Rhein-Pfalz Kreis „Besser als allein zuhause zu sitzen“

Im Cafe Vergiss-mein-nicht wird geplaudert, zusammen Kaffee getrunken und sich fit gehalten.  Foto: krx
Im Cafe Vergiss-mein-nicht wird geplaudert, zusammen Kaffee getrunken und sich fit gehalten.

. Ursprünglich war das Café Vergiss-mein-nicht für an Demenz Erkrankte gedacht – heute ist das Publikum gemischt. Und das harmonisiert ganz gut – bei Sitzgymnastik, Spielen, Gedächtnistraining und natürlich Kaffee und Kuchen.

Akkordeon-Musik und Gesang dringt aus dem Raum im Neubau der ökumenischen Sozialstation Limburgerhof. An diesem Dienstag ist Monika Keller vom Handharmonika-Club Schifferstadt im Café Vergiss-mein-nicht zu Besuch und musiziert mit den Senioren. Die Lieder können die meisten auswendig mitsingen.

Und singen macht hungrig und durstig, die Tasse Kaffee und den leckeren selbst gebackenen Kuchen haben sich die Besucher des Cafés redlich verdient. Viele kommen schon seit Jahren hierher und haben allerhand miteinander zu erzählen. Man plaudert über Gott und die Welt und freut sich über ein bisschen Abwechslung im für viele monoton gewordenen Alltag.

Es wird gesungen, gespielt und erzählt

Das Café Vergiss-mein-nicht wurde vor 16 Jahren von der ökumenischen Sozialstation Limburgerhof ins Leben gerufen. Zu einer Zeit, als das Thema Demenz in den Fokus der Öffentlichkeit rückte und die Mitarbeiter der Sozialstation im Umgang mit Demenzkranken geschult wurden. Sabine Humm und Petra Matz haben damals aufwendige Weiterbildungen auf dem Gebiet gemacht. „Sie wollten ihr Wissen dann ja auch anbringen und hatten die Instrumente wie Gedichte, Lieder, Spiele oder Literatur bei der Hand“, erzählt Schwester Bärbel Fritsch, die ehemalige Leiterin der Sozialstation. So ist das Café Vergiss-mein-nicht als ein Betreuungsangebot für Demenzkranke, aber auch zur Entlastung der pflegenden Angehörigen konzipiert.

Begonnen hat es in der Küche der Sozialstation, dann zog das Café erst in das Wohnzimmer einer Wohngruppe in der Pro seniore Residenz und später in den Seniorentreff in Mutterstadt um. Seit Juli hat das Café Vergiss-mein-nicht nun endlich einen eigenen Raum im gerade fertig gestellten Erweiterungsbau der ökumenischen Sozialstation Limburgerhof in der Kirchenstraße.

Sabine Humm und die Senioren sind begeistert von dem schönen Raum – und das nicht nur, weil er klimatisiert ist und Stauraum bietet. Zweimal pro Woche, Dienstag und Mittwoch von 14.30 bis 17 Uhr, findet das Café Vergiss-mein-nicht statt. Rund 15 Senioren zwischen Anfang 60 und Mitte 90 kommen im Schnitt zu den Treffen. Sabine Humm, die die Dienstagsgruppe leitet, und Petra Matz, die mittwochs im Café ist, werden von Mitarbeiterinnen der Sozialstation und der Nachbarschaftshilfe unterstützt.

„Wenn sie mal da waren, kommen sie gern wieder“

Ursprünglich sei das Café Vergiss-mein-nicht zwar als Angebot für Menschen mit Demenz gedacht, erzählt Sabine Humm. „Heute ist das Publikum gemischt. Das harmonisiert sehr gut. Man hilft sich gegenseitig“, sagt sie. Viele Senioren seien einsam zu Hause, wenn die Mitarbeiter der Sozialstation das mitbekommen, laden sie sie ins Café Vergiss-mein-nicht ein. „Sie vom Sofa hierher zu bekommen, ist die Schwierigkeit. Aber wenn sie einmal hier waren, kommen sie gerne wieder“, weiß Sabine Humm.

Das bestätigen Elfriede Zachrau (90) und Frieda Rief (93). Die beiden betagten Damen aus Mutterstadt sind zum ersten Mal hier und begeistert. „Das ist besser, als alleine zu Hause zu sitzen. Ich komme ja nicht mehr viel raus, weil ich nicht mehr Auto fahren kann“, sagt Elfriede Zachrau. Die beiden Damen haben ein paar Runden Bingo mitgespielt und tatsächlich auch schon kleine Preise gewonnen. Auch am Sport, Gymnastik im Sitzen, haben sie teilgenommen. Das ist nicht gerade der beliebteste Teil des Nachmittags, aber Mobilisation und Bewegungskoordination gehöre schließlich auch zum Angebot im Café Vergiss-mein-nicht. Ebenso wie Gedächtnistraining auf ganz unterschiedliche Weise – mal mit Geschichten, mal mit Gedichten, mal mit Liedern zu bestimmten Themen. „Oder mit Sprichwörtern, das machen unsere Besucher mit viel Liebe, das können sie aus dem Effeff“, erzählt Sabine Humm.

Der Nachmittag geht schnell vorbei. Um 17 Uhr stehen die Chauffeure auch schon parat und bringen die Besucher nach Hause. Die sind, das weiß Sabine Humm von den Angehörigen, dann ziemlich müde.

Noch Fragen?

Café Vergiss-mein-nicht, Dienstag und Mittwoch von 14.30 bis 17 Uhr in der Ökumenischen Sozialstation Limburgerhof, Kirchenstraße 29, Telefon 06236/61543.

Die Serie

Bei einer Tasse Kaffee ungezwungen über Dinge reden, die einen bedrücken, interessieren oder auf den Nägeln brennen: In vielen Gemeinden des Kreises gibt es dafür Cafés oder Stuben. In unserer Serie „Auf einen Kaffee“ stellen wir einige vor.

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