DUDENHOFEN / SPEYER RHEINPFALZ Plus Artikel Benno Löffler, der Dorfchronist mit Kamera

Hofft, dass bald wieder Veranstaltungen in seiner Heimatgemeinde stattfinden können: Benno Löffler vor dem Dudenhofener Rathaus.
Hofft, dass bald wieder Veranstaltungen in seiner Heimatgemeinde stattfinden können: Benno Löffler vor dem Dudenhofener Rathaus.

Eigentlich wollte Benno Löffler nur die Spiele der von ihm trainierten Dudenhofener Handballteams für ein paar Interessierte in bewegten Bildern festhalten. Doch das Filmen hat ihm so viel Spaß gemacht, dass er bald darauf und dann über Jahrzehnte fast jeden Termin im Dudenhofener Veranstaltungskalender mit der Kamera aufgezeichnet und im Offenen Kanal gezeigt hat.

„Ich habe fast 10.000 Filme gemacht“, erzählt der 69-Jährige. Egal ob Spargelfest, Kreativtage, die Amtseinführung eines neuen Bürgermeisters oder auch kleinere Vereinsveranstaltungen – Benno Löffler war in den vergangenen drei Jahrzehnten fast immer dabei, wenn etwas los war in Dudenhofen. Auch RHEINPFALZ-Podiumsdiskussionen vor Wahlen hat er für den Offenen Kanal begleitet. 50 Terabyte nehmen seine filmischen Dokumente des Ortsgeschehens auf Festplatten mittlerweile ein. Beim Offenen Kanal Speyer hat Löffler inzwischen eine feste Sendezeit von drei Stunden pro Woche, die er mit seinen Aufnahmen füllen kann.

Derzeit laufen allerdings keine neuen Filme, denn seit Beginn der Corona-Pandemie steht das öffentliche Leben auch in Dudenhofen quasi komplett still. Die einzige öffentliche Veranstaltung, die er im Jahr 2020 gefilmt hat, war die Weinlese im Gemeindewingert. „Die Kamera steht ansonsten seit einem Jahr im Eck“, sagt Löffler. Im Offenen Kanal könne er derzeit nur Wiederholungen zeigen. Die Auswahl trifft er dabei, je nachdem welches Ereignis gerade eine runde oder halbrunde Anzahl von Jahren zurückliegt. Zuletzt waren beispielsweise der Dudenhofener Neujahrsempfang von 2006 und die Einführung von Clemens Körner als Bürgermeister der damaligen Verbandsgemeinde Dudenhofen im Jahr 2001 in der Harthausener Heilsbruckhalle zu sehen.

Meist ohne Bezahlung

„Als Ur-Dudenhöfer bin ich sehr heimatverbunden“, sagt Benno Löffler. Die Verbindung zu seiner Heimatgemeinde ist nie abgerissen, obwohl er schon lange in Speyer lebt. Dass er für seine Mission, das Ortsgeschehen zu dokumentieren, mit wenig Unterstützung rechnen kann, damit hat er sich abgefunden. Bezahlt worden sei er für seine Filmdokumente so gut wie nie. Bei der Amtseinführung des heutigen Landrats als Dudenhofener Bürgermeister beispielsweise sei er gefragt worden, ob er filmen könne – „nadierlich fer umme“, erinnert sich Löffler. Aber auch ohne Bezahlung: Ein solch wichtiges Ereignis im Dorfleben für die Nachwelt festzuhalten, war für Benno Löffler eine Selbstverständlichkeit – auch wenn er selbst früher örtlicher SPD-Vorsitzender und Körner CDU-Bürgermeister war. „Ich bin Duddehöfer, kein Politiker“, sagt er.

Erst seit wenigen Jahren hat Benno Löffler beim Filmen und Schneiden des Materials Unterstützung von Georg Stumpf, der ebenfalls eigene Beiträge für den Offenen Kanal erstellt. Bei größeren Veranstaltungen arbeitet Löffler dann mit mehreren fest installierten und beweglichen Kameras. Wie viele Menschen seine Filme beim Offenen Kanal ansehen, kann er zwar nicht genau sagen, weil das nicht erhoben wird. Doch die Rückmeldungen, die er bekommt, lassen den 69-Jährigen vermuten, dass es doch einige sind. Interessant seien seine Filme für viele alte Menschen, die so am Dorfgeschehen teilhaben können, auch wenn sie nicht mehr selbst zu Veranstaltungen gehen.

Lieblingstermin war Spargelmenü

Nach seinem Lieblingstermin im vor Corona noch gut gefüllten Dudenhofener Veranstaltungskalender gefragt, muss Benno Löffler nicht lange überlegen: Das Spargelmenü zugunsten der Lebenshilfe, das Tobias Hellmann, der aus Dudenhofen stammende Chefkoch des deutschen Botschafters in Paris, zubereitet. „Wo es etwas Gutes zu essen gibt, da bin ich daheim“, sagt der 69-Jährige und lacht.

Ein paar Jahre lang hat Löffler eine eigene kleine Nachrichtensendung für Dudenhofen produziert. „Das Ansinnen war, eine Art Magazin zu machen. Aber das war sehr viel Arbeit“, erinnert er sich. Sich an aufwendig geschnittenen Beiträgen mit technischen Effekten zu verkünsteln, sei ohnehin nicht so sehr sein Ding, sagt Löffler. „Dafür fehlen mir Geduld und Ausdauer.“ Vielmehr geht es ihm darum, möglichst viel des Dorfgeschehens festzuhalten. „Mich interessiert die Dokumentation“, stellt er klar.

Datenschutz macht Probleme

Angefangen hat die Passion fürs Filmen bei Benno Löffler vor 40 Jahren, als er sich seine erste Kamera gekauft hat. „Los ging es mit VHS, später bin ich auf Digital umgestiegen“, erinnert er sich. Rund 70.000 Euro habe er im Laufe der Zeit in Kameras sowie Computer-Hard- und -Software investiert, schätzt der pensionierte Lehrer. Erschwert hätten sein Hobby zuletzt die strenger gewordenen Datenschutzrichtlinien, doch ernsthafte Probleme habe er deshalb noch keine bekommen. „Ich halte ja auch nicht auf einzelne Köpfe drauf mit der Kamera“, sagt Löffler.

Logisch, dass Benno Löffler hofft, dass es möglichst bald wieder losgehen kann mit dem Dudenhofener Dorfleben, damit er wieder filmen kann. Abgesehen vom momentanen Stillstand im öffentlichen Leben, hat der Lokalpatriot wenig auszusetzen an seinem Heimatort, auch wenn dieser mittlerweile viel von Speyer übernommen habe – zum Beispiel die hohen Immobilienpreise. Ansonsten ist für ihn Dudenhofen „ääfach schää“. „Dudenhofen bleibt Dudenhofen. Wir lassen uns auch niemals eingemeinden“, ist der Wahl-Speyerer überzeugt.

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