie auf einen jungen Libanesen, der nicht lesen und schreiben konnte – „und mittlerweile das beste Zeugnis seiner Klasse in der Realschule hat“, berichtet sie. Den Seniorentreff besucht sie, „weil man hier Leute trifft, die man oft jahrelang nicht gesehen hat und wieder ins Gespräch kommen kann“.

„Die Mehrheit kommt, um sich zu unterhalten“

Renate Glover und ihr Team bewirten die Runde, die sich jeden zweiten Dienstag im protestantischen Gemeindehaus im Stadtgraben 25 trifft. Die Räume im barrierefrei erreichbaren Untergeschoss hat die Kirchengemeinde kostenlos überlassen, die VG übernimmt die Kosten für Heizung, Strom und Wasser, die Lambsheimer Landfrauen steuern Kuchen gegen Materialkosten bei – heute gibt es Donauwellen und Käsekuchen, Käse- und Knabbergebäck –, der Seniorenbeirat bietet zudem Deftigeres wie Käseplatte an. Kostenlos. Wer möchte, kann in eine dezent platzierte schwarze Schuhschachtel als Spendenbox mit Schlitz etwas einwerfen.

Und wer will, kann zu einem Brett- oder Kartenspiel greifen, „aber die Mehrheit kommt, um sich zu unterhalten“, weiß Glover. Über die Resonanz freut sie sich. Bei 20 bis 25 Leuten habe sich die Anzahl der Besucher mittlerweile eingependelt. Erwartungen an die Entwicklung habe sie keine, aber sie freut sich über jeden Senior, der das Angebot annimmt.

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